Trident

Selten bis nie kommt es vor, dass eine komplette Distribution vom BSD-Lager nach Linux wechselt. Beim Projekt Trident ist genau das passiert. Daraus entsteht gerade eine, wie ich finde, sehr spannende Distribution. Gerade ist mit Trident Void Linux 20.02 die erste stabile Version erschienen.

Namenskarussell

Die Geschichte hinter dem Wechsel von Project Trident von FreeBSD zu Void Linux bedarf ein wenig der Erläuterung. Die Geschichte beginnt mit PC-BSD, ein von der Firma iXsystems unterstütztes Projekt, das zum Ziel hatte, FreeBSD besser für den Desktop nutzbar zu machen. iXsystems pflegte bereits eine Server-Variante von PC-BSD unter dem Namen TrueOS und benannte dann die Desktop-Variante ebenso.

Void Linux als Unterbau


Im Sommer 2018 übernahm das dafür gegründete Project Trident die Desktop-Variante, während TrueOS sich darauf konzentrierte, als Basis für andere Projekte zu dienen. Trident entschied sich, Lumina als Desktop beizubehalten. Im Herbst letzten Jahres verkündeten die Entwickler dann, sich von FreeBSD als Basis zu verabschieden und künftig auf Void Linux aufzubauen. Als Hauptgrund wurde die bessere Hardwareunterstützung genannt.

Klein, aber fein

Void Linux ist eine kleine feine Distribution, die von Grund auf gebaut wird. Sie kommt ohne Systemd aus und verwendet stattdessen das schlanke Init-System Runit. Das eigene Paketsystem Xbps, das ursprünglich zur Gründung von Void führte, indem NetBSD-Maintainer Juan Romero Pardines eine Testumgebung für den von ihm geschriebenen Paketmanager erstellte, agiert gefühlt mit Lichtgeschwindigkeit.

Interessante Zutaten

Es beherrscht neben dem Paketmanagement aber noch mehr: Es ist gleichzeitig auch das Buildsystem, mit dem die Void-Entwickler alle Pakete der Distribution erstellen. Derzeit liegt der von XBPS verwaltete Paketbestand bei Void für die x86-Plattform bei über 8.250 Paketen, die ARM-Varianten bieten jeweils über 5.000 Pakete an. Damit nicht genug stellt Void auch Pakete für die Glibc-Alternative Musl bereit und verwendet LibreSSL anstelle von OpenSSL. Ausführliche Artikel zu Void Linux und Xbps habe ich im LinuxUser veröffentlicht.

ZFS als Sahnehäubchen

Diese Eigenschaften erntet nun Trident und setzt dazu noch ZFS on Root obendrauf. Für Desktop-Anwender dürften die Snapshots die interessanteste Funktionalität von ZFS sein. Bei Trident ist ZFS so integriert, dass vor jedem Update der Distribution ein Snapshot erstellt wird, der im Bootmanager später zur Auswahl steht. Natürlich können auch manuell Snapshots erstellt werden.

Snapshots standardmäßig

Voraussetzung für bootbare Snapshots ist die Installation unter UEFI. Ohnedem funktioniert zudem die Verschlüsselung nicht, die bei Trident Standard ist. Den Lumina-Desktop hat Trident von BSD mitgebracht. Der eher spartanische Desktop ist bestimmt nicht jedermanns Sache. Muss er auch nicht, denn weitere Desktops sind schnell nachinstalliert.

Kein Live-Abbild

Trident steht noch am Anfang und der Umstieg von BSD auf Linux als Unterbau brachte einige ganz eigene Herausforderungen mit sich. Deshalb knirscht es noch an einigen Stellen, es gibt aber für alles Workarounds. So müssen etwa USB-Sticks derzeit per Mount-Befehl eingebunden werden.

Trident gibt es derzeit nicht als Live-Abbild. Wer vorab testen möchte und dazu VirtualBox verwendet, muss als Grafiktreiber VBoxSVGA auswählen, denn sonst bleibt der Bildschirm dunkel. Hilfestellung gibt es im Telegram-Channel Project Trident.

Trident: von BSD zu Linux

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