EU-Flagge

Open Source als globale Souveränitätsstrategie

Innerhalb weniger Tage haben gleich zwei große internationale Institutionen Open Source als strategisches Werkzeug für digitale Unabhängigkeit positioniert.

Die EU-Kommission hat am 4. Juni ihr sogenanntes Tech Sovereignty Package vorgestellt, zu dem auch eine neue europäische Open-Source-Strategie gehört. Ziel ist es, Europas Abhängigkeit von außereuropäischen Technologieanbietern zu verringern. Digitalkommissarin Henna Virkkunen brachte es auf den Punkt: Europa solle nutzen, was es bereits hat, um die Kontrolle über seine digitale Zukunft zurückzugewinnen. Über drei Millionen Open-Source-Mitwirkende und 500 gewinnorientierte Open-Source-Unternehmen gibt es laut Kommission in Europa, und trotzdem fließen jährlich mehr als 260 Milliarden Euro für digitale Produkte und Dienstleistungen aus Nicht-EU-Ländern ab. Das soll sich ändern: Öffentliche Verwaltungen sollen zu »Ankerkunden« werden, Ausschreibungen Open-Source-freundlicher gestaltet und zwei Milliarden Euro über sieben Jahre mobilisiert werden.

Lob und Kritik

Der Bitkom e. V. begrüßt die Initiative. Kritik an dem »Tech Sovereignty Package« kommt von der Free Software Foundation Europe und Nextcloud-CEO Frank Karlitschek, der in einem Artikel auf Netzpolitik.org sinngemäß mit »Solange die Strategie nicht rechtlich bindend sei und konkrete Beschaffungspflichten fehlten, blieben die Versprechen zahnlos« zitiert wird. Die entscheidende Weiche wird hoffentlich am 1. Juli gestellt, wenn die Kommission ihre Reform des EU-Vergaberechts präsentiert.

Zusammenarbeit aller UN-Agenturen

Fast zeitgleich starteten die Vereinten Nationen das Portal »Open Source United« (OSU). Es soll Open-Source-Zusammenarbeit über alle UN-Agenturen, Fonds und Programme hinweg koordinieren – mit dem Ziel, Software gemeinsam zu entwickeln, wiederzuverwenden und an gemeinsamen Standards auszurichten. Ein öffentliches Repository mit Quellcode der beteiligten Gruppen ist bereits online.

Brüssel und New York

Beide Initiativen, die EU-Strategie wie das UN-Portal, eint dieselbe Grundüberzeugung: Open Source ist kein Sparmodell, sondern ein Fundament für technologische Souveränität. Dass diese Botschaft innerhalb einer Woche sowohl aus Brüssel als auch aus New York kommt, unterstreicht, wie stark sich das Bewusstsein dafür auf höchster institutioneller Ebene verschoben hat. Jetzt müssen nur noch Taten folgen.

Teilt den Beitrag, falls ihr mögt

Kommentar hinterlassen