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Fedoras verfehlte Nutzung von Red Hats MCP-Server

Ende Oktober hatte sich Fedora für die Tolerierung transparenter KI-Unterstützung entschieden. Im Fedora Magazine erschien dieser Tage ein Artikel darüber, wie man KI einsetzen kann, um sich »mit seinem Fedora-System zu unterhalten, um es besser zu verstehen und Hilfe bei der Fehlerbehebung zu erhalten!«. Das im Artikel beschriebene Werkzeug ist der linux-mcp-server von Red Hat. Was kann da schon schiefgehen?

Was ist ein MCP-Server?

MCP steht für Model Context Protocol und umfasst einen Satz von Tools, mit denen LLM-Clients interaktiv mit Linux-Systemen interagieren können. Entwickelt wurde MCP Ende 2024 von Anthropic.

MCP-Server fungieren als standardisierte Vermittler zwischen KI-Anwendungen wie Chatbots oder Agenten und externen Systemen oder Diensten. Er stellt Funktionen bereit, die ein KI-Modell aufrufen kann, wie etwa Dateisysteme lesen oder Datenbanken abfragen. Ein LLM kann mit vielen unterschiedlichen MCP-Servern sprechen, ohne für jeden neu trainiert oder speziell angepasst zu werden. Anstatt Terminalausgaben manuell an einen Chatbot weiterleiten zu müssen, ermöglicht der linux-mcp-server dem LLM, Systeminformationen und Protokolleinträge direkt abzufragen. MCP ist ein offener Standard; die Server können entweder mit Open-Source-lizenzierten LLM-Modellen oder mit gehosteten proprietären LLM-Modellen eingesetzt werden. 

Im Artikel werden mehrere Fragen an das LLM gerichtet, die Fehler oder Probleme in einer Fedora-Installation beschreiben. So etwa die Frage nach der Suche nach Fehlermeldungen in den Logs des Systems wegen eines unzuverlässigen WLAN-Chips. Die Fehlermeldung ist schnell gefunden und besagt, dass der Treiber versucht, einen RX-Puffer für die Hardware in die Warteschlange zu stellen, was jedoch mit errno ‑28 fehlschlägt. So weit – so gut, hätte man vermutlich genauso schnell über eine Journalctl-Abfrage herausgefunden.

Es folgen Befehle zum weiteren Debugging und anschließend Befehle zum Beheben des Fehlers. Einige der Befehle sind unklar oder schlicht falsch. So heißt es etwa:

 See if 'ath12k_pci_disable_fast_rx' or similar is already set.

Aber wie mache ich das? Sinnvollerweise sollte der Befehl so lauten:

cat /sys/module/ath12k_pci/parameters/ath12k_pci_disable_fast_rx
If the answer is 1, the parameter is enabled.

Aber es kommt noch schlimmer. Bei den Maßnahmen zur Behebung lauten die ersten beiden Befehle:

sudo apt update && sudo apt upgrade linux-firmware
sudo apt upgrade linux-image-$(uname -r)

Das dürfte auf einem Fedora-System schwierig werden. Als Rechtfertigung antwortet die Autorin einem Kommentator, dass man das ja schnell merken wird, dass das nicht geht.

Auch die anderen Beispiele sind nicht besser. Der Prompt, um zu klären, wie viel Platz das System wo belegt, ist über 100 Wörter lang, die Antwort des LLM noch viel länger. Installiert man dagegen ein Tool wie gdu, erspart man sich die Tipperei und hat in drei Sekunden eine übersichtliche Antwort.

LLMs sind eine fehlerhafte Lösung, die verzweifelt nach einem Problem sucht. Sie gehören nicht in Fedora.

Kommentar zum Artikel

Das scheint der Artikel zu bestätigen, und die Antworten der Autorin auf Fragen sind eher von der Art »Ja, aber«. Ich gehe nicht so weit, zu sagen, dass LLMs nichts in Fedora oder generell in Linux zu suchen haben, aber mit diesem Artikel tut sich Fedora bestimmt keinen Gefallen.

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6 Kommentare

  1. Überschrift und Inhalt vom Artikel laufen etwas auseinander: Das MCP wird genutzt und scheint zu funktionieren, nur das drangeklemmte LLM liefert schlechte Antworten.
    MCP hat Potential, auch wenn ich mir aus Datenschutzgründen nur eine Nutzung mit einem lokalen LLM vorstellen kann…

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  2. Wow, was ein negativer Artikel. Es klingt genau so wie die negativen Kommentare unter dem Artikel im Fedora Magazin.

    Wenn ihr KI nicht nutzen wollt, lasst es und ignoriert einfach auch Boogposts zu dem Thema.

    Das eine KI apt vorschlägt ist ähnlich einem falschen Tipp in einem Forum. Kann passieren.

    Ich hatte den originalen Artikel schon vor diesem hier gelesen und meine Einschätzung war, ist wohl noch eine Beta Version. Als wenn alles andere immer perfekt und Fehlerfrei wäre.
    Unglaublich.

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    1. Das Thema KI kann man nicht mehr ignorieren und sollte man auch nicht. Meine anfängliche Euphorie ist verflogen und am Horizont tun sich graue Wolken aufziehen. Heute sind es die Speicherchipspreise die durch die Decke gehen und morgen dann Massentlassungen. Das wird uns bald alles um die Ohren fliegen.

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      1. Da ist sie wieder, die alte Laier.
        Als die Eisenbahn ihren Siegeszug antrat, PC’s massentauglich wurden, das Internet groß wurde und und und…
        Die Vorhersagen, insbesondere der Massenarbeitslosigkeit, wurden stets klammheimlich beerdigt.
        Klar, wohl viel Licht,…
        Reine Technikgläubigkeit habe ich trotzdem nicht und ein gesunder Menschenverstand ist auch nicht ungesund.

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