Debian Projektleiterwahl DPL
Bild: Debian | Quelle Mohd Sohail | Lizenz: CC BY-SA-2.0

Wie jedes Jahr im März treten die Kandidaten für die Wahl zum Debian-Projektleiter mit ihren Wahlplattformen gegeneinander an. In diesem Jahr haben sich drei Entwickler zur Verfügung gestellt, den Posten für mindestens ein Jahr zu übernehmen. Der derzeitige Amtsinhaber Sam Hartman steht zu diesem Zeitpunkt nicht für eine zweite Amtszeit zur Verfügung.

Eher Präsident denn Kanzler

Das Amt des Debian-Projektleiters (DPL) gleicht eher dem des Bundespräsidenten als dem des Bundeskanzlers. Die Aufgaben umfassen unter anderem die Mediation in Teams oder zwischen Teams oder Mitgliedern des Projekts, die Vertretung des Projekts in der Öffentlichkeit bei Vorträgen und Präsentationen, die Übersicht über Finanzen und legale Angelegenheiten und ganz viel tägliches Klein-Klein.

Noch bis zum 4. April werden die Plattformen der Kandidaten, in denen sie ihre Ideen und Ziele für die angestrebte Amtszeit erläutern, auf der Mailingliste diskutiert. Vom 5. bis 18. April können alle offiziellen Debian-Entwickler ihre Stimme abgeben. Die Kandidaten in diesem Jahr sind Jonathan Carter, Sruthi Chandran and Brian Gupta.

Jonathan Carter

Jonathan Carter, der bereits letztes Jahr angetreten war, nutzt Linux seit 1999, ist seit drei Jahren offizieller Debian-Entwickler. Er ist 38 Jahre alt und betreut in seiner Heimat Süd-Afrika seit 15 Jahren einen Debian-Ableger für ein Bildungs-Institut. Die Schwerpunkte in seiner DPL-Plattform sind, Debian attraktiver für Neueinsteiger zu machen, die Zusammenarbeit untereinander zu stärken, Engpässe zu beseitigen und mehr Transparenz in die Verwaltung und Finanzierung zu schaffen.

In seiner Bewerbungs-E-Mail schrieb er: »Ich kandidiere für den Job als DPL, weil ich denke, dass Debian es wert ist, sich dafür einzusetzen und es zu einer angenehmen und produktiven Umgebung zu machen. Ich denke, dass wir in gewisser Weise in einem Überlebensmodus gelandet sind, und wir müssen uns darüber hinaus entwickeln und dem Projekt erlauben, wieder zu florieren«.

Sruthi Chandran

Sruthi Chandran ist 32, betreut seit 2016 Debian-Pakete und ist seit Mai 2019 Debian-Entwickler. Ihr Hauptaugenmerk für die Kandidatur ist ihre Besorgnis über das verzerrte Geschlechterverhältnis innerhalb freier Software-Projekte. Sie schreibt in ihrer Plattform: »Diese DPL-Kandidatur ist auch tatsächlich ein kleiner Schritt in diese Richtung. Wie oft hatten wir schon einen nicht-männlichen Kandidaten für den DPL? Mein primäres Ziel bei meiner Bewerbung ist es, die Fragen der Geschlechtervielfalt in den Mainstream zu bringen.«

Brian Gupta

Der dritte Bewerber um den DPL-Posten ist Brian Gupta, der seit 15 Jahren insgesamt und seit 7 Jahren offiziell an Debian mitarbeitet. Seine Bewerbung hat nur ein Ziel, wie aus seiner Wahlplattform hervorgeht. Er möchte eine Debian-Stiftung einrichten, die unter anderem die bisherigen externen Mechanismen zur Spendensammlung ersetzt. Die Stiftung soll zweigeteilt für die USA und für Europa gegründet werden.

Eigene Stiftung

Gupta kritisiert das bisher für die Geldangelegenheiten zuständige Projekt Software in the Public Interest (SPI), das 1997 von Debian mitbegründet wurde. Die Qualität der Dienstleistung sei über die Jahrfe sehr schwankend gewesen, so Gupta. Zudem konzentriere sich SPI nicht mehr auf Debian, sondern erbringt seine Dienste für viele Projekte.

Das drücke sich etwa dadurch aus, dass der DPL nicht mehr automatisch Ehrenmitgleid von SPI sei und dadurch auch nicht mehr zu den Sitzungen eingeladen werde. Aus diesen Gründen könne sich Debian die 5 Prozent, die SPI einbehält und die sich bereits auf rund 16.000 US-Dollar belaufen, auch sparen. Der europäische Ableger FFIS hat seinen Dienst fast komplett eingestellt und Spenden über diesen Verein werden nicht mehr empfohlen.

Nach meinem Empfinden hat Jonathan Carter die besten Chancen, die Wahl zu gewinnen, da er als einziger Kandidat eine umfassende Plattform bietet, die sich nicht auf Nischenthemen beschränkt. Näheres wissen wir am 19. April.

Drei Bewerber für Debian-Projektleiterwahl

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Alle Kommentare
  • tuxnix

    21.03.2020, 21:46 Uhr

    Sruthi Chandran:
    Nicht gegen Frauen an sich und auch als Präsitent von Debian. Ein Inhalt jedoch bietet dieses Programm nicht.
    Brian Gupta:
    Das scheint mir ein sehr wichtiges Anliegen zu sein. Unabhängig davon ob er Präsident wird oder nicht, sollten die Finanzen auf die best mögliche Basis gestellt werden.
    Jonathan Carter:
    Von dem was du hier berichtest. ist er der Beste. Er kennt Debian aus dem ff und will es weiter bringen.