Wie in den Jahren zuvor muss ein Kompromiss in Kauf genommen werden. Mit dem Auslaufen von PinePhone, PinePhone Pro und dem Librem 5 gibt es aktuell kein Gerät am Markt, das nicht ursprünglich für Android konzipiert wurde und Halium benötigt, um umfassend mit einem ansonsten vollständig freien GNU‑Linux-basierten Betriebssystem zu funktionieren.
Jolla Phone 2026
Das neue Jolla Phone mit SailfishOS 5.2 nutzt zwar kein Halium, es basiert auf einem eigenen Linux‑Stack mit Mer‑Core und nutzt eigene Hardware‑Adaptionen (oft über libhybris für Android‑Treiber), aber nicht das Halium‑Projekt. Jedoch sind bei diesem Produkt weiterhin weite Teile closed source.
Sailfish OS UI (Silica & Jolla‑Apps)
- Das Silica‑UI‑Framework und viele Jolla‑Eigenentwicklungen (z. B. Phone‑App, Messages, Browser, E‑Mail, Gallery, Some‑Apps‑Integration) sind closed source.
- Auch Teile des Application Frameworks und der Systemdienste sind proprietär.
Hardware‑Adaptionen (libhybris + Android‑Blobs)
- Sailfish OS nutzt libhybris, um Android‑Kernel‑Treiber und HAL‑Blobs (Grafik, Kamera, Modem, Sensoren) zu verwenden.
- Diese binären Treiber sind proprietär und vom jeweiligen Gerät/SoC abhängig.
- Das bedeutet: Selbst wenn der Sailfish‑Userspace offen wäre, bliebe die Hardware‑Ansteuerung unfrei.
Alien Dalvik (Android‑App‑Support)
- Die Möglichkeit, Android‑Apps zu nutzen, basiert auf Alien Dalvik von Myriad (früher Myriad Group), einer proprietären Laufzeitumgebung.
- Dies ist ein lizenzpflichtiges Modul, das nicht im Open‑Source‑Teil enthalten ist.
Einige Systemdienste & Middleware
- Bestimmte Hintergrunddienste (z. B. für Synchronisation, Store‑Integration, DRM, Push‑Benachrichtigungen) sind ebenfalls geschlossen.
Halium
Halium ist zwar ein pragmatischer, aber nicht ganz unproblematischer Kompromiss: Es ermöglicht Linux‑Mobilgeräte auf vorhandener Android‑Hardware, zementiert aber Abhängigkeit von alten Kerneln und proprietären Treibern – im Widerspruch zu vielen Zielen der FLOSS‑Community.
Veraltete, geforkte Kernel
- Halium basiert auf Android‑Kernel‑BSPs, die oft Jahre alt sind und stark vom Mainline‑Kernel abweichen.
- Das erschwert Sicherheitsupdates (Backporting von Patches auf alte Kernel ist aufwendig).
- Die Mainline‑Kernel‑Entwicklung profitiert nicht, weil Hardware‑Support nicht upstream geht.
- Je mehr Projekte auf Halium setzen, desto schwerer wird ein Wechsel zu Mainline.
Proprietäre Userspace‑Blobs
- Halium nutzt Androids Hardware Abstraction Layer (HAL) mit vielen binären Blobs (Grafik, Kamera, Modem, Sensoren).
- Das widerspricht dem Ideal eines vollständig freien Systems (wie es z. B. FSF oder Purism anstreben).
- Keine Überprüfbarkeit von Sicherheitslücken in Blobs.
- Abhängigkeit von OEM‑Support, der oft nach 2–3 Jahren endet.
Fragmentierung und Wartungsaufwand
- Jedes Gerät benötigt ein maßgeschneidertes Halium‑Port mit spezifischen Kernel‑ und HAL‑Anpassungen.
- Das führt zu:
- Hoher Wartungslast für kleine Communities.
- Inkompatibilitäten zwischen verschiedenen Halium‑Versionen und Linux‑Distributionen (Ubuntu Touch, Droidian, FuriOS etc.).
- Einige kritisieren, dass der Aufwand, der in Halium‑Ports fließt, besser in Mainline‑Treiber investiert wäre.
Philosophischer Konflikt mit „Upstream First“
- Projekte wie postmarketOS/Nura oder Mobian betonen „Upstream First“: Hardware‑Support soll im Mainline‑Kernel landen.
- Halium wird von manchen als notwendiges Übel gesehen – kurzfristig hilfreich, langfristig aber ein Hindernis für echte Freiheit.
- Purism und die Pine64‑Community setzen bewusst nicht auf Halium, um diese Abhängigkeiten zu vermeiden.
Was für Halium spricht
Ich liebe mein FuriPhone FLX, das ohne Halium nicht zum täglichen Begleiter taugen würde. Bardia Moshiri ist CEO von FuriLabs und Gründer des Unternehmens. Er argumentiert leidenschaftlich gegen den Mainline Support, der Aufwand sei durch kleine Unternehmen nicht zu stemmen.
- Halium ist pragmatisch: Ohne Halium gäbe es viele Linux‑Phones gar nicht.
- Es ermöglicht schnelle Ports auf vorhandener Hardware, während Mainline‑Treiber Jahre brauchen.
- Für Nutzer, die Android‑Apps (via Waydroid) oder gute Kamera‑Performance, wie beim FLX oder FLXs+ wollen, ist Halium oft die einzige praktikable Option.
Projekte wie Mobian oder Nura haben zwar Geräte mit Mainline Support im Programm. Für diese muss jedoch eine Unmenge an Software in mühevoller Kleinarbeit im Reverse Engineering entwickelt werden. Abgesehen von den anfangs genannten Geräten von Pine64 und Purism gibt es kaum Modelle, bei denen alles funktioniert. Häufig scheitert es schon an der Telefonie, bei der heute ModemManager statt oFono oder ein Mix aus beidem eingesetzt wird. Im Fall von Halium z. B. bei FuriOS greift man auf einen speziellen Fork von oFono zurück, da ModemManager diese Android-Kompatibilitätsschicht nativ nicht unterstützt. Auf den wenigen nativen Linux-Geräten ist ModemManager aber die erste Wahl.
Fazit
Man kann also Halium als Brückentechnologie sehen, die kurzfristig nützlich ist, um Linux auf Smartphones zu bringen, langfristig aber Freiheit, Sicherheit und Nachhaltigkeit behindert, wenn sie zur Dauerlösung wird.
Einige mobile Betriebssysteme wie Ubuntu Touch, Droidian oder FuriOS haben enorme Fortschritte gemacht, und können ohne bedeutende Abstriche genutzt werden, wenn man die Schwerpunkte setzt, wie ich es eben mache. Folgende mobile Betriebssysteme sind zum Ende dieses Jahres im Rennen:
Das sind bestimmt nicht alle, Ihr könnt die Liste gerne in den Kommentaren weiterführen!

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Man sollte den Artikel halt ganz lesen 😜 bevor man einen dummen Kommentar abgibt