Da mag sich jetzt manch einer fragen, warum das eine Nachricht in einem Linux-Blog wert ist. Das ist aber schnell erklärt, denn die Stadt Schwäbisch Hall in Baden-Württemberg mit rund 40.000 Einwohnern ist die einzig mir bekannte verbleibende Stadt in Deutschland, die komplett auf Linux in der Verwaltung setzt. Es existiert leider kein Verzeichnis, aus dem man hier Gewissheit erlangen könnte.
Zukunft von Linux in der Stadt sicherstellen
Der neue Leiter der Abteilung IT wird laut Stellenausschreibung rund 500 Mitarbeiter vorfinden, denen durch hybride IT-Systeme im eigenen Rechenzentrum über 100 verschiedene Softwareprodukten zur Verfügung stehen. Der neue IT-Leiter sollte ein abgeschlossenes Studium im Bereich der Informatik oder einen vergleichbaren (Studien-) Abschluss und entsprechende Berufserfahrung sowie sehr gute Fachkenntnisse in den Bereichen Server (Linux und Windows), Netzwerke, Backup und IT-Sicherheit mitbringen. Die Stelle ist entsprechend der Qualifikation bis Besoldungsgruppe A 13 LBesG BW bzw. Entgeltgruppe 13 TVöD ausgewiesen. Bewerbungen werden bis zum 31. Januar erwartet.
LiMux wurde politischem Kalkül geopfert
München machte den Vorreiter in Sachen Linux in der Stadtverwaltung, nachdem dort 2003 unter Oberbürgermeister Ude die Entscheidung gefallen war, mit dem Projekt LiMux auf das freie Betriebssystem Linux zu setzen. 2013 wurde das Projekt offiziell als abgeschlossen erklärt, nur um ab 2014 unter dem neuen Bürgermeister Reiter durch die Rückmigration zu Windows eingestellt zu werden.
Aus der Not geboren
Zeitgleich gingen Mitte Januar 2003 in Schwäbisch Hall die ersten Server mit SUSE Linux Enterprise in Betrieb. Das Projekt dort wurde aus einer Notlage geboren, denn der Stadt war per Gesetzesänderung 2001 mit der Bausparkasse Schwäbisch Hall der wichtigste Steuerzahler abhandengekommen. Die Stadt machte aus der Not eine Tugend, die bis heute Bestand hat und vom neuen IT-Leiter fortgesetzt werden soll.
Bild: Das Barocke Rathaus Schwäbisch Hall von Matthias Süßen| Quelle: Wikimedia | Lizenz: CC BY-SA 4.0

Ich bereite gerade ein Interview mit den Admins des Linux-Auftritts in Schwäbisch Hall vor. Wenn ihr Fragen dazu habt, nehm ich die gerne in den Fragenkatalog auf.
Also das man dort ohne Windows auskommt ist ein Mythos. Als Terminalserver kommt da nämlich ein Windows zum Einsatz wo drauf gearbeitet wird. Die Clients laufen alle mit Linux, die sich dann via RDP auf den Windows-Terminalserver verbinden.
Es wäre halt interessant, wofür und wie oft diese Terminalserver Lösung genutzt wird, wie hoch der Anteil der Benutzer ist, die dies benötigen und wie viele Windows Lizenzen dafür benötigt werden. Anders gesagt, wie viele Lizenzen werden durch den Einsatz eingespart, dabei geht es nicht nur aber auch um Windows und Office. Mittelfristig stellt sich die Frage ob der Einsatz von Microsoft Office 365 beispielsweise für Behörden angemessen ist oder ob sich andere Office Lösungen nicht besser eignen. Es ist ja auch nicht ausschließlich eine wirtschaftliche Frage und FOSS trägt den viel beschworenen aber zu wenig praktizierten Gemeinsinn schon in seiner Konstitution.
Es ist geradezu irre, daß eine deutsche Behörden Software verwendet, die zum Teil in einer US-Amerikanische Cloud läuft.
Das ist weniger irre als die Lagerung von US-amerikanischen Atomwaffen in Deutschland.
Gibt es dazu Fakten dass das wirklich so ist, verweise auf Quellen? Ich würde gerne was genau dadrüber erfahren wollen.
Ich werde in nächster Zeit wohl Gelegenheit erhalten, sowohl Entwickler als auch Anwender zu interviewen. Dabei werde ich natürlich auch danach fragen.
Off-Topic: Mit den Details dazu halten sich alle daran beteiligten Parteien bedeckt. Ab und zu finden allerdings doch offizielle Dokumente ihren Weg ins Internet, z.B. hier. Mit dem Thema des Artikels hat das jetzt aber gar nichts mehr zu tun.
Das eine geschieht unter Zwang, das andere geschieht freiwillig…
Wir bei der Stadt Gummersbach(50.000 EW) betreiben auch immerhin 80% unserer Büroarbeitsplätze mit Linux und Libreoffice über Thinclients…
Ich bin in Schwäbisch Hall aufgewachsen und auch wenn ich schon lange an anderen Orten lebe, bin ich der Stadt noch immer verbunden, hat sie doch eine Einzigartigkeit mit einem ganz besonderen Lebensgefühl. Ich bin immer wieder gerne dort für ein Wochenende – ist stets wie ein Urlaub.
Es kommt bei der Stadt Schwäbisch Hall eine sehr schlicht gehaltene, leider auch altbackene Oberfläche und Desktop-Umgebung zum Einsatz, aber ich finde es stark, dass man auf Unabhängigkeit setzt und es schon so lange durchzieht. Mich würden Interviews mit den Nutzern und auch Administratoren interessieren, kenne selbst “nur” zwei Leute, die in Berührung sind oder waren.
Ein Blick hinter die Kulissen ging mir heute auch schon durch den Kopf. Mal schaun, ob sich da was machen lässt.
Freiburg i.B. gab es auch noch. Da haben B90/Grüne für die Rückabwicklung von Linux zu MS-Windows gesorgt. Aus irgendwelchen Gründen wird das immer verschwiegen.
“Entsprechend der Qualifikation bis Entgeltgruppe 13 TVöD” ist natürlich ein Witz. Ich glaube kaum, dass sich da jemand finden lässt.
“Bis” » Die hends schpara no mit dr Muttermilch glernt.
Mit 15 ist man beim Dezernenten oder Amtsleiter angelangt. Da ist also nicht mehr viel Luft nach oben. Die 13 ist also schon ok.
Ich kenne mich mit dem Entgelt im öffentlichen Dienst überhaupt nicht aus. Wollte nur mein Sprüchle loswerden. Interessant ist ja vor dem Hintergrund auch, dass der Einsatz von Linux mittelfristig sehr wirtschaftlich ist, was schwäbischen Prioritäten sehr entgegenkommt. 🙂
Ja, wird schwer. Aber eine kleine Gruppe von Leuten, die sagen eine schöne Stadt in einer schönen Gegend (was auf Hall definitiv zutrifft), die Sicherheit und Familienfreundlichkeit vom öD, Linux und kleines Gehalt sind immer noch besser als 24×7 Erreichbarkeit mit Windows im Bankenviertel von Frankfurt bei größeren Gehalt, könnte ich mir schon vorstellen.
Wahre Worte. Ich würde mich immer für den Job in SHA anstelle des in Frankfurt entscheiden, obwohl Frankfurt a.M. auch wunderschöne Seiten zu bieten hat, bin bis zu zwei Mal im Jahr dort. Beim Job habe ich aber festgestellt zählt dauerhafte Zufriedenheit an oberster Stelle – man verbringt doch so viel Zeit damit 😉
Hat das einen Grund, dass ihr das Rathaus von Rothenburg ob der Tauber in Bayern als Bild genommen habt?
Danke für den Hinweis, Du hast recht, das Bild ist auf der Plattform Unsplash falsch zugeordnet. Ich werde es mal schnell austauschen.
Bei mir wird auf der Startseite als Teaser-Bild immer noch ein Fragment des vorigen (falschen) Bildes angezeigt…
Ich vermute, das geht weg, wenn Du mal Deinen Bilder-Cache im Browser löschst.