Eine bei Politikern immer gern im Munde geführter Begriff ist die digitale Souveränität. Mit der praktischen Umsetzung hapert es dann aber meist. Jetzt gibt es einen neuen Vorstoß, bei dem es um offene Austauschformate für den länderübergreifenden Austausch von Dokumenten geht.
Die 2. Digitalministerkonferenz (DMK) hatte im Oktober 2024 in Berlin unter der Federführung von Schleswig-Holstein festgestellt, dass für die bundesweite Zusammenarbeit offene Austauschformate notwendig sind und setzte sich dafür ein, dass ein noch zu definierendes offenes Austauschformat wie z. B. das Open Document Format (ODF) zunehmend Verwendung findet und bis 2027 zu einem weiteren Standard für den Dokumentenaustausch wird.
Die DMK bat den IT-Planungsrat, dafür zu sorgen, dass die Verwendung eines offenen Austauschformats in Vorgängen zwischen Bund und Ländern sowie zwischen Ländern bis 2027 Anwendung findet. Bisher findet der Austausch überwiegend mit den Formaten proprietärer Software statt. Vor einem Monat hat der IT-Planungsrat die Feststellung der DMK begrüßt und erklärt:
Offene Formate und offene Schnittstellen sind ein wichtiger Baustein für den notwendigen Transformationsprozess der Öffentlichen Verwaltung in Deutschland auf dem Weg zu mehr Digitaler Souveränität und Innovationen.
Das Standardisierungsboard des IT-Planungsrats wurde mit der Umsetzung beauftragt. Zudem erkannte der Planungsrat, dass für die länderübergreifende Zusammenarbeit der Austausch von Dokumenten per E-Mail nicht mehr zeitgemäß ist und setzt sich für die Nutzung offener Kollaborationslösungen in der Länderzusammenarbeit ein und beauftragte die Föderale IT-Kooperation (FITKO), ein Konzept für die Bereitstellung einer Kollaborationslösung vorzulegen.
Zu der Migration zu Libre Office und später generell zu Linux in Schleswig-Holstein hat Stéphane Fermigier von EuroStack – einer Organisation, die sich für europäische technologische Souveränität und Open Source einsetzt – ein Update veröffentlicht, das sich auf einen Artikel im c’t Magazin (leider hinter einer Paywall) bezieht. Sie schreibt dazu:
Dies ist ein bedeutender Schritt, insbesondere im Vergleich zu anderen deutschen Bundesländern und der Bundesregierung, die weiterhin auf Microsofts Cloud-Dienste setzen. Dies steht in engem Zusammenhang mit der Mission des EuroStack-Projekts, und wir wollen herausfinden, was dies für die digitale Souveränität, das öffentliche Beschaffungswesen und die Zukunft des europäischen digitalen Ökosystems bedeutet.

Nur 20 Jahre zu spät…
Microsoft muss wohl wieder mehr Politiker zu Geschäftsessen einladen, um sie von den “Vorteilen” von Microsofts Cloud-Diensten zu überzeugen.
Könnte aktuell schwierig sein😁.
Aber das Ganze gibt’s schon lange, ist aber dort noch nicht angekommen scheinbar.
Viele Kommunen etc. arbeiten schon lange mit Linux-AD statt win-AD also mit UCS.
Auch mit anderen Linuxsystemen in der eigenen cloud, etc.
Da ca. 85% meiner Kunden staatlich sind, kenne ich das Wirrwar und den ganzen polit sch… nur zur genuege. Ich sags mal so… wird eh ne Katastrophe.
Ich dachte Zorin OS wird das neue Behörden Linux.
Ach was, openSUSE oder Tuxedo OS muss es werden. Nur um die beiden hier auch mal zu nennen 🙂
Für ein EU-weites Projekt und die Einführung eines Bundesclienten ist eine Lösung erforderlich, die sich bereits in der Praxis bewährt hat. Die gewählte Linux-Distribution muss stabil, wartungsarm, benutzerfreundlich und langfristig unterstützbar sein. Zudem sind Transparenz, Offenheit und eine starke Community essenziell – gerade in sicherheitskritischen und verwaltungsnahen Bereichen.
Debian mit GNOME erfüllt diese Anforderungen in besonderem Maße:
Fazit:
In einem so großen und sicherheitsrelevanten Kontext wie einem EU- oder Bundesclienten darf keine experimentelle oder proprietäre Lösung gewählt werden. Debian mit GNOME ist eine robuste, gut wartbare und bereits vielfach erprobte Option.
Ein solches Projekt kann jedoch nicht „nebenbei“ betreut werden – es erfordert eine dedizierte Entwicklungs- und Wartungseinheit mit klar definierten Zuständigkeiten, idealerweise in Vollzeit besetzt. Nur so lässt sich die Qualität, Sicherheit und langfristige Einsatzfähigkeit eines solchen Systems gewährleisten.
Na da bin ich ja mal gespannt, ob das mit LibreOffice passiert – und wenn ja, wie lange. Es würde sich dann sicherlich auch anbieten, dass man diesem Projekt (und anderen) auch Spenden zukommen lässt oder sie durch den Souvereign Tech Fund fördert. Nur so eine Idee …
Interessant finde ich da ja auch: Wenn man wirklich auf Linux als Betriebssystem umstellt: Was für eine Distro würde man da benutzen? Man könnte da auf den Gedanken kommen Ubuntu zu benutzen, aber ob das das Richtige ist …
EU OS?
Wäre Debian nicht besser anstatt Fedora als Basis?
Von der Supportdauer her auf jeden Fall.
Ich verstehe auch nicht, warum man für ein explizites „EU“-OS Fedora nehmen sollte, das maßgeblich von der amerikanischen Firma Red Hat entwickelt wird. Wenn’s keine Alternativen gäbe: Okay. Debian wäre aber eindeutig die bessere Wahl!
Debian ist zuweilen ein Kindergarten.
Ja, und trotzdem raufen sie sich immer wieder am Ende zusammen. Funktioniert halt wenn es drauf ankommt.
Hmm … Ich hätte da ehrlich gesagt eher LMDE im Sinn. Ist debianbasiert und sollte so Stabilität mit sich bringen. Der Cinnamon Desktop ist … funktional. Nicht aufregend, aber es tut was es soll.
Oder man könnte ja auch auf diesen immutable/atomic Zug aufspringen. Das Konzept für eine Behörde fände ich auch nichtmal unbedingt falsch. Die Beamten benötigen ja keinen tiefen Zugriff, sondern arbeiten ja mit den Programmen, die sie brauchen. Und da könnte man eine Fedora-Lösung nehmen.
Das Problem bei beidem: Sie sind keine nationale oder zumindest EU-Lösung.
Vielleicht könnte man Cinnamon in Betracht ziehen, wenn es mal auf Wayland läuft. Ansonsten sehe ich da schwarz.
Man ist da ja schon dran. Aber wegen der Xorg/Wayland Situation mache ich mir da eher weniger Sorgen. Aber wenn es einem darauf ankommt, könnte ja auch zum KDE Desktop greifen; da ist man mit Wayland ja schon weiter.
Gnome würde ich da eher nicht für nehmen. Man kann zwar mit Gnome Extensions ein ähnliches Desktop-Layout hervorbringen (mache ich persönlich auch). Aber ob man das für Behörden so machen sollte … da wäre ich mir nicht so sicher. xfce wäre sicherlich auch noch eine Möglichkeit; allerdings fangen die ja auch gerade mit Walyand erst an. Wobei man dann, wenn man KDE oder xfce nehmen würde nicht LMDE, sondern direkt auf Debian zurückgreifen sollte denke ich.
Das ist ein Ein-Mann-Projekt auf Basis der Spielwiese der US-Firma Red Hat. In ein paar Jahren verliert der Entwickler wahrscheinlich die Lust und das Zeug verschwindet wieder in der Versenkung.
Schau bei opendesk.eu vorbei. Die Doku ist recht für dazu.
Die Digitale Abhängigkeit ist noch kritischer als die Abhängigkeit russischer Energie.
Na ich wundert das nicht und schon garnicht das ein EUOS sein soll.
Natuerlich aus der Hand von SUSE oder RedHat. 😉
Da ist das mit den MS Cloud-Diensten dann garnicht so schlimm.
“Plopanungsrat”, ein schönes Wort. 😉