Linux-Kernel 4.15

Bild: Krd Lizenz: CC BY-SA 3.0

 

Kernel 4.15 hat den längsten Entwicklungszyklus eines Kernels in den letzten sieben Jahren. Es brauchte neun Release-Kandidaten bis Linus Torvalds, der Herr der Kernel, zufrieden war. So viele RCs benötigte zuletzt Kernel 3.1 im Jahr 2011, der sogar noch einen zehnten Kandidaten brauchte und damit Rekordhalter ist.

Der Grund für den langen Zyklus sind ohne Zweifel Meltdown und Spectre, die die Kernel-Entwickler noch vor den Feiertagen überraschten und einige bis zur Erschöpfung in Atem hielten. Die Art, wie Intel die katastrophalen Sicherheitslücken handhabte war alles andere als hilfreich und Torvalds ließ Intel das auch wissen. Torvalds wünscht sich in seiner Ankündigung einen langweiligen Entwicklungszyklus zu 4.16 ohne neue Überraschungen.

GCC 7.3 aktiviert Retpoline vollständig

Jetzt ist es aber geschafft, 4.15 ist veröffentlicht. Vor wenigen Tagen erschien zudem die GNU Compiler Collection GCC 7.3, die ebenfalls die entsprechenden Switches für Retpoline mitbringt, sodass damit gebaute Distributionskernel über den vollen derzeit verfügbaren Schutz verfügen. Insbesondere 4.16 wird Patches gegen Spectre v1 bringen, aber auch die darauf folgenden Kernel werden noch Nachbesserungen beinhalten. Neben x86 stehen dabei besonders die Plattformen PowerPC und ARM im Fokus.

Meltdown im Griff

Die  Kernel Page-Table Isolation-Patches können mit Kernel 4.15 die Meltdown-Lücke schließen. Allerdings kostet das derzeit je nach Anwendung unakzeptable 5 bis 30 Prozent. Für AMD-CPUs bleiben diese Patches deaktiviert, da AMD-Prozessoren für Meltdown nicht anfällig sind. Gegen Spectre v1 haben die Entwickler derzeit noch kein Mittel, daran wird für 4.16 gearbeitet. Spectre v2 lässt sich dagegen zumindest teilweise im Kernel verhindern. In Kernel 4.15 übernehmen das die Retpoline-Patches von Google.

 

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Riesiges Patchset von AMD

Natürlich hat der neue Kernel mehr zu bieten als die Maßnahmen gegen die alles überschattenden CPU-Sicherheitslücken. Herausragend dabei ist die Unterstützung für AMDGPU DC, die es nach mehreren Anläufen in den Mainline-Kernel geschafft hat.  Der Kernel unterstützt damit AMDs GPU-Architektur Vega. Dazu zählen die Karten Radeon RX Vega 64 und  Radeon RX Vega 56, die jetzt Unterstützung für HDMI 2.0 und Displayport 1.4 bieten. Bei den meisten Karten gilt das auch für Audio. Ebenfalls neu ist die Temperaturüberwachung für AMDs Zen-Prozessoren. Das gleiche gilt auch für den Nouveau-Treiber, der jetzt die Temperaturen bei Nvidias Pascal-Chips beherrscht.

Mit der Unterstützung von Apples ThunderboltIP lassen sich Rechner über die Thunderbolt-Schnittstelle vernetzen. Bei  USB-Typ-C-Schnittstellen kann der Port-Manager künftig den Energiebedarf je nach angeschlossenem Gerät regeln. Der Umstieg auf Control Groups v2 ist mit 4.15 vollständig, auch wenn die erste Implementation uns noch lange begleiten wird. Zudem wurden erste Patches für die Unterstützung der neuen RISC-V-Prozessoren aufgenommen.

Das zweiwöchige Fenster für Einreichungen zu Linux 4.16 ist geöffnet, wenn alles glatt läuft, sollte der nächste Kernel Ende März erscheinen. Wie immer bietet die Seite Kernel Newbies eine leicht verständliche Zusammenfassung der Änderungen zu Kernel 4.15.

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