Mit KMSCON steht unter Linux eine moderne Alternative zur klassischen virtuellen Konsole (VT) bereit, die seit Jahrzehnten Bestandteil des Linux-Kernels ist. Gemeint sind die textbasierten Konsolen, die sich beispielsweise mit [STRG]+[ALT]+[F3] oder höher auch ohne grafische Desktop-Umgebung aufrufen lassen. Während die herkömmliche Implementierung direkt im Kernel arbeitet, verlagert KMSCON die Darstellung und Verwaltung der Konsole in den Userspace. Für die Bildschirmausgabe nutzt die Software die DRM/KMS-Schnittstellen des Linux-Kernels, über die auch moderne Grafiktreiber ihre Bildschirme ansteuern.
Das bringt einige Vorteile gegenüber der bisherigen Kernel-Konsole mit sich. KMSCON unterstützt Unicode umfassender, kann moderne skalierbare Schriftarten darstellen und bietet eine bessere Anpassung an hochauflösende Bildschirme. Hinzu kommen Mausunterstützung, Scrollback, flexiblere Tastaturbelegungen und optional eine hardwarebeschleunigte Darstellung über OpenGL. Da die Software außerhalb des Kernels läuft, führen Fehler in der Konsolenimplementierung zudem nicht unmittelbar zu einem Kernel-Absturz.
Die Entwicklung zu KMSCON begann bereits 2011, kam aber zwischenzeitlich zum Stillstand, um dann 2025 in einem Fork zum ursprünglichen GitHub-Projekt zurückzukehren und durch den geplanten Einsatz in Fedora erneut Aufmerksamkeit zu erlangen.
Individuelle Einstellungen für mehrere Monitore
Mit der am 26. Oktober veröffentlichten Version 10.1 verbessert das Projekt insbesondere die Unterstützung von Multi-Display-Konfigurationen. Bisher ließen sich Anzeigeparameter lediglich global festlegen. Nun können Auflösung, Bildwiederholfrequenz und Bildschirmausrichtung für jeden angeschlossenen Monitor separat konfiguriert werden.
Dazu lässt sich der Parameter mode in der Konfigurationsdatei mehrfach verwenden und bei Bedarf einer bestimmten Grafikkarte oder einem Bildschirmanschluss zuordnen. Für die Bildschirmausrichtung ersetzt der neue Parameter screen die bisherige Einstellung rotation.
Daneben enthält das Release zahlreiche Fehlerkorrekturen. Unter anderem wurden Probleme beim Wechsel zwischen virtuellen Konsolen, bei der Bildschirmaktualisierung und im Zusammenspiel mit seatd behoben. Verbesserungen betreffen außerdem die Schriftdarstellung mit FreeType sowie die DRM- und Framebuffer-Ausgabe.
Fedora 45 setzt auf KMSCON
Zusätzliche Bedeutung erhält die Weiterentwicklung durch den geplanten Einsatz in Fedora 45, dessen Veröffentlichung derzeit für den 3. November vorgesehen ist. Dort ersetzt KMSCON standardmäßig die bisherige Kernel-Konsole auf den virtuellen Terminals. Auch GNOME OS und KDE Linux setzen bereits auf die Userspace-Lösung.


Langfristig könnte die Verlagerung der Konsolenfunktionen in den Userspace dazu beitragen, historisch gewachsenen Code aus dem Kernel zu entfernen und die Linux-Konsole besser an moderne Grafiksysteme anzupassen. Nähere Informationen zu KMSCON in Fedora 45 hält das Fedora Magazine bereit. KMSCON 10.1 steht einschließlich Quellcode und ausführlichen Release Notes auf GitHub bereit.
