Rathaus München

Nachlese zu: »Was macht München in Sachen Open Source?«

Mein Interview mit Judith Greif, Stadträtin der Landeshauptstadt München für Bündnis 90/Die Grünen über den Stand von Open Source in Münchens Verwaltung zog weite Kreise und wurde unter anderem von großen IT-Medien wie Heise Online und Golem als Grundlage für eigene Berichte aufgegriffen.

Düsteres Bild

Judith Greif zeichnete im Interview ein eher pessimistisches Bild, was die Fortschritte der letzten zwei Jahre angeht. Da ich das nicht einseitig stehen lassen wollte, habe ich mich um eine Stellungnahme der SPD dazu bemüht. Es kam auch ein Kontakt zustande. Meiner Bitte um Stellungnahme kam der Kontakt dann aber nicht nach.

Tendenziöse Berichterstattung?

Einige Tage später griff Gerrit Heim in seinem Blog [Mer]Curius das Thema auf und warf Heise vor, den Artikel zwar übernommen zu haben, aber der Sorgfaltspflicht der weiteren Recherche eines größeren Mediums nicht nachgekommen zu sein. Im Weiteren kritisiert Gerrit, es gebe keine seriösen Nachrichtenmedien mehr im IT-Bereich. Es werde vielmehr ein Meinungsbild geschaffen, dass Open Source vorantreibt, ohne auf »schwerwiegende[n] technische[n] oder strukturelle[n] Probleme« einzugehen. Zusammengefasst: »wenig neue Fakten […] mit viel Interpretation und Meinung«

LiMux muss herhalten

Als Beleg muss unter anderem wieder LiMux herhalten; Gerrit sieht die Berichterstattung nach der Abkündigung des Projekts als tendenziös an. Als Grund vermute ich, dass der Tenor in vielen Berichten über die Einstellung des Projekts eher politische Motive und Unfähigkeit im Management und in der Stadtverwaltung für das Aus sah als die vorgeschoben wirkenden technischen Kritikpunkte, die damals von vielen Beteiligten verneint oder als übertrieben dargestellt wurden. So sah es damals auch der Journalist Jörg Luther.

Replik aus dem Profi-Lager

Dieses Bild der tendenziösen Berichterstattung im Bereich IT und Open Source wollte Jörg Luther, unter anderem Chefredakteur beim Magazin LinuxUser, nicht auf sich sitzen lassen und verfasste unter dem Titel »Lügenpresse« eine Replik im Editorial der aktuellen Ausgabe 03/2022.

Verantwortlicher Journalismus habe auf das Gesamtbild zu achten und da gebe es »keine Alternative zu Open Source und “Public Money, Public Code” bei Kommunen, Ländern, dem Bund und der EU«. Luther wirft dem Blogger unter anderem mangelhafte Recherche vor, konstatiert aber gleichwohl, dass hier der Unterschied vom Blogger zum Journalisten liege. Während der Blogger privat Meinungen vertreten und alles schreiben darf, was nicht strafrechtlich relevant ist, machen die Pressegesetze den Journalisten persönlich verantwortlich für seine Veröffentlichungen. Gerrit hat inzwischen in seinem Blog einen Kommentar zur Replik hinterlassen.

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