Debian Swirl

Debian-Projektleiter zu den aktuellen Problemen der Distribution

Debian-Projektleiter
Bild: Debian | Quelle Mohd Sohail | Lizenz: CC BY-SA-2.0

Während der Online-Konferenz DebConf 20 vor rund zwei Wochen hielt der derzeitige Projektleiter Jonathan Carter einen Vortrag zu den Problemen, denen sich das Projekt derzeit gegenüber sieht. Kurz zusammengefasst lautet das Fazit: Wir haben genug Geld, aber zu wenig Entwickler.

Große Außenwirkung

Debian ist ein Projekt mit großer Außenwirkung. Einerseits wird es in vielen Unternehmen und Organisationen bis hinauf zur ISS als Server-Software eingesetzt, andererseits nutzen viele Distributionen Debian als Basis. Ubuntu ist die größte dieser Distributionen, die wiederum selbst Hunderte von Ablegern hat, die indirekt ebenfalls auf Debian basieren.

Diese große Außenwirkung erzeugt Debian erstaunlicherweise als freies Projekt ohne ein Unternehmen im Hintergrund und nach dem Prinzip der [wiki title=”Do-ocracy”]Do-ocracy[/wiki] arbeitend.

Genügend Geld …

Im Vergleich mit der Bedeutung von Debian ist die Entwicklerschar relativ übersichtlich und schwankt seit Jahren um die Tausend. Derzeit sind es 975 Entwickler und 223 Maintainer. Das ist laut Carter zu wenig und behindert das Wachstum des Projekts. Derzeit finden sich in Debian 11 »Bullseye«, der kommenden stabilen Version des Projekts über 61.000 Binärpakete der amd64-Architektur und fast 32.000 Quellpakete.

… zu wenig Entwickler

Die finanzielle Basis des Projekts erscheint sehr solide, denn derzeit verwalten die drei Organisationen debian.ch, debian.france und Software in the Public Interest (SPI) rund 930.000 US-Dollar für Debian. Angesichts dieser Summe erscheint es mir unverständlich, warum Teams von Debian-Entwicklern komplexe Software-Sammlungen wie KDE Plasma auf unzureichender Hardware bauen müssen und dabei sowieso schon rar gesäte Entwicklerzeit verschwenden.

Debian ist ein bodenloser Abgrund an Problemen und ich meine das auf die freundlichste Art und Weise, die möglich ist.

Jonathan Carter, DebConf 2020

Carter versucht im Vortrag zu erklären, woran es liegt, dass Hardwarebeschaffung in einem solchen Projekt aufgrund der dezentralen Verteilung der Entwickler ein Vorhaben ist, dass oft länger dauert als erwartet. Allein der Austausch einer Festplatte kann so zu einem größeren Unterfangen werden, wenn jemand zum entsprechenden Rechenzentrum reisen muss, um den Austausch vorzunehmen.

Hardware-Bereitstellung

Bei der Inbetriebnahme neuer Server gestaltet sich das noch wesentlich komplexer. Carter weist zudem darauf hin, dass Covid 19 natürlich in diesem Jahr noch zusätzlich bremst. Ein weiterer Punkt sei, dass viele Entwickler sich schämen, ihren Bedarf öffentlich zu machen. Das will mir nun gar nicht einleuchten. Wenn ich schon meine Zeit einbringe für ein Projekt, erwarte ich sogar, bestmöglich unterstützt zu werden.

Viele Entwickler sind permanent überlastet, ihr Leben ist zeitweise von Debian bestimmt und sie arbeiten am Rande ihrer Leistungsfähigkeit. Carter schätzt, dass Debian mit der dreifachen Zahl an Entwicklern alle seine Ziele erreichen könnte und gleichzeitig das Stresslevel auf ein erträgliches Maß gesenkt werden könnte.

Neue Entwickler akquirieren

Das führt zu der Frage, warum Debian bei der großen Außenwirkung nicht mehr Entwickler anzieht und wie mehr Anreize im Onboarding geschaffen werden können. Viele Probleme des Projekts sind bereits öffentlich diskutiert worden, Abhilfe ist aber nur sehr begrenzt in Sicht. Es wird ständig darüber diskutiert, wie man mehr Frauen und Minoritäten für Debian akquirieren kann. Ich denke dagegen, viel entscheidender ist, dass der Entwicklernachwuchs immer weniger bereit ist, sich mit verkrusteten Strukturen und nicht adäquaten Tools und Kommunikationsformen abzufinden.

Veraltete Strukturen

Auch die internen Strukturen halten Debian auf. Neue aufzunehmende Pakete oder bestehende, deren Änderung eine Sichtung im Hinblick auf Copyright und Lizenzen benötigen, landen in NEW-Warteschlange, in der eine Wartezeit von einem Monat keine Seltenheit ist und derzeit zwei Pakete seit fast einem Jahr festhängen.

Teils feindliche Arbeitsumgebung

Zwei weitere Punkte, die Carter anspricht sind einerseits zu wenig Marketing, was sich in zu wenig Präsenz in den Medien ausdrückt, andererseits müsse Debian auch optisch attraktiver werden. Was Carter nicht anspricht ist, dass Debian oft eine feindliche Arbeitsumgebung sein kann, in der es Machtspiele gibt und es immer öfter eher um Political Correctness und den Code of Conduct geht als um den eigentlichen Code. Angesichts der ganzen Probleme ist es erstaunlich, dass das Projekt so gut funktioniert, wie es das tut, jedoch wäre mehr möglich, wenn die Last auf mehr Schultern verteilt wäre und der Code im Vordergrund steht.

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39 Kommentare

  1. Mit 30 Jahren Erfahrung im Bereich der Softwareentwicklung und langjähriger Linux-Nutzer dachte ich daran, ehrenamtlich, zum Lernen, zunächst ein kleiners Package zur betreuen, dann zu maintainen und später, mit entsprechender ERfahrung, ggf. größere Packages zu unterstützen.

    Dann habe ich den Mist um political correctness und code of conduct mitbekommen und mir gedacht, dass ich mir das als nicht Muttersprachler nicht antun werde.

    Soviel Schmerzensgeld kann mir gar keiner bezahlen. Ich weiss wovon ich spreche, ich habe in entsprechend verseuchten Organisationen (auch ehrenamtlich) gearbeitet. Dagegen ist COVID-19/2+ eine merkbare Verbesserung des Ökosystems.

    Ich werde keine Dokumentation mit * : Innen o.ä. verfassen! Das verbiegt meine Hirnwendungen mehr, als dass am Ende hilfreiches und produktives herauskommt. Abgesehen von der Mehrarbeit und Zeitverschwendung. Die Erfinder wollen nur Ihre Unfähigkeit Brauchbares zu schaffen unter Gendersternchen verstecken! Und natürlich bessere Leute mit ihrem Meinungsterror unterdrücken.

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    1. Sehr verständlich, so sehe ich das auch. Interessanterweise haben die LGBTQ-Leute das eingeführt, von der eigentlichen Arbeit wollen sie dann aber nichts mehr wissen.
      Wenn jemand Dokus mit *Innen haben will, dann soll er/sie/es sich die gefälligst selbst schreiben.

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      1. Ich habe einige Freunde in der LGBTQ-Szene, diese sind meist sehr vernünftig und betrachten dieses “Aktivistentum” in ihrem Namen argwöhnisch. Langsma drängt sich mir die Vermutung auf, dass hier eine Trollarmee der kommerziellen Wettbewerber am Werk ist.

        Kein Projekt für die Allgemeinheit kann effizienter kaputt gemacht werden, als durch vollständig am Thema vorbeigehende zeitraubende Diskussionen mit Leuten, die zwar keine Ahnung aber sich auf eine hohe Moralmähre gesetzt haben.

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  2. Weshalb sollte Debian Marketing benötigen?
    Debian wird allseits geschätzt und jeder der auch nur etwas über Linux weiß, kennt auch den Namen Debian. Marketing ist eine Sache die in der kommerziellen Welt der verkäuflichen Produkte wichtig ist. Bei Community-Projekten kann Marketing auch sehr kontraproduktiv sein.

    Ich weiß nicht, ob es wirklich zu befürchten ist, dass Debian “irgendwann mal lediglich nur als Basis für andere Projekte von Bedeutung sein könnte.” Bei der Verwendung als Server Betriebsystem ist das bestimmt nicht der Fall, allerdings auf dem Desktop fällt deutlich eine Diskrepanz ins Auge. Debian macht die ganze Arbeit mit dem Maintainment aber andere Distributionen dürfen sich dann die User schnappen.

    Meine Strategie wäre: 1. Bessere Untersützung neuer Hardware, um zu vermeiden, dass User zu anderen Distributionen greifen müssen. 2. Zusätzliche Einführung einer offiziellen Rolling Realese Verson. Im Grunde genommen also genau das, was Siducton ohnehin schon macht, aber dies, als offizielle Debian Ausgabe. (Es ist bestimmt auch kein Zufall das Siduction gerade diese Lücke seit langem füllen möchte) Im Video war die Rede davon die Unterstützung neuer Notebooks auszuweiten. Ich denke, dies sollte man dann auch konsequent tun.

    Veraltete Tools ziehen keine neuen Entwickler an. Auch strapaziert das die Nerven und die Zeit der vorhandenen Debian Entwickler unnötig. Falls man sich hier über die nötigen Verbesserungen einigen kann, sollte man eine Arbeitsgruppe einsetzen, die man für diese Arbeit auch entlohnen kann. In einer do-ocratie gibt es bestimmt auch gewisse Hemmungen Veränderungen vor zu schlagen, da oftmals die ganze Arbeit an denen hängen bleibt, die am lautesten danach Rufen. Das Verbessern vorhandener Strukturen und die Entwicklung und Einführung neuer Tools kann aber sehr aufwendig sein. Hier ist ein längerfristiges Engagement von Nöten, dass ohne Bezahlung jeden schnell überfordern würde.

    Der Zustand der veralteten Qt-Pakete und die Schwierigkeiten der bisherigen Maintainer damit, zeigen doch eindrucksvoll, wo man ganz praktisch nachbessern sollte.

    So jedenfalls mein Eindruck aus der Ferne.

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    1. Dass Debian beim Desktop weniger attraktiv ist, wundert mich nicht. Auszug aus dem von Ferdinand Thommes verlinkten Handbuch:

      “Um apt-get zu benutzen, editieren Sie die Datei /etc/apt/sources.list, genauso wie für Abschnitt 9.1.1, ‘aptitude’.
      Führen Sie dann aus:
      apt-get update
      gefolgt von
      apt-get dist-upgrade
      Beantworten Sie eventuelle Fragen, und das System wird aktualisiert. Schauen Sie auch auf die Handbuchseite apt-get(8) oder in Abschnitt 8.1.2, ‘APT’.”

      Ich arbeite nun schon geraume Zeit mit Xubuntu und Linux Mint, da geht das ganz einfach über die Aktualisierungsverwaltung. In der Regel sind das zwei Klicks. GUI anstatt Kommandozeile! Erschließt sich intuitiv. Debian ist in meinen Augen zu benutzerunfreundlich und ist damit weniger attraktiv. Warum bekommen das andere hin, Debian jedoch nicht?

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        1. Natürlich ist es nicht sooo… schlimm, aber es ist für Anfänger abschreckend. Als ich mal Debian installiert hatte, habe ich zunächst vergeblich nach der Update-Funktion gesucht und musste erst im Internet recherchieren. Bei Xubuntu dagegen fand ich gleich auf Anhieb die Aktualisierungsverwaltung. Linux Mint dito. Von anderen Hürden ganz zu schweigen. Wie bereits erwähnt, Debian erschließt sich nicht intuitiv. Und es hat schon seinen Grund gehabt, dass man es für nötig befunden hat, Ubuntu zu kreieren. Und warum ist Windows trotz all seiner Mängel in puncto Sicherheit wohl immer noch so attraktiv? Weil es selbst für Einsteiger leicht zu bedienen ist. Diesbezüglich hat Debian meiner Ansicht nach Nachholbedarf.

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        2. Für nicht unterstützte oder neue Grafikkarten braucht man einen VESA Fallbackmodus, damit die GUI Tools immer erreichbar sind. Und der muss viel leichter erreichbar sein, als es derzeit mit einer Änderung der grub.cfg der Fall ist. Am besten eingebaut als Tastenkombination, wie bei Windows, denn man kann zwar grub menueinträge als Workaround anlegen, aber die haben nicht überall bestand. Man denke da nur mal an komische multi boot USB Sticks, wo dann nur ein Menueintrag implementiert wird.
          Siehe dazu auch mein Kommentar weiter oben.

          Mit Servern, die nur per Kommandozeile administriert werden, wird ein einfacher Nutzer kaum in Berührung kommen. Für die Admins und Pros gibt es ja weiterhin die Kommandozeilenlösungen.

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      1. Es reicht nicht nur die Kongfiguration per GUI zu ermöglichen, denn man braucht auch noch einen immer leicht erreichbaren VESA Modus als Fallback, verlgeichbar dem abgesicherten Modus von Windows, damit der unbedarfte Nutzer immer an seine GUI Tools herankommt und per Browser nach Hilfe rufen kann.

        Und da hapert es schon. Denn der VESA Modus des X Window Systems ist nur über für unbedarfte Nutzer kryptische Einträge in der grub Konfiguration erreichbar.

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    2. Sehr gut! Danke!

      Ab Deinem 2. Absatz ist Dein Beitrag direkt schon ein hervorragendes Plädoyer für die dringende Notwendigkeit eines professionelles Produkt-Managements und Marketings bei Debian. :thumbs up:

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      1. Ein Management agiert von oben herab in einer Hierarchie. So etwas klappt nur, weil die Mitarbeiter auf das Geld angewiesen sind, für das sie arbeiten.
        Debian wird getragen vom Ideal freier Software. Die Entwickler sind keine Angestellten und sie arbeiten auch nicht auf Weisung sondern rein aus innerer Motivation.
        Debian ist unersetzlich in der Linuxlandschaft, weil keine Firma dahinter steckt, und weil die Entscheidungsprozesse offen ablaufen. Keine andere Distribution macht sich so viel Arbeit mit den Lizenzen der verwendeten Software und ist auch so konsequent dies strikt umzusetzen. Das hemmt die Abläufe, ist aber ungemein wichtig.
        Auf der anderen Seite hat Debian gerade deshalb soviel Vertrauen bei all seinen Usern.

        Demokratie ist anstrengend, Entscheidungsprozesse mühsam und Diskussionen aufreibend. Aber Debian existiert schon sehr lange so und das Ergebnis hat immer eine ausgesprochen hohe Qualität aufzuweisen.

        Ein paar Abläufe benötigen jetzt dringend der Verbesserung und die Entscheidungsprozesse sind schwierig aber wenn die innere Verfasstheit dabei verloren geht, dann gibt es dann auch keine Notwendigkeit für Debian mehr.

        Wenn eine Demokratie Aufgaben delegiert, dann nennt man das Arbeitsgruppe.
        Das Ergebnis (Produkt) kann genauso professionell sein.

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        1. Demokratie ist anstrengend, Entscheidungsprozesse mühsam und Diskussionen aufreibend.

          Gut beobachtet. Aber endlose Diskussionen führen zu nichts, wenn nicht am Ende eine Entscheidung getroffen wird. Im Zweifel muss einer aufstehen und die Zügel in die Hand nehmen und dafür sorgen, dass es zielorientiert weitergeht.

          Aber Debian existiert schon sehr lange so und das Ergebnis hat immer eine ausgesprochen hohe Qualität aufzuweisen.

          Was aber nicht gleichbedeutend sein kann mit “immer weiter so”. Scheinbar ist man nun aber doch an einem Punkt angelangt, wo es nicht zufriedenstellend weitergeht und Stillstand wenn nicht sogar Rückschritt droht. Auch das gefährdet die bisher (unbestritten) erreichte Qualität!

          Ein paar Abläufe benötigen jetzt dringend der Verbesserung und die Entscheidungsprozesse sind schwierig aber wenn die innere Verfasstheit dabei verloren geht, dann gibt es dann auch keine Notwendigkeit für Debian mehr.

          Ich hätte es nicht besser ausdrücken können. Bestätigt zu einhundert Prozent meine bisherigen Aussagen.

          Wenn eine Demokratie Aufgaben delegiert, dann nennt man das Arbeitsgruppe.

          Das Ergebnis (Produkt) kann genauso professionell sein.

          In einer Demokratie mag das so sein. Was aber das Ergebnis angeht, so scheint der Prozess gerade auf der Stelle zu stehen.

          Genau dabei kann ein Produktmanager helfen. Er kann durchaus daraufhin wirken, dass man gemeinsam Ziele erarbeitet. Die Aufgabe des Produktmanagers ist dann die Koordinierung und zwar immer mit dem Blick auf ein definiertes Ziel. Er hat das große Ganze immer im Blick, erkennt Probleme oder Blockaden im Entwicklungsprozess und koordiniert, falls erforderlich, notwendige Gegenmaßnahmen. Dadurch bekommt der Prozess eine Struktur. Das verhindert auch Redundanzen und Frust. Glaub mir, am Ende profitieren alle davon. Auch wenn es nicht jeder sofort einsehen wird. Wie in einer Demokratie halt auch. Denn es wird dem ein oder anderen sicher auch Veränderungen abverlangen. Aber egal wie – es muss sich eben trotzdem jemand darum kümmern, dass es vorwärts geht. Das Produkt muss am Ende stimmig sein. Dann wird es erfolgreich sein. Erfolg mach sexy. Und auch das zieht Mitstreiter an. Immer weiter so kann die Lösung nicht sein.

          Und mit dem Begriff “Marketing” ist gemeint, dass diese Fortschritte und Erfolge auch “verkauft” werden müssen. Das muss nicht monetär bedeuten. Man muss sich auch selbst gut verkaufen können um Andere dafür zu begeistern. Nach außen hin öffnen, für Neues. Dann finden sich auch Mitstreiter. Auch das ist Marketing! Marketing in eigener Sache. Wenn alles immer nur im Hintergrund in einer verschworenen Gemeinschaft abläuft, wird sich kein Nachwuchs finden.

          Daher: Außendarstellung verbessern – Erfolge als solche herausarbeiten und herausstellen. Dazu gehört die aktuelle Situation zu reflektieren und Schwachstellen abzustellen. Auch eigene Probleme erkennen. Dafür braucht es jemanden, der sich hauptamtlich nur darum kümmert. Dies lässt sicher erfahrungsgemäß intern, innerhalb einer bestehenden Gruppe, in der sich die meisten ständig nur mit sich selbst beschäftigen und die sich wenn, dann nur untereinander austauschen, am allerwenigsten leisten.

          Dabei kann ein Blick von außen nicht schaden. Eine externe Person kann mit neutralem Blick auch mal Probleme erkennen, die man selbst nicht mehr erkennt (“Betriebsblindheit”). Dinge infrage stellen, über die sich schon lange keiner mehr Gedanken gemacht hat. Und dann an den betreffenden Stellen justieren, auch Hilfe und Unterstützung organisieren, wo es gerade klemmt. Nichts ist motivierender als der gemeinsame Erfolg.

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          1. Wir streiten hier grösstenteils nur um die Begrifflichkeiten. In den notwendigen Prozessen, stimmen wir fast überein. Schauen wir mal. Bei Debian gibt es viele gute Leute. Kommt Zeit, kommt Initiative.

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            1. Wir streiten hier grösstenteils nur um die Begrifflichkeiten

              Ich denke überhaupt nicht, dass wir streiten. Wir tauschen einfach Standpunkte und Meinungen aus. Das verstehe ich unter einem konstruktiven Diskurs. Und solange es so schön sachlich bleibt, ist doch alles gut. 😉

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            1. und das Ergebnis hat immer eine ausgesprochen hohe Qualität aufzuweisen.

              Ähem, Franziska? Diesen Satz habe ich nur zitiert!

              Abgesehen davon, ist der im Link zitierte Beitrag älter als zehn Jahre! Aber klar, das war sicher kein Ruhmesblatt für Debian. Zum Glück längst gefixt. Ein Grund mehr für besseres Produktmanagement (Stichwort Qualitätskontrolle).

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    3. Bessere Untersützung neuer Hardware, um zu vermeiden, dass User zu anderen Distributionen greifen müssen

      Debian selbst entwickelt so gut wie gar nichts um neue Hardware zu unterstützen. Die Arbeit wird meist von RedHat, SuSE, Intel und AMD gemacht und bezahlt.

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  3. Freie Projekte benötigen halt ab einer gewissen Größenordnung ein professionelles Produkt-Management und Marketing. Einfach mal neue Wege gehen, alte Zöpfe abscheiden. Die finanziellen Mittel scheinen da zu sein. So fehlt es scheinbar an der richtigen Umsetzung. Macht aus Debian ein “sexy” Produkt und es finden sich auch genügend Helfer. Es wäre auch kein Fehler, wenn Debian dahingehend Unterstützung von den Distributoren erhält, die direkt davon profitieren, wie z.B. Ubuntu (Canonical). Aber dann muss das Projekt auch dazu bereit sein, diese Hilfe anzunehmen.

    Ich muss dazusagen, dass ich keinen Einblick hinter die Kulissen des Debian-Projekts habe. Vielleicht steht es mir ja auch nicht zu und ich tue damit unrecht. Aber für mich als Außenstehenden lässt der Artikel diesen Schluss nicht unwahrscheinlich erscheinen. Vielleicht rüttelt der Vortrag von Projektleiter Jonathan Carter nun auch die richtigen Leute auf. Debian ist ein großartige Projekt, absolut wichtig und sehr bedeutend und ich wünsche mir, dass es bald eine positive Wendung nimmt.

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    1. Sobald du fürs Bug Fixing Geld bezahlst, werden weniger Bugs gefixt werden, weil dann jeder Geld dafür haben möchte und die freiwillige Arbeit stark zurückgehen wird.

      Ein Projekt wie Debian muss sein Geld klug und für Beständigkeit einsetzen.Das Geld darf nicht für nen kurzen Moment verbrannt werden.

      Deswegen ist die Investition in Serverinfrastruktur, wie bspw. stärkere Buildserver, ein Videotelefonieserver für Entwickler, ein Forum, ein Bug Reporting System, das per Browser erreichbar, sowie eine Online Editierfunktion für Code, mit anschließendem Build auf den Build Servern, ganz wichtig, denn so etwas baut man einmal auf und kann dann Jahre davon profitieren.

      Gibst du das Geld aber für Entwickler aus, damit die Vollzeit am Paketieren arbeiten, dann sind die nächsten zwei Releases zwar sicher gut und stabil, aber Bestand hat es keinen, da das Geld dann schnell verbrannt sein wird.

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        1. Das erleichtert das fixen kleiner offensichtlicher Bugs, Zahlendreher, korrigieren und ergänzen von Kommentaren, oder das erweitern oder verbessern von reinem Sprachtext, ohne groß den ganzen Code downloaden zu müssen.
          Es senkt also die Hemmschwelle, weil man nicht erst 10 Zentner schleppen muss.

          Die Wikipedia macht’s vor.

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          1. OK, für überwiegend Text leuchtet mir das ein (Wiki), für „echten“ Code kannst du ja auch nur die betreffende Datei runterladen – wenn es aber um richtige Änderungen geht, wäre es ja „ganz nett“, wenn man auch nur geprüften Code wieder eincheckt.

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  4. “…erscheint es mir unverständlich, warum Teams von Debian-Entwicklern komplexe Software-Sammlungen wie KDE Plasma auf unzureichender Hardware bauen…”

    Wenn eine Linxdistribution auf einem neuem PC gebaut wird, ist dann auch garantiert, das diese auf einem bspw. 15 altem System funktioniert? Die Rechner der Leute (Nur-Nutzer) alle Linuxneulinge (ältere Herrschaften, die mit DOS/Win-3.11 nach der Wende einstiegen und bis Win 7 mitliefen) in meinem Umfeld, sind zw. 8 und 16Jahre alt gewesen.

    Die derzeit letzte Linuxinstallation die ich auf einem Fremd-PC durchführte, war Linux Mint Cinnamon 19.x. Das Laptop war von 2010 mit i5 2xxx + nun 8GB RAM und SSD. Die 20iger LMC Version machte schon auf dem Gerät Probleme. (Grafik)

    KDE? Plasma? Vergesst es.

    Die Leute (Nutzer) wollen was einfaches, etwas das funktioniert.
    Office,Text und Bilder drucken, Audio/Video hin und wieder Skype.
    LXDE ehem. Lubuntu, XFCE und hin und wieder nun Cinnamon mit Mint.
    Cinnamon, ja Debian hat das auch. Aber wo sind die DEUTSCHEN Handbücher bei Debian, die man den Leuten mitgeben kann?

    Keine Werbung, aber sowas finde ich löblich:

    ————————–

    LinuxWelt Extra 3/2020 Linux Mint 20 – jetzt am Kiosk
    https://www.pcwelt.de/news/LinuxWelt-Extra-3-2020-Linux-Mint-20-jetzt-am-Kiosk-10879185.html

    …allen ein schönes Wochenende

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      1. Aha, Danke für die Info.

        Debian. User Manuals, jetz müsste man das nur noch in einfacher, verständlicher, nicht-IT-Sprache, als bebildertes Buch um die 19.-€ im Buchladen kaufen können. Das würde so manchem helfen.

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          1. Es ist im Grunde ganz einfach: Wer sich näher auf Linux einlassen will, nimmt Distributionen wie Debian, Arch, NixOS oder Bedrock (mit steigendem Schwierigkeitsgrad) und lernt dabei. Wer an der Oberfläche bleiben möchte und nur seinen Kram erledigen will, nimmt, Mint, Ubuntu oder andere eher unterstützende Distros.

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    1. Das Laptop war von 2010 mit i5 2xxx + nun 8GB RAM und SSD.

      Läuft hier butterweich mit 3GB und openSUSE Leap. Wer dieses Debian/Ubuntu/Mint- Zeugs aus ideologischen Gründen unbedingt haben will, der muss damit halt leben das es nicht vernünftig funktioniert.

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  5. Das Problem ist IMHO nicht ein Mangel an Entwicklern, sondern an Fokus. Was nützen 1000 Entwickler, wenn die meisten davon irgendwelche seltsamen Randgruppen-Pakete betreuen, die für Debian als Distribution eigentlich unbedeutend sind. Fedora hat nur ~200 Kernentwickler, aber die werkeln eben zu einem großen Teil an Dingen, die die Fedora als Distribution und Linux als Ökosystem voranbringen, während sich Debianer noch Jahre später sinnlose Querelen um Sytemd liefern. 

    Anstatt immer noch mehr Pakete hinzuzufügen, sollte man sich lieber mal fragen, inwiefern man als Distribution noch relevant ist bzw. welche Zielgruppe man wie ansprechen will und die Aktivitäten dann konsequent danach ausrichten.

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