Cosmoe UI Screenshot

Comeback nach 18 Jahren: Cosmoe bringt BeOS-Erfahrung zurück auf Linux

Ein echtes Kuriosum aus der Frühzeit der alternativen Betriebssysteme ist zurück: Cosmoe, eine Kombination aus BeOS/Haiku-Userland und Linux-Kernel, wurde nach einer 18-jährigen Pause wiederbelebt. Das ursprünglich Anfang der 2000er vom Entwickler Bill Hayden gestartete Projekt vereinte zunächst die Benutzerumgebung von AtheOS mit dem Linux-Kernel – mit dem Ziel, die Hardwarekompatibilität eines modernen Kernels mit der GUI-Effizienz alternativer Betriebssysteme zu verbinden.

Nach dem Ende von AtheOS 2002 (wurde später als Syllable weitergeführt – ebenfalls ein ambitioniertes Projekt, das jedoch 2012 ebenfalls aufgegeben wurde) wechselte Hayden die Basis und begann, Komponenten von OpenBeOS (heute Haiku) auf Linux zu portieren. Doch 2007 war Schluss – fünf Kinder und ein Mangel an Zeit ließen das Projekt ruhen. Erst 2024 entdeckte Hayden, durch das Interesse seines Sohnes neu motiviert, den alten Quellcode wieder. Innerhalb weniger Monate modernisierte er Cosmoe komplett: 64-Bit-fähig, lauffähig auf aktuellen Linux-Distributionen und fast vollständig mit dem aktuellen Haiku-Quellcode synchronisiert.

Heute existieren zwei Varianten von Cosmoe:

Cosmoe Classic bringt das klassische Konzept zurück – Haiku-Userland auf Linux, aktuell noch innerhalb eines SDL-Fensters ohne eigene Grafiktreiber.
Spannender ist jedoch das neue Cosmoe: eine C++-Bibliothek, die es Entwicklern erlaubt, native Linux-Apps mit der BeOS-API zu schreiben. Diese „serverlose“ Variante setzt direkt auf Wayland auf und kommt ohne das komplexe Backend klassischer BeOS-Systeme aus.

Ziel ist es, Haiku/BeOS-Apps direkt unter Linux/Wayland laufen zu lassen. Zwar befindet sich das Projekt noch im Alpha-Stadium, laut Hayden ist aber bereits ein Großteil der BeOS-API umgesetzt. Beispielanwendungen sind lauffähig, der Quellcode offen auf GitLab verfügbar.

Ob Cosmoe im Alltag praktische Relevanz erlangt, ist fraglich – doch darum geht es kaum. Vielmehr ist es ein Liebhaberprojekt mit tiefer Nostalgie, das zeigt, wie viel Leidenschaft in der freien Betriebssystemszene steckt. Ein kleines Wunder, dass 2025 ein Stück BeOS-Geschichte auf dem Linux-Desktop neu erblüht.

Quelle Bild: https://cosmoe.org/assets/img/cosmoe1.png

Teilt den Beitrag, falls ihr mögt

13 Kommentare

  1. Sicher eine nette Idee, warum nicht. Allerdings widerspricht das auch etwas dem Grundgedanken von Haiku als Einzelplatz-Betriebssystem, ansonsten hätten die Entwickler ja auch gleich auf Linux aufsetzen können und einfach nur eine GUI/Desktop bauen können. Wird auch in der Haiku-FAQ erklärt.
    Andererseits gibt es für Haiku genug Software, die von Linux / GNU oder anderen OSS-Quellen portiert wurden und nicht strikt der Grundidee des System folgt.

    Erinnert mich ein bisschen an AROS, was man als amigaoides System sowohl mit Linux als Host betrieben werden kann, aber auch direkt auf Hardware laufen kann. Dazwischen wird an Sachen gebastelt, um AROS-Software auch direkt unter Linux laufen zu lassen.

    Jetzt hätte ich schon wieder gerne einen Desktop mit BeOS-Style 😉

    3
  2. Hat jemand cosmoe zum laufen gebracht?

    Cosmoe wayland konnte ich kompilieren, DeskCalc fuktioniert im CLI Mode,
    aber alles andere crasht mit einem Coredump.

    ubu@T14:~/src/cosmoe-haiku$ /usr/local/bin/DeskCalc
    BUG: looper must be locked before proceeding

    BApplication::InitData(`application/x-vnd.Haiku-DeskCalc’, (nil))
    Looper port is -2147479551
    BApplication::InitData() done
    BUG: looper must be locked before proceeding

    BUG: looper must be locked before proceeding

    BUG: looper must be locked before proceeding

    no preference file found.
    BUG: looper must be locked before proceeding

    BUG: Could not create BWindow’s receive port, used for interacting with Wayland!
    BUG: looper must be locked before proceeding

    Speicherzugriffsfehler (Speicherabzug geschrieben)

    Cosmoe-Haiku Errors beim kompilieren

    PopOS 24.04

    0
    1. Da zu der Zeit ja unix das non plus ultra war, bsd ist ein unix, wie damals sco und Linux ist an das unixprinzip angehangen und als Grundlage.

      BeOS kenn ich so nicht weiter habe da mehr mit OS/2 Warp noch hantiert.

      Urspruenglich habe ich ja zu der Zeit unix programme/tools und Schnittstellen programmiert, deswegen bin ich auch irgendwo bei Linux gelandet.

      0
      1. Warum dummerweise, hat sich doch damals gelohnt. Habe neulich noch meine Boxen von GoBe Productive und BeOS weggeräumt, mitsamt der BeOS Bible von Scot Hacker.
        Klar, hätte mir auch mehr Erfolg gewünscht, war aber trotzdem eine tolle Zeit mit BeOS. comp.sys.be.misc mit slrn war sehr nett.

        0

Kommentar hinterlassen