Die Gattung der Linux-Tablets ist bisher nicht gerade vom Glück verfolgt. Das hardwareseitig hervorragend gefertigte JingPad A1 verschwand im Frühjahr nur Monate nach der ersten Auslieferung von der Bildfläche und ließ die Käufer mit einem unfertigen Betriebssystem zurück.
Oft gescheitert
Gescheitert ist auch der Versuch der Firma Jolla, dem Jolla-Phone ein Jolla-Tablet mit Sailfish OS folgen zu lassen. Es wurden nur rund 540 Geräte ausgeliefert und das Unternehmen stand kurz vor dem Konkurs. Auch dem bereits 2014 geplanten KDE-Tablet Vivaldi war kein Erfolg beschieden. Aktuell ist das Juno-Tablet ist für 430 EUR plus MWSt käuflich zu erwerben, kämpft aber immer noch mit einigen Kinderkrankheiten.
Neuer Anlauf
Für 2023 kündigen sich aber bereits zwei neue Linux-Tablets an. Dabei ist einer der Kandidaten ein alter Bekannter, nämlich das PineTab2 als Nachfolger des ursprünglichen PineTab. Das PineTab2 wird im aktuellen Dezember-Report von PINE64 angekündigt. Der Vorgänger, das für 99 USD angebotene PineTab hatte mit einigen Problemen zu kämpfen, die nicht zuletzt Pandemie-bedingt die Produktion zum Stillstand brachten.
Aktualisierte Hardware
Der jetzt im Formfaktor 10.1″ vorgestellte Nachfolger bringt anstatt des Allwinner A64 SoC einen im Mainline-Kernel mittlerweile gut unterstützten Rockchip RK3566 SoC mit einem Cortex-A55 SoC mit vier Kernen, einer Mali-G52 M2 GPU und Unterstützung für bis zu 8 GByte RAM und 128 GByte internem Speicher. Das Metallgehäuse bietet zwei USB-C-Anschlüsse, einen USB-3.0-Anschluss und einen USB-2.0-Anschluss zum Laden. Zudem sind ein Micro-HDMI-Anschluss für die Videoausgabe, ein MicroSD-Steckplatz, eine 3,5-mm-Kopfhörerbuchse sowie eine 2-MP- und eine 5-MP-Kamera verbaut.
Der Akku soll 6000mAh leisten und wie beim Vorgänger gehört auch hier standardmäßig ein Cover mit Tastatur zum Lieferumfang. Im Dezember und Januar sollen Prototypen an Entwickler ausgeliefert werden, ein Termin für die Vorbestellung ist bisher ebenso wenig bekannt wie der anvisierte Verkaufspreis.
Fydetab Duo
Das zweite Linux-Tablet, das uns 2023 erreichen soll, ist das Fydetab Duo, das gerade auf Indiegogo schwarmfinanziert wird. Es spielt in einer anderen (Preis)-Klasse als das PineTab2 und ist als Early Bird für 560 EUR zu bestellen. Dafür bringt es einen vergleichsweise leistungsstarken Rockchip RK3588S ARM-SoC mit vier Cortex-A76- und weiteren vier Cortex-A55-Rechenkernen sowie eine Mali-G610 MP4 GPU mit, die einen QHD-Touchscreen im beliebten16:10-Format bei 12,35″ Diagonale beliefert.
Bei RAM und Storage entspricht es mit 8 GByte RAM und 128 GByte eMMC-Flash-Speicher dem PineTab2. Das Gerät bietet einen USB-C-Port, mit DisplayPort-Unterstützung und Ladefunktion, einen MicroSD-Port sowie einen Kopfhörereingang. Zum Lieferumfang gehört ebenfalls eine Tastaturhülle und zusätzlich ein Wacom-Stylus.
FydeOS
Beim bereits seit 2015 verfügbaren chinesischen Betriebssystem FydeOS handelt es sich um ein Chromium-basiertes System mit Linux-Kernel, das neben Web-Apps auch Android- und Linux-Apps (in einem Container) unterstützt. Der Bootloader ist offen, sodass auch andere Betriebssysteme und Distributionen installiert werden können. Dazu zählt neben diversen Linux-Distributionen und Android (AOSP) auch openfyde, eine Open-Source-Version von FydeOS. Die Auslieferung der Early Birds soll bereits im Januar beginnen.

Die indiegogo Kampagne hat über 60000€ gebracht. Hat irgendwer ein Fydetab Duo Gerät erhalten?
Möge dem Pinetab 2 Erfolg beschieden sein. Seit der Einstellung von Lenovos IdeaPad D330 ist in der 10″-Detachable-Klasse ja eine echtes Lücke entstanden. Hoffen wir, dass es eine vernünftige deutsche Tastatur und vor allem gute Akkulaufzeit haben wird.
Ich wünsche mir schon lange eine Linux-basierte, brauchbare “Immer-dabei-Schreibmaschine” mit Draußen-Tauglichkeit, die aber auch mal für eine kleine Präsentation oder als Videobetrachter taugt. Oder zuhause meinen Home Assistant und meinen Logitech Media Server steuern kann. Bisher ist dafür immer noch der D330 im Einsatz – trotz Windows und etwas verunglückter Tastatur. Aber 10–12 Stunden ohne Nachladen mit Obsidian oder Marktext arbeiten hat schon was. 4G für unterwegs auch.
Klingt interessant und Hoffnungsvoll.
Das Pine das mit dem Tab kann, ist ja bekannt. Es wird aber wahrscheinlich noch ein weiteres Gerät geben. Das Shift 13mi:
https://www.notebookcheck.com/SHIFT13mi-nachhaltiger-Laptop-im-Hands-on.645661.0.html
Das soll lt. Shift mit Linux daher kommen. Shift arbeitet seit geraumer Zeit daran.
Es wird hoffentlich noch einen Bericht dazu auf gnulinux.ch und hier geben (@Ferdinand: Du bist dazu bereits angesprochen worden).
Möchte hier dem Kollegen nicht zu viel vorweg nehmen.
Allerdings spielt das 13mi preislich in einer anderen Liega und ist m.M.n. eher als Detachable Lösung zu verstehen.
Was mich ja wundert: Hier wird auf ein Tablet von einer sehr interessanten Firma verwiesen (bekannt durch die Shiftphones) und entweder wissen das schon alle oder hier ist kein Interesse oder das geht total unter! Vielleicht muss der Kollege erst den Artikel veröffentlichen bevor hier eine Reaktion kommt. Finde ich etwas merkwürdig.
Für die Liste der gescheiterten Linux Tabletts hätte ich da auch noch das WeTab anzubieten. 😉 So langsam müsste es dann aber auch mal wirklich klappen.
Wie man sieht stehen die Chancen nicht schlecht dafür.