Nach sechs Monaten Entwicklung stellt TUXEDO Computers aus Augsburg TUXEDO OS 1 als Live-ISO auf einer eigenen Webseite vor. Das hauseigene TUXEDO Betriebssystem war bisher lediglich online über WebFAI installierbar. Jetzt können nicht nur TUXEDO-Besitzer, sondern jedermann die Distribution verwenden.
WebFAI mit Vor- und Nachteilen
Dahinter steckt das Debian-Projekt Fully Automated Installation (FAI) von Thomas Lange, das für WebFAI als Grundlage dient, um die Installation von TUXEDO OS und anderen unterstützten Distributionen vollautomatisch so vorzunehmen, wie es in der Fertigung installiert wird. Somit trauen sich auch absolute Anfänger, die ein TUXEDO-Notebook erworben haben, an die Neuinstallation.
Allerdings hat das Verfahren einen entscheidenden Nachteil, denn dabei werden prinzipbedingt alle angeschlossenen Festplatten abgesehen von Windows in einer Dualboot-Situation komplett gelöscht. Auch ist damit keine individuelle Partitionierung möglich.
Deshalb haben sich die Tuxe aus Augsburg entschieden, das neue TUXEDO OS 1 parallel auch als Live-ISO verfügbar zu machen. Das erlaubt erfahreneren Anwendern die individuelle Ausgestaltung ihrer Installation, wie sie es von anderen Distributionen gewöhnt sind.
Aber was macht nun das neue TUXEDO OS 1 aus?
Als Basis für TUXEDO OS 1 dient Ubuntu 22.04 LTS, als Desktop-Umgebung wurde KDE Plasma in Version 5.24.6 auserkoren, als Kernel wird Linux 5.15 ausgeliefert. Die Änderungen und Entwicklungen, die in das hauseigene Betriebssystem eingeflossen sind, gehen weit über Kosmetik zur Anpassung an die Corporate Identity hinaus.
Fangen wir von vorn an. Im GRUB-Bootmenü sind Einträge für die WebFAI für Notebooks und Desktop-Geräte zu finden, die eine vollautomatisch geführte Installation auch ohne den sonst nötigen WebFAI-Stick durchführen können. Voraussetzung ist lediglich eine Verbindung per LAN-Kabel.

Kleine Helferlein
Im Hauptmenü von Plasma wurde das Untermenü TUXEDO hinzugefügt, das einige nützliche Funktionen bietet. Neben der Option zur Installation per Calamares-Installer und dem TUXEDO Control Center (TCC) ist ein WebFAI-Creator integriert, der ein Abbild erstellt, das genau dem Auslieferungsstand bei TUXEDO-Geräten entspricht.
Dann sind da noch die Einträge für Auto-Reparatur und Chroot. Beides sind Reparaturfunktionen, wobei ersteres automatisch abläuft und auf TUXEDO Tomte basiert. Die Chroot-Funktion erstellt mit zwei Klicks eine [wiki title=”Chroot”]Change Root[/wiki], die es erlaubt, Änderungen im installierten System vorzunehmen. Wer schon mal eine Chroot händisch erstellt hat, der weiß die Vorteile dieser vereinfachten Einrichtung zu schätzen.

Grafiktreiber vorinstalliert
Das Abbild von TUXEDO OS 1 kommt mit den Open-Source-Treibern für Intel und AMD Grafikkarten sowie dem proprietären Treiber für NVIDIA. Damit ist es mit allen Geräten, egal welche Grafikkarte verbaut ist, gleich vom Start weg einsatzbereit. Wer zwischendurch gerne ein Spielchen wagt, kann sich über eine stets aktuelle Version der Open Gaming Platform Lutris sowie das Paket Heroic-Games-Launcher im Repository freuen.
Weitere Anpassungen
Abweichend von Ubuntu kommt für den Audiobereich PipeWire zum Zug. Bei den Voreinstellungen weicht die Konfiguration des GRUB-Bootmanagers von Ubuntu ab. GRUB verfügt über eine Funktion zur Einbindung des externen Programms os-prober, um bei Dual- oder Multi-Boot-Systemen andere, auf demselben Rechner installierte Betriebssysteme zu erkennen und entsprechende Menüeinträge für diese zu erzeugen. Diese Funktion, die Ubuntu und anderen Distributionen mit GRUB 2.06 deaktiviert haben, ist bei TUXEDO OS weiterhin aktiv.
Paketformate: Deb vs. Snap
Bei TUXEDO OS wird auf Canonicals hauseigenes Paketsystem Snap verzichtet, Firefox wird als Debian-Paket installiert, der Snap-Daemon snapd ist nicht auf dem Abbild zu finden. Zusätzlich steht Chromium als DEB zur Installation bereit. Zudem ist Flatpak als alternatives Paketsystem inklusive Flathub vorkonfiguriert und direkt aus dem Paket-Shop Discover verfügbar. Alle vorinstallierten Pakete von TUXEDO OS sind in der Manifest-Datei online zu sehen, von wo auch das 64-Bit Abbild bezogen werden kann.
Damit ist es mit allen Geräten, egal welche Grafikkarte verbaut ist, gleich vom Start weg einsatzbereit.

Extremtest:
TUXEDO-OS auf einem schon etwas betagten Thinkpad X61s.
Mei Fazit: Bitte nicht nachmachen!
Habe es dann mal auf einen X220 Laufen lassen, was dann wesentlich besser lief. Auf jeden Fall ansprechender als das typisch bunte Ubuntu. (als Life-Medium), würde aber auch nicht mehr ausschließen, es auf den X220 zu installieren.
Wow, ein X61s! Lange nicht mehr gesehen. Das waren schon coole Geräte – leider heutzutage für den Alltagsgebrauch nur noch begrenzt nützlich. 🙁
Wäre vermutlich eher ein Fall für ein leichtgewichtiges Linux, Bodhi oder so.
Ja, ist schon ein altes Teil, habe dort Q4-OS installiert, das läuft noch recht ordentlich. aber irgentwie stehe ich auf gut abgehangene Hardeare, habe ich mal für kleines Geld bekommen.
Ja, gute alte Hardware find mag ich auch.
Hab mal vor einigen Jahren in der Schule einen Schmelzkurve aufgenommen, um zu zeigen, dass die Temperatur am Schmelzpunkt einen Knick macht um dann wieder kontinuierlich zu steigen und hab einen uralten Rechner (so ca. BJ 1986) mit einem DOS-Programm zur grafischen Auswertung und Nadeldrucker dafür genutzt, statt einfach einen modernen Laptop zu nehmen, die wir auch hatten.
Einfach weil es der alte Rechner auch tat und man damit eben auch noch was anfangen kann.
Die Schüler haben das Ding ziemlich ungläubig angestarrt. War ja immerhin auch deutlich älter als sie selbst.
Ohne Snap ist ja schon mal ganz gut, aber macht es sinn, ein System von einem Hardware-Hersteller zu installieren, wenn man seine Hardware nicht hat?
Ausprobieren werde ich schon aus reiner Neugierde.
Was spricht aus deiner Sicht dagegen?
Grundsätzlich nichts, nur das da wiederum eine Firma dahinter steht, auch wenn ich es natürlich positiv finde, das es überhaupt Hersteller gibt, die sich dem Thema Linux angenommen haben.
Ja nur Tuxedo ist eine kleine Firma, die eben schon immer ihre Laptops mit dem selbst erstellten OS ausstattet.
So lange es nicht suse oder redhat ist passt es doch.
Wollte mir heute mal die Iso herunterladen, die Seite scheint völlig überfordert zu sein, wie gesagt, ausprobieren werde ich das System auf jeden Fall, ich glaube erst dann kann man sich eine abschließende Meinung machen. Redhud käme für mich auch nicht unbedingt in Frage, Opensuse hatte ich anfangs mal, irgendwie mag ich da lieber eine Deb-Basierte Distri.
Ich halte das OS fuer einstandfaehiges, was zum Businesseinsatz geeignet ist.
Deswegen werde ich es ebenfalls testen. Da es auf LTS beruht sehe ich da keine Probleme.
Naja Flatpak muesste man noch entfernen, dann ist alles gut.
ja, dann wäre man im Prinzip wieder bei Debian.
Ubuntu mit Plasma und ohne Snap? Gefällt mir! Und ich schätze jetzt kann man auch BtrFS für die root Partition auswählen? Fast schon ein Konkurrent für openSUSE.
Ja, Dateisystem ist frei wählbar.
Wenn ich das immer lese: “Konkurrent für …”. Eigentlich gibt es so etwas im Linuxbereich gar nicht, ist auch quatsch, denn es ist opensource und jeder kann sich auch aus den Distros im quellcade rausholen was er zu brauchen denkt und sein eigenes Paket bauen.
Und genau das ist ja der Linux Gedanke.
Nur ist es eben auf grund der vielzahl von Distros und derivaten meist nicht notwendig dies zu tun.
Das war jetzt auch gar nicht unbedingt betriebswirtschaftlich oder so gemeint 🙂 Nur dass Distro A auch für Nutzer von B interessant sein könnte und umgekehrt. (Was mich einschließt. Aber ich denke, ich bleibe zumindest während der 15.x Versionen noch bei Suse.)
Ja klar, naja ich hatte suse 1.x irgendwas damals aber da ich auch mit IBM AS400 sco und sun arbeitete habe ich mich ganz schnell von suse wieder getrennt als sie dachten eine Vormachtstellung zu erhalten, wenn sie sich nicht an die Linux strukturen etc. halten.
Leider machen sie das bis heute.
Ich hatte vor über 22 Jahren auch mal SuSe probiert. War meine erste Distri. Habe aber relativ schnell gemerkt, dass sie wohl ihren eigenen Weg gehen und sich nicht wirklich an Standards (quasi) orientieren. Daher dann zu RedHat und letztlich zu Debian. Finde das wichtig das die Distributionen sauber bleiben.
Suse war auch die erste Distribution, die ich (naja, meine Frau, die von Windows genervt war) ausprobiert habe.
War ein sehr kurzer Ausflug zu Linux, weil wir es nicht geschafft haben (und auch ein Freund, der zu dem Zeitpunkt Linux regelmäßig verwendet hat), den GUI Audioplayer dazu zu bringen, MP3s abzuspielen (während es auf der CLI ging).
Etwas später hat besagter Freund mir dann Gentoo installiert, bei dem ich dann geblieben bin. Meine Frau nutzt Mint.
Finde ich gut. Wobei zwei unterschiedliche Distributionen …oder administriert deine Frau das System selber? Hier läuft überall Debian (Frau + Kinder), da ich die Systeme administriere. Muss dazu sagen, dass die Familie nur die Wahl hatte, aber DS bestand auch nicht die Notwendigkeit, da alles läuft was laufen muss. Sowohl meine Frau, wie auch meine Kinder, sind mit Linux groß geworden. Die Kinder lernen Windows in def Schule kennen, haben aber kein Problem mit dem Switch. Für meine Frau muss das nur funktionieren. Das da drunter ist ihr nicht so wichtig (…wobei: Wenn sie Windows mal kennen gelernt hätte 😂. Sie schmunzelt immer nur wenn sie von Arbeitskollegen hört wenn die über Win am klagen sind).
Naja, was gibt’s denn bei Mint groß zu administrieren?
Früher hatte sie auch Gentoo – war meiner Meinung nach mehr arbeit, 2x Gentoo auf unterschiedlichen Computern zu administrieren, als einen auf Mint zu haben.
Letztendlich braucht sie den Computer viel zum Arbeiten und da dauerte es oft einfach zu lange, bis ein Update fertig kompiliert war, insbesondere wenn QT-Webengine dabei war – mein persönliches Horrorpaket.
OK, verstehe. Kann zu Mint nix sagen, aber ja, klingt logisch. Gento kann ich mir gut vorstellen. Einer der Gründe warum ich mich seiner Zeit dagegen entschieden habe und für Debian. Einmal eingerichtet kümmere ich mich nur noch um die Updates.
Naja, es sind schon konkurrierende Linuxe. Man kann als Nutzer nur begrenzt Betriebssysteme haben, muss sich also entscheiden für das eine oder das andere oder noch ein anderes.
Und wer Suse nicht nutzt, kann auch im Zweifelsfalle nicht dazu beitragen – so ist es zwar keine Konkurrenz im wirtschaftlichen Sinne, aber schon im Sinne der Weiterentwicklung des Systems.