Vor einigen Tagen berichteten wir, dass Dänemark ein Pilotprojekt mit Collabora Office beendet hat. Jetzt hat sich der Softwareanbieter selbst zu Wort gemeldet. In einer Stellungnahme vom 28. Oktober erläutert Collabora die Hintergründe und widerspricht insbesondere der Interpretation, das Projekt sei an technischen Schwierigkeiten gescheitert.
Integration erfolgreich abgeschlossen
Das dänische Digitalisierungsministerium hatte 2025 gemeinsam mit dem Softwareunternehmen cBrain begonnen, Alternativen zu Microsoft Office zu erproben. Dabei sollte Collabora Office in die Verwaltungsplattform F2 integriert werden, die in sämtlichen dänischen Ministerien für die Bearbeitung und Verwaltung von Dokumenten und Verwaltungsprozessen eingesetzt wird.
Diese erste Projektphase wurde laut Collabora erfolgreich abgeschlossen. Die Integration ermöglichte es, innerhalb von F2 zwischen Microsoft Office und Collabora Office zu wechseln, ohne die bestehende Verwaltungsplattform oder die verwendeten Microsoft-Dateiformate aufgeben zu müssen.
In einer zweiten Phase testeten rund 40 Beschäftigte die Software im Arbeitsalltag. Dabei traten tatsächlich Funktions- und Kompatibilitätsprobleme auf, über die bereits im Dezember 2025 in dänischen Medien berichtet wurde. Collabora räumt diese Schwierigkeiten ein, erklärt jedoch, dass die gemeldeten Fehler von erfahrenen Entwicklern untersucht und behoben worden seien. Die dafür aufgewendete Entwicklungs- und Qualitätssicherungsarbeit habe das Unternehmen selbst finanziert.
Regierungsumbildung statt technischem Abbruch
Als entscheidenden Grund für die Unterbrechung nennt Collabora eine Regierungsumbildung im Juni 2026. Dabei wurde das Digitalisierungsministerium als eigenständige Behörde aufgelöst und seine Zuständigkeiten in eine neue Ministerialstruktur übertragen. Damit entfiel der bisherige organisatorische Rahmen für das Pilotprojekt.
Nach Kenntnis von Collabora wurde deshalb weder die vorgesehene abschließende Evaluation durchgeführt noch eine formelle Entscheidung über die grundsätzliche Eignung der Software getroffen. Aus der Einstellung des Projekts lasse sich folglich nicht ableiten, dass Collabora Office die technischen Anforderungen der dänischen Verwaltung nicht erfüllen könne.
Zusammenarbeit wird fortgesetzt
Zugleich berichtet Collabora, dass die Zusammenarbeit mit cBrain und weiteren dänischen Behörden fortgesetzt werde. Dabei sollen die bereits entwickelte Integration in F2 und die Erfahrungen aus dem Pilotprojekt als Grundlage für weitere Aktivitäten dienen. Konkrete Angaben zu beteiligten Behörden, Nutzerzahlen oder einem Zeitplan macht das Unternehmen allerdings nicht.
Fest steht damit zumindest, dass mit dem Ende des ursprünglichen Pilotprojekts die Bemühungen um mehr digitale Souveränität in der dänischen Verwaltung nicht zwangsläufig beendet sind.
