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Freeze für Debian 12 »Bookworm« rückt näher

Langjährigen Debian-Anwendern ist das Prinzip des Einfrierens eines Teils der Repositories zur Vorbereitung einer neuen Version von Debian bekannt. Seit einigen Jahren wird dieser Freeze in mehreren sukzessiven Phasen durchgeführt, die die Zugänglichkeit hauptsächlich des Testing-Repositories graduell zunehmend einschränken. Dadurch gewinnen die Entwickler und Maintainer mehr Spielraum beim Veröffentlichen ihrer Pakete.

Debian 12 »Bookworm«

Im nächsten Jahr steht die Freigabe von Debian 12 »Bookworm« an. Jetzt hat das Release-Team den Beginn des Freeze für den 12. Januar 2023 bestätigt. Die geplanten Termine für das sukzessive strengere Einfrieren der Paketbasis sind:

  • 12.01.2023: Milestone 1 – Transition and toolchain freeze
  • 12.02.2023: Milestone 2 – Soft Freeze
  • 12.03.2023: Milestone 3 – Hard Freeze for key packages and packages without autopkgtests
  • bisher ohne Termin: Milestone 4 – Full Freeze

Für die erste Phase ab dem 12. Januar gilt: Maintainer sollen kein Transitions mehr starten oder größere Änderungen an von ihnen betreuten Paketen vornehmen. Eine Transition bei Debian ist die orchestrierte Aktualisierung einer Gruppe abhängiger Pakete, die dazu Änderungen an ABI und/oder API voraussetzen.

Freeze verkürzen

In den letzten Jahren war das Release Team stets bestrebt, die Länge des Freeze, der den freien Paketfluss mit jeder Phase etwas mehr einschränkt, möglichst kurzzuhalten. So gilt auch diesmal das Motto, lieber in Wochen als in Monaten zu planen. Diesmal gehen die Entwickler noch einen Schritt weiter und planen ein teilweises oder völliges »Auftauen« des Freeze für den Fall, dass ernsthafte Verzögerungen während einer der vier Phasen auftreten sollten.

Strukturell bedingt

Debian ist aufgrund seiner Struktur mit den vier Zweigen Experimental, Unstable, Testing und Stable auf das zeitweise Einfrieren der Basis im semi-rollenden Testing angewiesen, um ein unbewegliches Ziel zur Vorbereitung der nächsten Version zu haben. Früher dauerte der Freeze schon mal 9 – 12 Monate am Stück. Es folgte die Aufteilung in von der Schwere der Einschränkungen her unterschiedlicher Phasen, bei der nur in der letzten Phase, dem Full Freeze, alles zum Erliegen kommt. In letzter Zeit wird auch die Möglichkeit einer Unterbrechung des Freeze ins Auge gefasst, um die Einschränkungen bei der Entwicklung außerhalb der Release-Vorbereitungen möglichst gering zu halten.

In der gleichen Ankündigung wurde auch der Codename des auf Debian 13 »Trixie« folgenden Debian 14 enthüllt. Er basiert wie immer auf den Figuren des Media-Franchise Toy Story und lautet »Forky«.

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4 Kommentare

  1. “In letzter Zeit wird auch die Möglichkeit einer Unterbrechung des Freeze ins Auge gefasst, um die Einschränkungen bei der Entwicklung außerhalb der Release-Vorbereitungen möglichst gering zu halten.”

    Testing ist halt auch irgendwie nichts Halbes und nichts Ganzes. Daher stellt sich für mich eher die Frage, warum man überhaupt ein kontinuierlich existierendes Testing braucht/will, anstatt das einfach für jedes Release neu von Unstable abzuspalten.

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      1. So meinte ich das nicht. Mir geht es darum, dass Debian mit Unstable und Testing durchgehend zwei rollende Zweige anbietet. Andere Distributionen machen das so nicht.

        Da gibt es dann eher nur einen kontinuierlich rollenden Entwickler-Zweig. Die Testing-Zweige für die jeweils nächste Stable-Version werden dagegen erst am Anfang eines Release-Zykluses als Snapshot des Entwickler-Zweigs abgespalten.
        Das aktuelle Testing, aus dem mal Bookworm wird, gäbe es da dann aktuell überhaupt noch nicht (nur Unstable), sondern würde erst x Monate vor dem Release von Bookworm erzeugt.

        Das ganze wäre was anderes, wenn Testing zur tatsächlichen Nutzung gedacht wäre, aber das scheint halt auch nicht so richtig der Fall zu sein.

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        1. So meinte ich das nicht. Mir geht es darum, dass Debian mit Unstable und Testing durchgehend zwei rollende Zweige anbietet. Andere Distributionen machen das so nicht.

          Ich weiß nicht welche Distributionen du meinst.
          Sogar Arch Linunx hat zwei rollende Zweige.
          https://wiki.archlinux.org/title/Official_repositories#Staging_repositories

          Das ganze wäre was anderes, wenn Testing zur tatsächlichen Nutzung gedacht wäre, aber das scheint halt auch nicht so richtig der Fall zu sein.

          Testing wird aber benutzt! Etliche Distributionen bauen darauf. SpiralLinux, Mobian, Kali Linux, Sparky Linux, Kaiser Linux ect.

          Du meinst vielleicht, dass das Freeze von Debian Testing wegfallen könnte, wenn man das künftige Stable alle zwei Jahre davon abspalten würde?

          Ja, das könnte klappen. Aber tiefgreifende Änderungen z.B. am Dateisystem würden dann unter den Tisch fallen.

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