Canonical hat angekündigt, die Entwicklung von Ubuntu Core Desktop deutlich zu beschleunigen. Die unveränderliche, vollständig auf Snap-Paketen basierende Desktop-Variante von Ubuntu soll langfristig zum Standard werden. Ein neu zusammengestelltes Entwicklerteam arbeitet bereits an einer überarbeiteten Architektur. Im Entwicklungszyklus von Ubuntu 27.04 sollen regelmäßig neue Testabbilder erscheinen.
Ubuntu Core Desktop wurde 2023 erstmals als Entwicklervorschau vorgestellt. Seitdem war es allerdings weitgehend still um das Projekt geworden. Nun hat Jon Seager, bei Canonical als Vice President of Engineering für Ubuntu verantwortlich, auf Ubuntu Discourse die Wiederaufnahme der Arbeiten bekannt gegeben.
Unveränderliches System mit Snap-Paketen
Anders als beim klassischen Ubuntu Desktop werden bei Ubuntu Core Desktop nicht nur Anwendungen, sondern sämtliche Systembestandteile als Snap-Pakete bereitgestellt. Dazu gehören der Bootloader, der Linux-Kernel, Systemdienste und die Desktop-Umgebung. Das zugrunde liegende System ist weitgehend unveränderlich (immutable).
Drei Einsatzbereiche im Fokus
Canonical konzentriert sich zunächst auf drei Anwendungsbereiche: Rechner, auf denen hauptsächlich browserbasierte Anwendungen genutzt werden, Entwickler-Workstations und Gaming-Systeme.
Für Entwickler sollen unter Einbindung von Canonicals Entwicklungsumgebung Workshop isolierte Arbeitsumgebungen auf Basis von Containern und Virtualisierung entstehen. Im Gaming-Bereich sollen sich unter anderem Grafiktreiber und Mesa-Komponenten unabhängig vom übrigen System aktualisieren lassen.
Eine wesentliche Herausforderung bleibt die Verfügbarkeit von Anwendungen. Ubuntu Core verlangt strikt isolierte Snap-Pakete. Programme, die als sogenannte Classic-Snaps bereitgestellt werden, lassen sich deshalb nicht ohne Weiteres ausführen. Canonical untersucht Möglichkeiten, solche Anwendungen ebenso wie Software aus APT, Flatpak oder Nix in isolierten Umgebungen zu betreiben.
Auch KDE Plasma ist vorgesehen
Ubuntu Core Desktop soll jedoch nicht auf GNOME beschränkt bleiben. Canonical arbeitet dazu erneut mit dem französischen Unternehmen enioka Haute Couture zusammen, das bereits an KDE Neon Core beteiligt war. Die Zusammenarbeit soll sicherstellen, dass die neue Architektur auch KDE Plasma und grundsätzlich weitere Desktop-Umgebungen unterstützt.
Langfristig als Standard
Seager macht deutlich, dass Ubuntu Core Desktop langfristig die bisherige Desktop-Architektur ablösen soll. Einen konkreten Termin dafür nennt Canonical nicht. Der klassische, auf DEB-Paketen basierende Ubuntu Desktop werde vorerst weiterentwickelt und bleibe verfügbar, so Seager.
Mit der erneuten Initiative unterstreicht Canonical seine Absicht, Snap nicht nur als Paketformat für Anwendungen, sondern als technische Grundlage des gesamten Betriebssystems zu etablieren. Ob sich dieser Ansatz auf dem Desktop durchsetzen kann, wird davon abhängen, wie gut sich bisherige Anwendungen und gewohnte Arbeitsabläufe integrieren lassen. In diesem Bereich tun sich unveränderliche Distributionen teilweise noch schwer.
