Raspberry Pi bereitet offenbar zwei neue Einplatinencomputer vor. Im Linux-Kernel des Herstellers sind vor einigen Tagen Device-Tree-Dateien für einen Raspberry Pi Zero 3 W und einen Raspberry Pi 4 Model A aufgetaucht. Die Änderungen wurden bereits in den Kernel-Zweig des Unternehmens übernommen. Eine offizielle Ankündigung der beiden Modelle steht allerdings noch aus. Zuerst hatte Phoronix über die Entdeckung berichtet, anschließend analysierte der dänische Blogger Bret die Dateien genauer.
Mehr Leistung für den Raspberry Pi Zero
Der Raspberry Pi Zero 2 W wurde vor genau fünf Jahren, am 28. Oktober 2021, vorgestellt. Sein möglicher Nachfolger könnte einen erheblichen Leistungssprung machen. Laut Device Tree soll der Zero 3 W den SoC Broadcom BCM2711 erhalten, der bereits im Raspberry Pi 4 zum Einsatz kommt. Dessen vier Cortex-A72-Kerne sind deutlich leistungsfähiger als die vier Cortex-A53-Kerne des bisherigen Zero 2 W.
Weitere Hinweise deuten auf einen HDMI-Ausgang, WLAN, Bluetooth und die gewohnte GPIO-Belegung hin. Neu wäre ein Bootloader im SPI-Flash, wie ihn bereits der Raspberry Pi 4 verwendet. Auch ein Einschaltknopf könnte vorgesehen sein. Ob dieser tatsächlich auf der Platine sitzt oder lediglich über Anschlüsse zugänglich wird, ist noch unklar.
Interessant sind zudem Hinweise auf eine mögliche eMMC-Unterstützung und eine PCIe‑Anbindung. Allerdings könnten entsprechende Einträge auch aus bereits vorhandenen Device-Tree-Dateien übernommen worden sein. Ob diese Funktionen tatsächlich zur Verfügung stehen werden, lässt sich daraus nicht zuverlässig ableiten. Offen bleibt außerdem, wie Raspberry Pi die Wärmeentwicklung des leistungsfähigeren Prozessors auf der kleinen Platine beherrschen will.
Rückkehr des Model A
Mit dem Raspberry Pi 4 Model A könnte zudem eine lange vernachlässigte Modellreihe zurückkehren. Zuletzt erschien 2018 der Raspberry Pi 3 Model A+. Traditionell bieten die A-Modelle einen reduzierten Funktionsumfang gegenüber den B-Varianten und sind dafür günstiger.
Auch der neue Pi 4 Model A soll den BCM2711 verwenden. Im Unterschied zum Model B sieht die Konfiguration jedoch keinen Ethernet-Anschluss vor. Statt zweier HDMI-Ausgänge ist nur einer vorgesehen. Auch der analoge Audio- und Composite-Video-Anschluss entfällt offenbar.
Eine interessante Neuerung könnte die Unterstützung einer externen WLAN-Antenne sein. Entsprechende Einträge im Device Tree ähneln der Antennenumschaltung des Compute Module 4. Damit könnte das Board beispielsweise in Metallgehäusen eingesetzt werden, die den WLAN-Empfang einer integrierten Antenne beeinträchtigen.
Welche USB-Anschlüsse vorgesehen sind, geht aus den Dateien nicht hervor. Auch die Speicherausstattung beider Modelle, die Taktraten und mögliche Verkaufspreise sind noch unbekannt.
Veröffentlichung noch offen
Die Verwendung des bereits seit Jahren bewährten BCM2711 könnte es Raspberry Pi ermöglichen, das Angebot um zwei vergleichsweise preiswerte Modelle zu erweitern. Gerade angesichts gestiegener Speicher- und Komponentenpreise wäre dies eine nachvollziehbare Entscheidung. Entscheidend dürfte allerdings sein, ob insbesondere der Zero 3 W weiterhin zu einem für die Modellreihe typischen niedrigen Preis angeboten werden kann.
Die Aufnahme der Device Trees in den offiziellen Kernel-Zweig deutet darauf hin, dass sich beide Platinen zumindest in Entwicklung befinden. Wann sie erscheinen und welche der bislang erkennbaren Funktionen es in die endgültigen Produkte schaffen, bleibt abzuwarten.
