Lange hat man nichts von Manjaro gehört. Weder haben sie zum fünften Mal die SSL-Zertifikate ihrer Webseite auslaufen lassen, noch haben sie in letzter Zeit DDos-Attacken auf das AUR von Arch Linux gestartet.
Im Gegenteil, man ist bei Manjaro versucht, solcherlei Inkompetenz zukünftig außen vorzulassen. Anfang des Jahres wurde mit Roman Gilg ein neuer CTO eingestellt. Roman hat einen guten Ruf in der Szene und ist unter anderem KDE-Entwickler und betreibt das Projekts KWinFT.
Manjaro Immutable
Kürzlich erschien von ihm eine News zu Manjaro, die eine Immutable -Version der Arch-basierten Distribution in den Raum stellt. Dass seit einer Woche niemand sonst darüber berichtet hat, zeigt, wie groß der Vertrauensverlust in Manjaro derzeit ist. EndeavourOS trägt derzeit klar die Krone der Arch-basierten Distributionen und Manjaro rangiert unter »ferner liefen…«
Manjaro Immutable soll eine deklarative, unveränderliche Version von Manjaro mit atomaren Updates sein, die sich an Unternehmen richtet. Als aktuellen Aufhänger nutzt Roman das Crowdstrike-Debakel, das mit einer unveränderlichen Distribution mit atomaren Updates einfach zu verhindern wäre.

Arkane Linux als Vorbild
Mit Arkane Linux existiert bereits ein Immutable Arch, das wohl die technische Grundlage für das geplante Manjaro Immutable sein wird. Bei Manjaro gab es bereits eine experimentelle unveränderliche Implementierung mit einem SquashFS-Image mit zusätzlichem Overlay-Dateisystem. Das minimalistisch angelegte Arkane Linux verwendet ein benutzerdefiniertes Toolkit namens Arkdep, um ein unveränderliches System basierend auf Btrfs-Subvolumes zu erstellen und zu verwalten. Weitere Fragen dazu beantwortet die Dokumentation.
Ob und wann eine unveränderliche Manjaro-Version erscheinen wird, bleibt derzeit gänzlich offen. Sicher ist jedoch, dass heute Nachmittag mit Vanilla OS 2 »Orchid« die von vielen erwartete stabile zweite Ausgabe von Vanilla OS erscheinen.

Zum Testen: https://manjaro.org/news/2024/manjaro-immutable-testing
Auf meinem Tuxedo Pulse 15 mk1 läuft Majaro schon ewig absolut hervorragend. TCC und die Treiber sind in den Repos und immer aktuell. Ich kann sehr komfortabel Kernel testen, was für aktuelle Audiointerface sehr von Vorteil ist. Was mir auch sehr gut gefällt ist, dass es in der stable branches nicht so viel Bandbreite wie Tumbleweed und Arch verbraucht. Zumindest gefühlt. Auch ist der hin und her Wechsel der Branches manchmal sehr von Vorteil. Allerdings ist meine Patreon Unterstützung immer noch bei Endeavouros, dort ist die Community so griabig.
Die Idee einer cascading-stability finde ich doch recht interessant.
Die leicht verzögerte Paketauslieferung in Phase 02 (siehe Abbildung) macht Manjaro ja eigentlich nur deshalb um zu verhindern, dass ihre eigen Tools plötzlich nicht mehr funktionieren, wenn neue Pakete von Arch Linux bereit gestellt werden. Diese Phase meine ich nicht.
Aber Phase 03 und 04 fände ich recht interessant.
Voraussetzung wäre allerdings, dass es sich dabei nicht einfach nur um eine zeitliche Verzögerung der Paketauslieferung handelt. Software wird nicht besser oder stabiler vom reinen Ablagern.
Interessant wäre, wenn bei Phase 03 eine funktionale Auswahl der Paketversion stattfinden würde. Man könnte auf diese Weise den Wechsel auf eine neue Version einer Software erst dann stattfinden lassen, wenn die Funktionalität einen gewissen Reifegrad erreicht hat.
Mit Phase 04 könnte man zusätzlich dazu noch verstärkt auf LTS-Versionen setzen.
Wir haben im Grunde (abgesehen von flatpak) nur zwei Richtungen bei der Paketauslieferungen von Distributionen, rolling und stabil. Rolling liefert kontinuierlich Neues, stabil behält einen Zustand über einen gewissen Zeitraum bei.
Beide Verfahrensweisen, regeln aber nur formal den Zyklus des Versionswechsels von Paketen und beide Verfahren sind nicht ganz ideal für den produktiven Betrieb. Stabil verharrt oft zu lange und rolling ist gelegentlich zu schnell mit dem Ausliefern. Ein flexibles Verfahren dazwischen, dass Software schnell ausliefert wenn sie für den Gebrauch reif ist, aber verhindert das unreife Software-Versionen ausgeliefert werden, das fände ich am Besten.
Ob sich das Roman Gilg auf seinem Schaubild, das auch so vorgestellt hat, dass weiß ich allerdings nicht. Aber wie schon oben gesagt. Eine rein zeitlich verzögerte Auslieferung von Paketen, bringt eigentlich nichts, schon gar keine zusätzliche Stabilität. Autos werden ja auch nicht dadurch besser, dass man das neue Modell erst 2 Jahre später verkauft.
Nur ablagern bringt sicherlich nichts. Ich denke aber schon, dass Zeitverzögerung helfen kann, und zwar dadurch, dass Personen, die freiwillig Upstream-Distributionen benutzen, in der Verzögerungszeit Software in verschiedensten Kombinationen und Umfeldern benutzen, sich die Mühe machen Fehler und Inkompatibilitäten zu finden und zu beseitigen. In der verzögerten Distribution sind diese dann mit erhöhter Wahrscheinlichkeit bereits beseitigt.
Deinem Satz “Stabil verharrt oft zu lange und rolling ist gelegentlich zu schnell mit dem Ausliefern” stimme ich voll zu.
Wer den Spagat zwischen beiden Herausforderungen konstant gut hinbekommt, hat meine volle Aufmerksamkeit!
Hm. Immutable ist für mich in letzter Zeit zu so nem Buzz-Word verkommen.
Ich sehe den Mehrwert für unternehmen und zentrale Administration.
Dennoch habe ich große Angst, dass dafür der klassische Weg aufgegeben wird und man selbst keine Modifikationen mehr machen kann am System.
Gerade Power-User (welche in erster Linie Linux nutzen um selbst Hand anlegen zu können), sehe ich im Nachteil.
Ich bin für einen dualen Weg. Beides hat gerade in der Linux-Welt seinen Stellenwert, aber bitte nicht dieses “wir machen irgendwann nur noch das und der Rest kann sehen wo er bleibt…”
Oder ich habe Immutable falsch verstanden, das schließe ich nicht aus.
PS: Ich bin seit einigen Monaten von Manjaro zu EndeavourOS gewechselt und kann sagen, die Community dort macht einen großartigen Job.
Ich konnte mit wenigen kniffen mein Manjaro inplace in ein EndeavourOS umwandeln. Am Ende nur noch die Manjaro-Software entfernen und fertig. Glaube das wäre mit immutable nicht möglich gewesen 😀
Und wie kommst du jetzt zu Arch Linux. 😉
Ich verstehe diese Frage nicht.
Auf genau dem gleichen Weg, mit dem Unterschied dass die Arch-Community antwortet “lass es, installiere lieber neu mit Arch”. Anstatt etwas zu helfen und Tipps zu geben welche Software safe nicht von Arch stammt sondern eine Eigenentwicklung ist oder welche conf umgestellt werden sollte da ebenfalls von Arch abweicht.
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Arch eine großartige Basis für Distris ist (fast wie Linux from Scratch) um auf dessen Basis ein möglichst rundes Komplettpaket mit verschiedenen Schwerpunkten auszuliefern. Manjaro, EndeavourOS, Garuda usw.
Man sollte sich mit “simplen” Anliegen jedoch nicht an dessen Community wenden. Da stimmt (in meinen Augen) ein klein wenig deren Ruf.;)
Was aber auch ok ist, deren Zielgruppe ist einfach eine andere. Für fortgeschrittene. Kann nur manchmal unschön sein die Erfahrung.
Ja, so ist es. Meine Frage war auch nur scherzhaft gemeint.
EndeavourOS dürfte sich von Arch Linux nur durch das brandig unterscheiden. Das Arch Forum kann zu EndeavourOS keine Aussagen machen, das sollte klar sein. Aber wenn die Konfigurationen korrekt sind und wie gewünscht funktionieren, dann gibt es auch gar keinen Grund sie zu ändern.
Ui, da bist aber bissl streng:
Den Zusammenhang finde ich dann doch etwas weit hergeholt und auch schwer belegbar. Sicher ist der Hypetrain um Manjaro deutlich weit abgefahren. Was ja nicht zwangsläufig etwas Schlechtes sein muss. Vielmehr glaube ich aber, dass die Berichterstattung wegen der fehlenden Details im Newsbeitrag kommt.
Mag sein, liegt bestimmt an meiner über die Jahre gewachsenen Abneigung gegen Manjaro. Die News von Roman gibt wirklich nicht viel her und entstand vermutlich nur wegen des herzustellenden Zusammenhangs zu Crowdstrike.
Bei mir läuft Manjaro seit Jahren ohne große Probleme. Und EndeavourOS habe ich ach schon getestet finde ich auch nicht schlecht (bis auf den elenden Namen). Wo da jetzt aber im Vergleich zu Manjaro die großen Unterschiede sein sollen ist mir schleierhaft. Klärt mich mal auf was ist denn so toll Endeavour? Und der immutable Krempel ist für Business etc. sicherlich gut auf meinen Desktop kommt das aber nicht.
Sehr stark verkürzt: Endeavour liefert echtes Arch mit grafischem Installer und paar praktischen Tools. Manjaro liefert eine verzögerte Kopie von Arch.
Immutable hat auch für den Endnutzer seine Berechtigung, speziell wenn kein technisches Wissen da ist. Damit kann nach einem kaputten Update fix zurückgerollt werden. Der Nutzer kann sich so selbst helfen und der Bekanntschaft bleibt mühseliger Telefonsupport erspart.
Ja stimmt Manjaro hängt immer etwas hinten dran was mich aber nicht weiter stört und hat auch einige kleine Tweaks die mir gefallen wie z.B. mhwd zum installieren und wechseln der Kernel und oder Grafik. Auch ist bei ISO-Images mehr Software vorinstalliert was für mich gut ist wenn ich einen Rechner für andere einrichte habe ich weniger Arbeit.
Für Immutable würden mir schon einige Familienmitglieder einfallen wo ich das mal testen kann. Mir selbst reicht da Timeshift.
Dass die hinten dran hängen hat ja seinen guten Grund. Weil Arch Stable zu Manjaro Unstable, dann Manjaro Testing und erst dann zu Manjaro Stable wird. Diese Abstufung sichert halt noch zusätzlich ab. Ob man das will oder braucht, muss jeder selber wissen.
Zumindest in der Theorie – in der Praxis hat man (zumindest nach meiner Erfahrung von ca 2015 bis 19) mit Manjaro Stable mehr Probleme als mit Unstable – und mit vanilla Arch dann sogar noch mal weniger. Kommt aber sicher auch auf den Usecase an – Pamac z.b. mag eine schöne Idee sein, aber hat zumindest damals immer wieder Probleme mit Edgecases gehabt, ohne dann eine vernünftige Rückmeldung/Abfrage zu geben.