Audacity 3.0.3 führt Fehlerberichte und Update Check ein

Audacity 3.0.3

Wie Muse Group, die neuen Eigner des Open Source Audio-Recorders und -Editors Audacity bereits angekündigt haben, verfügt das jetzt veröffentlichte Audacity 3.0.3 über Netzwerkfähigkeiten und nutzt diese um Fehlerberichte zu senden und die Verfügbarkeit von Updates zu überprüfen.

Überarbeitete Bestimmungen

Beide Funktionen waren Bestandteil der Anfang Juli vorgestellten neuen Datenschutzbestimmungen, die nach erneut heftiger Kritik der Community seit einigen Tagen wegen »einiger Missverständlichkeiten« und »verfehlter Kommunikation« in einer überarbeiteten Version vorliegen. Das Sammeln von Informationen für Strafverfolgungsbehörden wurde entfernt, was Muse Group natürlich nicht der Zusammenarbeit mit Behörden entbindet. Ebenfalls fallen gelassen wurde die Beschränkung der Nutzung ab 13 Jahren. Diese Formulierung sei »nur zufällig« in die Bestimmungen geraten.

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Update Check ist Opt-out

Beim ersten Start von Audacity 3.0.3 informiert das Tool den Anwender darüber, dass die Überprüfung auf verfügbare Updates eingeschaltet ist und vom Anwender abgeschaltet werden kann (Opt-out). Tritt in der Anwendung ein Fehler auf, erhält der Anwender eine Nachricht über die Beschaffenheit des Fehlers und kann entscheiden, ob er diesen melden möchte oder nicht. In den neuen Datenschutzbestimmungen wird versichert, dass IP-Adressen sofort gekürzt und nie länger als nötig aufbewahrt werden und das keine weiteren Informationen gesammelt werden.

Aktuelles AppImage

Mit Audacity 3.0.3 gibt es erstmals eine Binärdatei für Linux, die derzeit lediglich als AppImage vorliegt. Die Windows-Version der Anwendung ist nun 64-Bit, sodass Plug-ins in 32-Bit nicht mehr funktionieren werden. Zudem muss die 64-Bit-Version von FFmpeg installiert sein. Die standardmäßig verwendeten Farben der Spektrogramme wurden überarbeitet.

Anwender, die sichergehen wollen, keine Netzwerkfunktionen in Audacity zu haben, können vorerst bei v3.0.2 bleiben oder sich den vielversprechendsten aktiv entwickelten Fork Tenacity anschauen.

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16 Kommentare

  1. Wie steht es eigentlich um das Flatpak von Audacity? Flatpak ist ja im Grunde eine Sandbox. Mit diesem Wissen und der Nutzung von Flatseal, kann man Audacity den Netzwerkverkehr unterbinden. Somit bekommt Audacity zwar Updates, kann aber nicht nach Hause telefonieren.

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    1. Auf Linux sind wir da ohnehin besser drann. Spätestens wenn die Distributionen auf Tenacity umschwenken, wird Audacity auf Linux verschwunden sein. Die Windowsbenutzer sind da leider wesentlich schlechter dran. Das Kalkül der Muse Group dürfte jedenfalls das sein, dass es dort einfach weiter läuft, ähnlich wie es mit OpenOffice immer noch der Fall ist.
      Proteste wegen Datenschutz wird es dann auch nicht mehr geben wenn einmal die FOSS Entwickler erfolgreich rausgeekelt wurden. Für mich ist das schlicht und einfach Softwareklau, denn danach wird umlizensiert und kommerzialisiert werden, was nur möglich ist.

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      1. Nachdem die jetzige Situation relativ unproblematisch ist, werden die Distros das wohl höchstens auf persönliche Initiative der Maintainer rauswerfen.

        Die gute Nachricht ist allerdings, dass es nicht sonderlich viele Entwickler zum Rausekeln gibt. Audacity wurde und wird von einem sehr kleinen Kreis programmiert und es ist durchaus glaubwürdig, dass die dem CLA und eventuellen Lizenzänderungen zugestimmt haben.

        https://github.com/audacity/audacity/graphs/contributors

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        1. Da Projekt besteht ja schon über 20 Jahre, GitHub zeigt nur die letzten 4 an. Aber schauen wir mal, wie es weiter gehen wird.
          Es wird wohl auch darauf ankommen wie gut sich Tenacity jetzt aufstellt.
          Im AUR gibt es jedenfalls schon mal ein tenacity-git 3.0.2 Paket.
          Werde ich morgen mal kurz anchecken.

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          1. Insgesamt sind wohl 30 Leute für 99% des Codes verantwortlich, also auch nicht super viele.

            Für die Zukunft dürfte aber vor allem relevant sein, dass außerhalb von Audacity bzw. der MuseGroup vermutlich keine nennenswerte Weiterentwicklung stattfinden wird. Da werden bestenfalls die hier genannten Funktionen rausgepatch, aber das war es dann auch schon.

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                1. Stimmt, aber sie sind schon sehr fleißig dabei.

                  Wir sind halt anderer Auffassung was die Zukunft betrifft. Einig sein müssen wir da nicht.
                  Allenfalls könnten wir eine Wette darauf machen.
                  Ich sage, in 2 Monaten ist tenacity im offiziellen arch repository mit einer 3.0.3 und audacity ist dort verschwunden. So jedenfalls meine Einschätzung.

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    1. Um Klingeltöne zu schneiden reicht meine ältere Version. Wozu dann updaten? Die sind durch. Für Linux hab ich komischerweise schon lange die 3.0.2 also warum soll es erst jetzt binarys geben? oO

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      1. Ich möchte auch bei der älteren Version bleiben, leider hat Xubuntu schon geupdated. AppImage finde ich da immer eine schöne Lösung für geschlossene Standalone-Programme ohne große Abhängigkeiten, wo man einen früheren Stand nutzen möchte / muss. Deshalb finde ich es klasse, dass es jetzt AppImages gibt.
        Das Vertrauen ist definitiv verbrannt. So viele Versehen und Versäumnisse, wie die MuseGroup innerhalb kürzester einräumen möchte, sprechen für dreiste Absichten – damit ist es Verlogenheit.

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          1. Das ist schon mal eine gute Info – wusste ich auch nicht.
            Über Tenacity (cooler und treffender Name) findet man leider nur dubiose Meldungen, so soll ein Entwickler angeblich bedroht worden sein? Wenn ich es richtig verstehe ist er auf 4chan angegangen worden und per YouTube wurde sein echter Name und die Adresse herausgefunden, sodass er auch an seinem Wohnort bedroht wurde. Keine Ahnung, ob da irgendein Wahrheitsgehalt dran ist. Es wäre aber spannend zu hören, auf welche Version aufgesetzt wird und ob man alles übernehmen kann; dann wäre ein baldiges Release wahrscheinlich. Dann rechne ich sogar fest damit, dass die meisten Linux-Distributionen schnell umschwenken.
            Hoffentlich wird es kein nächstes TrueCrypt und die Geschichte verläuft sich in dubiosen Vertuschungen…

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