GitHub Copilot

Aufruf: Jetzt weg von GitHub

Die Non-Profit-Organisation [wiki title=”Software_Freedom_Conservancy”]Software Freedom Conservancy[/wiki] (SFC) als Heimat vieler freier und quelloffener Projekte hat auf ihrer Webseite einen Aufruf gestartet, Github spätestens jetzt den Rücken zu kehren. Aufhänger ist die in der letzten Woche erfolgte allgemeine Bereitstellung des AI-gesteuerten Assistenten GitHub Copilot, der für 100 US-Dollar jährlich Benutzer von integrierten Entwicklungsumgebungen durch automatische Vervollständigung von Code mit Codeschnipseln von auf GitHub öffentlich gehostetem Code unterstützt.

Dominierende Rolle

Der netzbasierte Dienst zur Versionsverwaltung GitHub wurde 2008 gegründet und 2018 von Microsoft aufgekauft. Nach eigenen Angaben verwaltet der Dienst heute mehr als 200 Millionen Repositories von 83 Millionen Entwicklern und Anwendern. Die Autoren des Aufrufs, Bradley M. Kuhn und Denver Gingerich schreiben, GitHub habe in den letzten zehn Jahren eine dominierende Rolle in der FOSS-Entwicklung erreicht, indem es eine Schnittstelle und soziale Funktionen rund um Git, die weit verbreitete Open-Source-Versionskontrollsoftware, aufgebaut hat.

Weiter schreiben sie, GitHub habe auch nach dem Aufkauf durch Microsoft den Nimbus, Gutes für die Community von Open Source zu tun, nicht verloren. Deshalb habe sich die Migration weg von GitHub damals in Grenzen gehalten. Jetzt, mit der Verfügbarkeit von GitHub Copilot sei aber der Punkt gekommen, wo man GitHub den Rücken kehren sollte.

Unbeantwortete Fragen

Kuhn hatte Microsoft und GitHub bereits früher einen Fragenkatalog zur lizenzrechtlichen Seite von Copilot vorgelegt, die aber nie beantwortet wurden. Dabei ging es unter anderem um die Beachtung des Copyright beim Anlernen der AI, da die Repositories auf GitHub den unterschiedlichsten Lizenzen unterliegen. Eine weitere Frage betraf die Offenlegung aller Softwarelizenzen und Urheberrechtsinhaber für den im Trainingsdatensatz verwendeten Code.

Hilfe bei der Migration

Die SFC hostet ihren eigenen Code schon länger selbst, hat ihn aber bisher auf GitHub gespiegelt. Diese Repositories werden nun geschlossen. Zudem ruft SFC die unter ihrem Schirm gehosteten Projekte auf, ein Gleiches zu tun und bietet Hilfe bei der Migration an. Des Weiteren nimmt SBC keine neuen Projekte mehr auf, die nicht zumindest einen tragfähigen Plan zur Migration weg von GitHub in der Schublade haben.

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26 Kommentare

  1. Es gibt aber auch gute Beispiele für KI Anwendungen. Automatisierte Produktion wenn das z.B. um Greif-/Sortierprozesse geht. Da ist und passiert gerade sehr viel. Bedenklich finde ich das bei autonomen Fahren. Die Unfälle von denen wir in der Presse lesen, sind nur ein Tropfen auf den heißen Stein (z.B. Tesla, …). Zum Glück gibt es in Deutschland viele gesetzliche Hürden die es den OEMs nicht erlaubt alles direkt auf die Straße zu bringen. Da gibt es sehr viele kritische Diskussionen in diesem Bereich …zu Recht. So weit wie ein Elon uns das glaubhaft machen möchte, sind wir nicht.

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    1. Starlink ist auch im Ukraine-Krieg schon kräftig mit dabei. Drohnen machen die Aufklärung und liefern über Starlink die Koordinaten für die Geschütze. Da passt bestimmt auch noch eine KI zur Mustererkennung und Zielbestimmung dazwischen.
      Elon Musk sollte am besten vor sich selbst warnen. Er ist nämlich einer der die Rüstungindustrie genau in den Bereichen voranbringt.

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  2. Wir trauen sowieso niemanden über den Weg. Es gibt kein Cloud Computing – nur die Rechner von anderen Leuten. Darum habe ich eine Git/Gogs Instanz bei mir auf einem Raspi zu laufen. Die tut ihren Job unabhängig von der sonstigen Infrastruktur. Mein Kollege hat eine ähnliche Installation bei sich und synct die Repos. Damit sind sie vor Verlust geschützt. Das Schöne an Git ist ja gerade seine Dezentralität.

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  3. “automatische Vervollständigung von Code mit Codeschnipseln”

    In der Tat ist dann die Frage: Wer ist dann der Urheber? Die KI, in Folge dann sogar Microsoft, oder der, vom dem der laut KI passende Codeschnipsel geliefert hat? Kommt dann ein Mitspracherecht an Deiner Software von MS durch die Hintertür, quasi als feindliche Übernahme?

    Weitere Frage: Wer haftet, wenn die KI vesagt und der Code nicht macht was er soll oder sogar Schaden anrichtet?

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      1. The code, functions, and other output returned to you by GitHub Copilot are called “Suggestions.” GitHub does not claim any rights in Suggestions, and you retain ownership of and responsibility for Your Code, including Suggestions you include in Your Code.

        Die automatisch durch die KI eigefügten Codeschnipsel sind also “Anregungen”.
        Eine interessante Art und Weise, wie Microsoft versucht sich aus der Verantwortung zu ziehen…

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        1. Microsoft profitiert jedenfalls das Meiste davon. 100 tausende Entwickler dürfen arbeiten und Microsoft kann jederzeit entscheiden ob es nur die Idee oder auch den Code für seine eigenen Produkte klaut.

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    1. Meiner Meinung nach auch wieder nur eine Vorstufe. Wenn der Copilot seine Schnippsel zur Verfügung stellt und dann “beobachtet” was daraus vom Programmierer gemacht wird. Lernt er noch wesentlich mehr. Es ist ganz klar was die Vision dahinter ist. Eine KI die irgendwann selbst programmiert. Daher ist Copilot auch ein richtig gut gewählter Name. Denn welcher Copilot möchte nicht zukünftig auch mal ans Steuer. Wie ich das als Software Entwickler/Architekt sehen soll, bin ich nicht ganz sicher. Ich schätze die vielen Hilfen die eine Entwicklungsumgebung heutzutage schon mit ständigem Code parsen liefert. Ich schätze auch die Vorschläge die einem oft richtig angeboten werden.

      Aber klar es geht hier um diverse Opensource Lizenzen und der Untergrabung dieser (die aber sowieso stetig stattfindet, dann halt nicht von kleinen Entwicklern – sondern im großen Stil, systematisch)

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    2. Die Haftungsfrage für funktionales Versagen / angerichteten Schaden ist leicht zu beantworten – natürlich der Programmierer, der sich auf eingefügte Code-Schnipsel verlässt!
      Die Urheberschaft schon spannender – wenn erkennbar relevante Code-Stücke geklaut wurden, bleibt die Urheberschaft vermutlich beim „ursprünglichen Urheber“, oder? „Mitspracherecht“ hätte also keinesfalls MS, höchstens der ursprüngliche Programmierer … _Wenn_ die Vorschläge aber „gut“ sind, also nur Fleißarbeit abnehmen, sollte das passen.
      Aber Microsofts Intelligenz muss man ja trotzdem nicht durch seinen eigenen Code füttern!

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    1. Kommt drauf an – wenn man alle Funktionen braucht, wohl schon. Wenn man für Projekte, die auch öffentlich sein sollen, ein Frontend mag, das auch ohne JS was anzeigt: gitea oder gitweb

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        1. Jetzt wo die Kacke in Europa richtig am Dampfen ist, werden die Regierungen westlicher Länder mit kaputtgesparten Nachrichtendiensten dankbar sein für gute Lageberichte aus den USA.

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      1. Keines meiner Hardwareprodukte wurde von Hobbyisten kostenlos in ihrer Freizeit entwickelt. So manche freie Software musste ich schon durch ein kommerzielles Produkt ersetzen, wenn der Hobbyentwickler der freien Software keine Lust mehr hatte und seine Software zunehmend fehleranfälliger wurde oder nach Systemaktualisierungen schlicht gar nicht mehr starten wollte.

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        1. Ja, läuft bei mir auf code.rosaelefanten.org, mag es ziemlich gerne. Ist halt Cathedral und nicht Bazaar. Aber machen wir uns nichts vor: die meisten nicht von Vollzeit-Ehrenamtlichen betriebenen Projekte sind eine Cathedral.

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          1. Die meisten “kleinen” kommerziellen Projekte passen eigentlich auch eher in die Cathedral Kategorie. Trotzdem sieht man bei der Werkzeugunterstützung überwiegend die GIT-Monokultur. Irgendwie habe ich den Eindruck die meisten Projekte evaluieren nicht wirklich ihre Bedürfnisse.

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