Offener Brief für die nachhaltigere Nutzung elektronischer Produkte und Geräte

The Document Foundation (TDF) als die Organisation hinter LibreOffice hat einen offenen Brief an die Gesetzgeber in der Europäischen Union veröffentlicht, in dem sie ein universelles Recht fordert, Betriebssysteme, Software und Dienste auf unseren Geräten frei wählen zu dürfen.

Dein Gerät gehört dir nicht

Immer mehr Geräte werden durch restriktive Besitzmodelle viel zu früh zu Elektronikschrott. Das ist oft dadurch bedingt, dass der Besitzer daran gehindert wird, die Software seiner Wahl zu installieren oder den Dienstanbieter seiner Wahl zu verwenden. Die Einschränkungen reichen laut dem offenen Brief von der »physischen Sperrung der Hardware über die technische Unklarheit durch die Verwendung proprietärer Software bis hin zu rechtlichen Einschränkungen durch Softwarelizenzen und Endbenutzer-Lizenzvereinbarungen«. Daraus folgt: »Wenn Sie die gewünschte Software nicht auf Ihrem eigenen Gerät installieren können, besitzen Sie es nicht.« Gleichzeitig ist »die erhöhte Langlebigkeit und Wiederverwendbarkeit unserer Geräte für eine nachhaltigere digitale Gesellschaft unumgänglich.«

Daraus ergeben sich für die Unterzeichner vier grundsätzliche Forderungen an die EU-Gesetzgeber:

  • Benutzer haben das Recht, Betriebssysteme und Software, die auf ihren Geräten ausgeführt werden, frei zu wählen
  • Benutzer haben das Recht, frei zwischen Dienstanbietern zu wählen, um ihre Geräte mit wit zu verbinden
  • Die Geräte sind interoperabel und mit offenen Standards kompatibel
  • Der Quellcode von Treibern, Tools und Schnittstellen wird unter einer freien Lizenz veröffentlicht

Voller Zugriff und Recht auf Reparatur

Der Brief endet mit der Feststellung: »Die Verpflichtung zur Veröffentlichung von Treibern, Tools und Schnittstellen unter einer solchen kostenlosen Lizenz nach dem Markteintritt ist der Schlüssel für den vollen Zugriff auf unsere Geräte und die Ausübung des universellen Reparaturrechts.«

Als Unterzeichner sind neben der TDF auch die FSFE sowie 38 weitere Organisationen und Unternehmen wie unter anderem die /e/ Foundation, die Digitale Gesellschaft CH, KDE, Nitrokey und mailbox.org aufgelistet.

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11 Kommentare

  1. Warum? Sehe ich nicht ein. Er herrscht Wahlfreiheit. Wenn sich irgendein Konsumfuzzi ein locked-in Gerät mit proprietärer Software anschafft und dann jammert, dass das Gerät nach 2 Jahren reif ist für den Müll, dann ist das zwar sehr schade für unser Ökosystem, aber diese Person ist selber schuld. Anders gesagt, Dummheit lässt sich nicht via Gesetzgeber verhindern. Was ich jedoch begrüssen würde ist, dass Behörden Opensource endlich mehr fördern würden, und diese aus ihrem Umfeld konsequent verbannen. Dann würde sich das Problem vermutlich selber lösen. Beispiel: die ganze Verwaltung inkl. Steuersoftware vieler Gemeinden in der Zentralschweiz läuft mit proprietärer Software. Auf “difficilen” Geräten der CH Armee läuft Windows. Dümmer gehts nimmer.

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    1. Es bestehen aber auch Zwänge sich genau ein solches Gerät zu kaufen, wenn es keine Alternativen gibt oder die Alternativen die Anforderungen nicht erfüllen.
      Mit einem solchen Gesetz würde ich das Angebot drastisch erweitern.

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  2. Prinzipiell stimme ich dem zu.

    Aber: hier schreit wieder die sehr sehr laute Minderheit, denke ich.
    Prinzipiell wollen das alle (angeblich), aber mit den Füßen entscheidet sich die eine Hälfte für ein IPhone und die andere Hälfte für das zugenagelste Android-Phone.

    Ist wie bei Amazon: lauthals schreien dass jeder Mensch gut Geld verdienen muss und dann noch schnell, für Lieferung in 24h, bei Amazon irgendeinen Scheiß bestellen (oder ein Buch von Verdi).

    Naja, ich hoffe man versteht was ich meine 🙂
    (getippt auf Taste eines X1 Carbon 1st Gen auf Debian)

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    1. Nichts gegen Amazon, die haben gleich zwei Locker hier auf beiden Seiten des Hauses. Die nächste Post/DHL Packstation ist ca.800m weit weg. Niemand verbietet den Gelben, mehr von den Teilen aufzustellen – aber ich kann mir die endlosen Meetings mit Key Account Manager, Revenue Calculation Managern, Solution Providern, Business Stakeholdern und bliblablub vorstellen, während die Amazonen einfach installieren. Ein Lob auf die Reste der Marktwirtschaft, die wir unbedingt erhalten sollten und nicht mit noch mehr Regulierung zukleistern sollten. So gern ich auch meinem Telefon Lineage installieren würde (auf meinem Asus Zenfone könnte ich es – aber die Zeit fehlt)

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  3. Der Absatz fehlt:

    -Installierbare Betriebsysyteme müssen je nach Anforderung auf regulär verwendbaren pysikalischen Datenträgern wie USB-Speichermedien, Bandlaufwerken und/oder CDs/DVDs und damit netzwerkunabhängig erhältlich sein.

    -Betriebssysteme müssen zwingend ohne Freischaltung und/oder Aktivierung beim Anbieter, vollständig ohne Einschränkung verwendbar sein.

    ….meine Meinung

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