München bekennt sich zu »Public Money? Public Code!«
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Wie die Free Software Foundation Europe (FSFE) in einer Presseverlautbarung mitteilt, hat sich die Stadt München in einem neuen Koalitionsvertrag zum Prinzip Public Money? Public Code! bekannt.

Neuer Koalitionsvertrag

Nach den Wahlen im März sieht sich München einer neuen politischen Situation gegenüber. Die CSU regiert nicht mehr mit, SPD und Grüne koalieren. Vor wenigen Tagen hat sich die neue Koalition von SPD und Grünen auf einen Koalitionsvertrag geeinigt. Dieser enthält ein starkes Bekenntnis zur Nutzung Freier Software: Künftig soll das Prinzip »Public Money? Public Code!« gelten. München schließt sich damit der Forderung der FSFE an, wie aus deren Pressemitteilung hervorgeht.

Das Drama um LiMux

München? Freie Software? Da war doch was! Genau, LiMux – eine Moritat von der politischen Moral. Die Abkehr von Linux in der Münchner Verwaltung hatte damals ab 2014 die Koalition von SPD und CSU unter Bürgermeister Dieter Reiter zu verantworten.

Bekenntnis mit Schlupflöchern

Neben dem Bekenntnis zu »Public Money? Public Code!« enthält die neue Koalitionsvereinbarung ein generelles Bekenntnis zu Open Source. Im Kapitel »Digitalisierung als Chance« ab Seite 31 steht dort im Wortlaut:

Wo immer technisch und finanziell möglich setzt die Stadt auf offene Standards und freie Open Source-lizenzierte Software und vermeidet damit absehbare Herstellerabhängigkeiten. Diese Abwägung nehmen wir als Kriterium für Ausschreibungen mit auf, eine Abweichung von diesem
Grundsatz muss begründet werden. … Es gilt im Hoheitsbereich grundsätzlich das Prinzip »public money, public cod». Das heißt: Sofern
keine personenbezogenen oder vertrauliche Daten enthalten sind, wird auch der Quellcode städtischer Software veröffentlicht.

Die FSFE sieht München damit wieder auf dem richtigen Weg, kritisiert aber einige Schlupflöcher, wie in der Formulierung »sofern keine personenbezogenen oder vertrauliche Daten enthalten sind«, die als mögliche Schlupflöcher angesehen werden.

Münchner Karussell

Ob dieses Bekenntnis zu Open Source in der Lage sein wird, die in vollem Gange befindliche Migration von Linux zu Microsoft ganz oder teilweise zu stoppen, bleibt abzuwarten. Wir werden sehen, was das Münchner Karussell als Nächstes zu bieten hat.

München bekennt sich zu »Public Money? Public Code!«

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Alle Kommentare
  • Detlef S

    07.05.2020, 09:47 Uhr

    Na, ob die dann Limux ein neues Leben einhauchen? Nachdem Microsoft bereits wieder Millionen für ihr fragwürdiges System kassiert haben, man wird es sehen.

  • Bernd

    07.05.2020, 09:50 Uhr

    Das wird wohl nichts mit Linux, nachdem sich OB Reiter öffentlich als Microsoft Fan geoutet hat.
    Ein Schelm wer böses dabei denkt 🙁

  • tuxnix

    10.05.2020, 17:48 Uhr

    Es geht wohl eher darum, dass Linux der heimlichen Corona-Hauptstadt wieder korrekten Sourecode ein haucht als umgekehrt. Sicherlich, ein paar korrupte (weil parteiische) Beraterfirmen haben für ihre Gutachten Millionen abkassiert. Zu recherchieren wäre aber ob es Windows überhaupt geschafft hat, den Verwaltungsjob für die Münchener Stadtverwaltung komplett zu übernehmen. Ich vermute jedenfalls, dass auf vielen Rechnern immer noch Linux läuft. Da wäre jetzt mal ein Insider gefragt, der hier anonym postet und uns aufklärt, wie viele Rechner noch auf Linux laufen.
    Die andere Geschichte ist dann, was man von diesem politischen Bekenntnis mit Schlupflöchern halten soll.
    Der letzte Satz zeigt, dass hier Ahnungslose mit am Werk waren. Persönliche Daten im Sourcecode einer Software. Wie soll denn das überhaupt gehen. Gibt es schon einen Compiler für Frau Mustermann?

  • Jochen

    14.05.2020, 12:30 Uhr

    “Wo immer technisch und finanziell möglich”

    Der auf der Internetseite der Grünen veröffentlichte Koalitionsvertrag wurde mit Microsoft Word geschrieben. Offensichtlich ist es für SPD und Grüne NICHT “technisch und finanziell möglich” Koalitionsverträge mit freier Software zu schreiben.

    • Ferdinand Thommes

      14.05.2020, 15:19 Uhr

      Das ist traurig.

  • Zettmaster

    16.05.2020, 21:14 Uhr

    Das Problem ist ein abhängiger, erpressbarer Staat der so gut wie keine Handlungsoption besitzt! Microsoft diktiert und führt Standards ein die hoch umstritten sind und keine Alternativlösung zulassen.
    Es wäre notwendig ein freies Betriebssystem für die Verwaltung zu entwickeln bzw. eine Distribution anzupassen, welches wie Windows, aus einem Guss wirkt. Dieses verknüpft mit EU Rechenzentren die Daten nur EU weit speichern und gegen außen schützen. Diese natürlich mit ausschließlich Linux Servern. Die Lizenzkosten dürften nicht mehr aus Steuergeldern finanziert werden. Offene Dokumentenstandards zur Pflicht zu machen um mit allen Bürgern der EU, egal aus welcher Schicht kommunizieren zu können. Steuergelder für die Entwicklung freier Programme die den Behörden und Kommunen kostenfrei zur Verfügung gestellte werden.
    Ein feuchter Traum. Ich befürchte, dass das nie eintreten wird. Privat kann ja jeder kaufen was er will, aber Schulen mit Microsoft Software auszurüsten und unsere Kinder schon in die totale Abhängigkeit zu bringen zeigt was ein Konzern für ein Monopol besitzt.

    • Ferdinand Thommes

      16.05.2020, 21:31 Uhr

      Was die Schulen angeht, erzeugen sie das Gegenteil von Medienkompetenz. Wer heute nur mit Kenntnissen in Windows ins Berufsleben startet, ist meiner Meinung nach schlecht aufgestellt.