Im März 2019 kaufte das amerikanische Unternehmen F5 Networks Inc für 670 MIO. USD die Webserver-Software NGINX, die seit 2011 vom russischen Entwickler Igor Sysoev entwickelt wurde. NGINX läuft derzeit auf rund einem Drittel aller Webserver weltweit, in Russland sind es über 60 %. Die Software, die sich große Teile des Marktes mit dem Apache-Webserver teilt, findet auch als Reverse Proxy und als E-Mail-Proxy Verwendung.
Rückzug aus Russland
Im Mai dieses Jahres zog sich F5 Networks aufgrund der politischen Lage und in Unterstützung der Ukraine komplett aus Russland zurück. Die Entwickler erhielten ein Angebot zur Umsiedlung nach Kalifornien, was auch fast alle wahrnahmen. Im Nachgang kehrten jetzt einige der Haupt-Entwickler zurück nach Russland, gründeten die Firma Web Server LLC und stellten nun als erstes Produkt einen Fork von NGINX vor, der auf den Namen Angie hört. Eine erste Version 1.0, die einer BSD 2-Lizenz unterliegt, steht auf GitHub zum Download bereit. Die Lizenz erlaubt die kostenlose, private und kommerzielle Verwendung.
Drop-in Replacement für NGINX
Angie ist ein Fork, der weit über die ursprüngliche Version hinausgehen soll und kann nach Aussagen der Entwickler als Drop-in Replacement unter weitgehender Beibehaltung einer bestehenden NGINX-Konfiguration dienen. Zum jetzigen frühen Zeitpunkt werden nur Installationen auf Debian 10 und 11 oder Ubuntu 20.04 oder 22.04 unterstützt, wie die Dokumentation ausweist.
Auch wenn die Konfiguration weitestgehend gleich bleibt, so sind abweichende Pfade zu beachten:
prefix=/etc/angie
conf-path=/etc/angie/angie.conf
error-log-path=/var/log/angie/error.log
http-log-path=/var/log/angie/access.log
lock-path=/var/run/angie.lock
modules-path=/usr/lib/angie/modules
pid-path=/var/run/angie.pid
sbin-path=/usr/sbin/angie
http-client-body-temp-path=/var/cache/angie/client_temp
http-fastcgi-temp-path=/var/cache/angie/fastcgi_temp
http-proxy-temp-path=/var/cache/angie/proxy_temp
http-scgi-temp-path=/var/cache/angie/scgi_temp
http-uwsgi-temp-path=/var/cache/angie/uwsgi_temp
Angie bringt folgende eingebaute Module mit:
http_addition_module
http_auth_request_module
http_dav_module
http_flv_module
http_gunzip_module
http_gzip_static_module
http_mp4_module
http_random_index_module
http_realip_module
http_secure_link_module
http_slice_module
http_ssl_module
http_stub_status_module
http_sub_module
http_v2_module
mail
mail_ssl_module
stream
stream_realip_module
stream_ssl_module
stream_ssl_preread_module
Darüber hinaus stellt ein Repository einige dynamische Module bereit:
angie-module-geoip
angie-module-geoip2
angie-module-njs
Mit Angie 1.0 wollen die Entwickler die gesamte Funktionalität von NGINX1.23.2 abgebildet haben. Die Firma Web Server LLC wird in Konkurrenz zu NGINX treten, aber auch deren Anwendern Support anbieten.

Höchst verdächtig, wenn man nach einer Auswanderung nach Kalifornien ins faschistische Putin-Russland zurückkehrt.
Heimat geht über vieles andere.
Auch wenn die Beteiligten es nicht so darstellen wollen: es ist ein politischer Fork. Und das ist nicht gut weil so Ressourcen aufgeteilt werden ohne daß es einen signifikanten Fortschritt gibt. Das unterscheidet es von anderen großen Forks aus dem Umfeld des Oracle Reiches – MySQL/MariaDB OpenOffice/LibreOffice – wo Entwickler wegen schlechter Bedingungen oder unklarer Richtung des Projektsponsors ausgezogen sind.
Open Source Software ist vom Prinzip her wie die Wissenschaft – Zusammenarbeit um ein nicht knappes Gut zu produzieren: Wissen wird mehr wenn man es teilt. Äpfel ißt man z.B. auf und dann sind sie weg. Während des Kalten Krieges hatte die wissenschaftliche Zusammenarbeit über den Eisernen Vorhang immer noch trotz extremer Bedingungen immer noch funktioniert.
Wir sollten einer Teilung unbedingt entgegenwirken und auf der Arbeitsebene den Kontakt nie abreißen lassen. Rußland ist nicht nur Putin, genauso wie USA nicht nur Biden und Deutschland nicht nur Scholz ist.
Genauso wie die Wissenschaft zur Verständigung und schließlich zum Abbau der Spannungen geführt hatte kann es die Open Source Bewegung auch – lassen wir uns nicht auseinanderdividieren.
Die Ursache ist zweifelsohne politisch, aber was soll gute Software denn machen, außer für die User in beiden Welten weiterhin da zu sein.
Um das klar zu sagen;. Ich bin gegen diesen Krieg, ich bin gegen Waffenlieferungen und auch gegen Sanktionen. Wenn es nach mir ginge müsste keiner hungern oder frieren und schon gar nicht Schlimmeres. Ich will hier auch kein Fass aufmachen, denn es geht hier ja “nur” um Software, Aber angesichts der äußeren Umstände ist es durchaus verständlich wenn jetzt zweit getrennte Teams an der Software und dem Kunden-Support getrennt weiterarbeiten.
Deine Meinung zum Krieg kann ich erst dann ernst nehmen, wenn auch deine Wohnung von russischen Truppen bombardiert und deine Familienmitglieder von russischen Soldaten vergewaltigt, massakriert und getötet wurden.