Kent Overstreet, Entwickler des Copy-on-Write (COW)-Dateisystems Bcachefs hat seine aktuellen Patches zur Überprüfung bei den Kernel-Entwicklern eingereicht. Overstreet hält Bcachefs für reif für eine Aufnahme in den Kernel. Deshalb hat er seinen Review-Wunsch gleich als Pull-Request eingereicht, im Fall, dass die Kernel-Entwickler keine Einwände mehr haben sollten.
Erstmals 2015 vorgestellt
Overstreet stellte sein Dateisystem erstmals 2015 auf lklm.org vor, nachdem er bereits mehrere Jahre daran gearbeitet hatte. Entstanden war die Idee aus dem seit Linux 3.10 im Kernel integrierten und ebenfalls von Overstreet geschriebenen Gerätetreiber bcache, der, mit den damals aufkommenden SSDs im Blick, die Möglichkeit bietet, langsame Block-Devices wie Festplatten mithilfe schnellerer Block-Devices wie SSDs zu cachen. Somit erklärt sich der Name, der für block device cache steht.
Robust und zuverlässig
Overstreet erkannte, dass bcache bereits viele Grundelemente eines Dateisystems hat und beschloss, es zu einem solchen auszubauen. Dies dauerte allerdings länger als erwartet. Das definierte Entwicklungsziel ist, mit Ext4 und XFS gleichzuziehen, was Leistung und Zuverlässigkeit betrifft, aber mit den zusätzlichen Eigenschaften von Btrfs und ZFS. Dazu zählen COW, Prüfsummen für Daten und Metadaten, Caching, Kompression, Verschlüsselung und Snapshots. Dabei soll aber immer »Robustheit und Zuverlässigkeit vor Features und Hype« stehen.
Zweiter Anlauf
Vor rund 18 Monaten begann Overstreet eine Patch-Serie einzureichen, von der er glaubte, sie sei ausreichend stabil und fehlerfrei für die Aufnahme in den Mainline-Kernel. Linus Torvalds sah das anders und kritisierte die Patches sowohl inhaltlich als auch von der Form her. Jetzt macht Overstreet einen weiteren Anlauf, der aber selbst, wenn es keine Beanstandungen mehr geben sollte, wegen der Feiertage für Linux 5.11 vermutlich zu spät kommt. Die Chancen für eine Aufnahme im Jahr 2021 stehen aber nicht schlecht, was zur weiteren Reifung beitragen würde.
Wird Bcachefs in den Kernel aufgenommen, so kann der Gerätetreiber bcache entfallen. Overstreet hofft, Btrfs bei Zuverlässigkeit und Geschwindigkeit überholen zu können. Ein Vorteil gegenüber Btrfs ist bereits jetzt die Möglichkeit, es als Cache einzusetzen, die Btrfs offiziell nicht bietet. Weitere technische Details bietet ein Artikel auf LWN.

Es ist ein uralte Diskussion aber die Kernaussage bleibt wahr:
Es gibt genug oder mehr als genug Dateissysteme für Linux und eine One-Man-Show hat eine sehr begrenzte Chance, sich qualitativ so zu entwickeln, dass sie die Features und die Reife von breiter unterstützten Systeme erreicht.
Vor allem gibt es genug Dateisysteme, die die angekündigten schon beinhalten ..
also .. vermutlich Ablage
Ich denke/hoffe, nicht! Viele Köche können sich auch schon mal gegenseitig auf die Füße treten …
Ein modernes Dateisystem ist schon ein großes Projekt, aber vielleicht gerade so, dass es noch einer (nicht ganz) alleine bewältigen kann (siehe auch HAMMER(2)) – zumal Overstreet ja schon eine Basis geschaffen hatte (auch nicht alleine).
Ja aber es gibt kein Dateisystem im Linux-Kernel was das kann was bcachefs kann/ können wird
sagen wir mal besser: können möchte
Kannst du jetzt schon testen..
https://wiki.debianforum.de/Bcachefs
Danke, aber vor Mainlining (oder eigentlich Debian Testing) sehe ich mich das momentan nicht ausprobieren – vielleicht mit einer kleinen Test-Installation, aber heiß bin ich auf ein gutes Dateisystem für die echten Daten. Btrfs geht schon, aber da gibt es noch Luft nach oben …
Freue mich schon sehr auf’s Ausprobieren!
(Das ist ein Aussagesatz, kein Aufforderungssatz.)
Genau das lehnst Du aber in Deinem zweiten Posting mit Verweis auf Stabilität für “echte Daten” ab. Selbst, wenn es tatsächlich irgendwann in den Kernel (und debian testing hat damit erstmal nichts zu tun) aufgenommen werden sollte, wirst Du sinnvollerweise dann immer noch nicht “testen”.
> (Das ist ein Aussagesatz, kein Aufforderungssatz.)
Aufforderung/Befehl sind auch nicht die einzigen Anwendungsfälle eines Ausrufezeichens (falls Du Dich darauf bezogst).
> Genau das lehnst Du aber […] ab.
Nein, ich meinte hier mit „Ausprobieren“ nur nicht das, was Du Dir offenbar gedacht hast. Wenn ich Zeit finde für einen Pre-Mainline-Test, schön; sehr wahrscheinlich werde ich es aber erst testen, wenn in Debian testing angekommen, vielleicht auch erst in stable. Ein Ausprobieren ist es dann natürlich dennoch, um zu sehen, ob es hält, was es verspricht (insbes. nicht meine Daten frisst).