USBImager als Alternative zu Etcher

Es gibt unter Linux viele Wege, um ein Abbild bootfähig auf einen USB-Stick oder eine SD-Card zu legen. Auf der Kommandozeile ist das Werkzeug der Wahl dd, was für disk dump steht und Festplatten, Partitionen oder Dateien Bit für Bit unterhalb der Dateisystemebene ausliest und schreibt. Wer dd nutzt, sollte sicher sein, das richtige Device zu verwenden, denn ist dd einmal gestartet, wird das Ziel gnadenlos ohne Rückfrage überschrieben.

In den letzten Jahren sind zur Erstellung bootfähiger USB-Stick einige grafische Tools in Mode gekommen. Einige Distributionen bieten eigene Tools an, andere sind unabhängig von Distribution oder Betriebssystem. Für Windows steht seit 10 Jahren Rufus bereit, breiter aufgestellt ist das für Linux, macOS und Windows verfügbare balenaEtcher, kurz Etcher, das Anfängern unter Linux gerne empfohlen wird. Etcher lässt sich sowohl grafisch als auch per CLI bedienen.

Etcher basiert auf Electron

Gegenüber dd haben diese Tools den Vorteil, dass sie Fehlbedienungen zu verhindern suchen. Um Datenverlust zu vermeiden, zeigt Etcher Partitionen, die über die übliche Größe von USB-Sticks hinausgehen, als großen Datenträger an. Der entscheidende Nachteil von Etcher ist die Verwendung des Electron-Frameworks und die daraus resultierende Größe der als AppImage ausgelieferten Anwendung von über 90 MByte. Zudem wird seit einiger Zeit während des Schreibens Werbung eingeblendet.

Minimale Lösung

Dass das auch besser geht, beweist das seit einem Jahr entwickelte minimalistische grafische Open-Source-Tool USBImager, das ebenfalls für Linux, macOS und Windows sowie für die ARM-Plattform verfügbar ist und als .deb gerade mal 180 KByte auf die Waage bringt. Dabei bietet es sogar mehr Funktionen als Etcher.

Neben den Binärdateien und dem Quellcode auf GitLab ist USBImager lediglich im AUR von Arch Linux zu finden. Beim Download direkt aus dem Repo ist zwischen Versionen, die nur schreiben und solchen, die auch lesen können zu unterscheiden. Letztere bieten zusätzlich die Möglichkeit, das Ergebnis nach dem Schreibvorgang zu verifizieren sowie das Erstellen von Sicherungen. Der Download als Zip-Archiv anstatt der Binärdatei erlaubt die Verwendung der ausführbaren Datei auch ohne Installation und damit ohne Systemintegration.

USBImager bei der Arbeit

Images lesen und Schreiben

Die GUI ist einfach gehalten und bietet Auswahlfelder für das zu schreibende Abbild, das Device und die Puffergröße. Zudem kann angehakt werden, dass das Ergebnis überprüft wird. Ein weiterer Klick sorgt für eine weitere Kompression. Das Tool versucht durch Ausblenden größerer Partitionen zu verhindern, dass bei falscher Auswahl des Ziels die Systemplatte überschrieben wird. Alle Laufwerke werden beim Start auf der Kommandozeile mit dem Parameter -a angezeigt. Für ein rund 3 GByte großes Abbild inklusive Überprüfung braucht USBImager knapp 4 Minuten.

Mehr Funktionen als Etcher

USBImager kann mit den Formaten .img, .bin, .raw und .iso umgehen und kann komprimierte Abbilder wie .zip, .zzz, .tar, .cpio und .pax on-the-fly lesen. Es können über den Schalter Lesen komprimierte Backups roh oder im ZStandard-Format erstellt werden. Die resultierenden Dateien werden auf dem Desktop mit der Endung .dd abgelegt. Wird gleichzeitig komprimiert, lautet die Endung .dd.zst. Zudem können Abbilder über die serielle Schnittstelle an Mikrocontroller geschickt werden. Wie diese und weitere Optionen funktionieren, zeigt ein ausführliches Handbuch (PDF).

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18 Kommentare

    1. Ja natürlich. Ich benutze »fast« nichts anderes mehr. Wer »Ventoy« noch nicht kennt sollte es sich unbedingt anschauen. Eine Alternative zu »USBImager« ist es aber insofern nicht, weil USBImager auch Images anlegen kann.

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    1. Ich habe den gnome-multiwriter mal getestet um ein LibreELEC.img auf einen USB-Stick zu kopieren.
      Die Handhabung ist super easy, allerdings null Optionen.
      Zeigt nur den eingesteckten USB-Stick an.
      Allerdings habe ich gelesen, dass der Writer auf alles schreibt was zum Zeitpunkt des Kopierens als USB-Stick irgendwo im Rechner steckt.
      Ansonsten erscheint mir das eher ungefährlich zu sein.
      Root Rechte werden benötigt.
      Das Kopieren geht recht langsam von statten, wobei ich mir gar nicht so sicher bin was der Writer mit der *.img anstellt, da er eigentlich nur ISO-Images kopieren kann, oder ist ein *.img = ISO-Image?
      Wenn dem so wäre, dann würde das sehr einfach gehen und es gäbe die Möglichkeit mehrere Sticks gleichzeitig (dafür ist er eigentlich gemacht) zu kopieren.
      Die Beschränkung das USB-Sticks nur mit 16 – 32 GB beschrieben werden können, kann ich nicht bestätigen.
      Mein Teststick hat 8 GB und funktioniert einwandfrei.
      Ich werde das am WE mal mit einem LibreELEC Image versuchen wie bei diesem Test und schaun ob das funktioniert.
      Vielleicht kennt wer von euch noch den gnome-multiwriter und kann mir sagen ob ich alles richtig verstanden habe.

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    1. Aber sicher. Der Weg heisst: Gut planen, überlegen ob was nicht vergessen wurde, den Prozess im Kopf noch einmal im Trockenen üben, und dann umsetzen. Ich denke das ist die einfachste und beste Methode ohne noch mehr Software und AI einzusetzen.

      Scheinbar hat das bei Dir einwandfrei geklappt. Glückwunsch. Oder Du hattest einfach sehr viel Glück, das kann auch gut sein.

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    2. Ich verwende vor dem ‘dd’-Aufruf immer erst mal ‘lsblk’, das für meinen Geschmack sehr übersichtlich anzeigt, welche Blockdevices wie verwendet und gemountet werden. Man kann es auch periodisch, z.B. mit ‘watch lsblk’, aufrufen und dann beim Einstecken des USB-Keys beobachten, welches Device dazukommt.

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  1. Oho. Danke für den Hinweis. Ich habe das geniale kleine Teil in der Version 1.0.7 und irgendeine Version davor schon getestet. Es sollte mir zur Sicherung einer SD-Karte für den Raspberry Pi dienen. Leider erkennt das Tool den Reader oder die SD-Karte nicht, ist also IMHO nur für USB-Sticks einsetzbar. Werde die 1.0.8 aber später testen ob sich das inzwischen geändert hat…

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      1. Danke für den Test. Mein USB-3 Card-Reader funzt weiterhin nicht mit USBImager 1.0.8, wohl aber mit einem anderen USB-2-Reader an dem gleichen USB-3-Port, was ich nun auch getestet habe. Dauert natürlich etwas länger.
        Den Test hätte ich nicht gemacht, wenn Du nicht getestet hättest. Thanks 😉
        dd hatte es für mein Vorhaben (s.o.) seinerzeit auch getan, aber das Tool ist dennoch genial und etwas sorgloser einsetzbar.

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