GoboLinux mit Awesome Fenstermanager

GoboLinux – der etwas andere Ansatz

GoboLinux gehört mit seinen 23 Jahren zu den Urgesteinen der Linux-Distributionen und ist trotzdem nur einem kleinen Kreis von experimentierfreudigen Anwendern bekannt. Das liegt vermutlich daran, dass GoboLinux den seit 1993 von den meisten Distributionen genutzten Filesystem Hierarchy Standard (FHS) neu gedacht hat.

Aus der Zeit gefallen

Eigentlich entstand der FHS in der frühen Unix-Zeit, als Dennis Ritchie und Ken Thompson 1969 der Platz auf einer heute vergleichsweise winzigen 512-KByte-Festplatte ausging. Also musste eine zweite Festplatte gleicher Größe her. Auf der ersten Platte musste sich alles Nötige im Zugriff befinden, um beim Booten /usr einhängen zu können. Das führte dazu, dass sich Verzeichnisse wie /bin, /lib und /sbin sowohl direkt unter der Wurzel als auch noch einmal unter /usr fanden. Diese längst überflüssige Komplexität löste sich erst in jüngster Zeit durch die Umsetzung des Usrmerge bei den Distributionen etwas auf.

Anderer Ansatz

Im Jahr 2003 wurde nicht nur GoboLinux ins Leben gerufen, auch die Reise von NixOS wurde auf der Basis des Paketmanagers Nix begonnen. Gemeinsam ist beiden, dass sie den herkömmlichen FHS ablehnen und eigene Wege gehen. Während sich beim Einsatz des FHS die Dateien installierter Anwendungen über das gesamte System verteilen, finden sich bei GoboLinux, wie auch bei NixOS alle Teile von beispielsweise Firefox in einem gleichnamigen Unterverzeichnis wieder.

Ein Unterordner trägt die Versionsnummer, sodass mehrere Instanzen einer Anwendung oder einer Bibliothek nebeneinander installiert sein können. Somit wird das Dateisystem selbst zum Paketmanager. Das Zusammenspiel aller Komponenten wird über Symlinks und das optionale Kernel-Modul GoboHide realisiert und garantiert damit die vollständige Kompatibilität mit der traditionellen Linux-Dateisystemhierarchie.

Mit Rezepten backen

Ähnlich wie beim AUR von Arch werden Pakete bei GoboLinux über Rezepte gebaut. Seit der Vorversion 017 liegen diese Rezepte in einem Repository auf GitHub und werden von dort in das Verzeichnis /Data/Compile/Recipes/ geklont.

Nachdem es seit der Veröffentlichung GoboLinux 017 vor fünf Jahren ruhig geworden war, erschien mit GoboLinux 017.01 gerade eine neue Version. Die Veröffentlichung geht Hand in Hand mit der Übergabe des Staffelstabs von Gründer Hisham Muhammad an den Nachfolger Philip Pok, der ab jetzt die Geschicke von GoboLinux lenken wird.

GoboLinux 017.01

GoboLinux 017.01 dient im Wesentlichen dazu, das Projekt auf den neuesten Stand zu bringen und bestehende Fehler zu beseitigen. Es verwendet weiterhin den Awesome Window Manager als visuelle Basis. Ein zweites Point-Release in diesem Jahr will die Basispakete aktualisieren und weitere Fehler beseitigen. So ist beispielsweise bekannt, dass in einer VM der Bootloader eine MBR-Partitionstabelle benötigt, da ein Aufsetzen mit GPT/UEFI fehlschlägt. Wer sich GoboLinux anschauen möchte, findet die aktuelle Version als Live-Medium mit Installer auf der Downloadseite des Projekts.

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