Vor wenigen Tagen ging die Meldung durch die Presse, dass der unabhängige Browser Ladybird von Andreas Kling mit Chris Wanstrath, einem der Gründer von GitHub, einen Sponsor gefunden hat, der mit einer Million US-Dollar in das Projekt einsteigt. Auch wir haben darüber berichtet.
Unpolitisches Projekt
Auf GitHub stellt Kling Richtlinien für eine Beteiligung am Projekt unter dem Titel Contributing to Ladybird bereit. Darin heißt in einem Absatz unter dem Titel On ideologically motivated changes:
Dies ist ein rein technisches Projekt. Als solches ist es kein geeigneter Ort, um für eure persönlichen, politischen oder religiösen Überzeugungen zu werben. Alle Änderungen, die ideologisch motiviert erscheinen, werden abgelehnt.
Das und die Tatsache, dass im Git des Projekts ein Repository mit der Bezeichnung master existiert, rief offensichtlich einige Social Justice Warrior auf den Plan, die glaubten, ein weiteres Ziel für ihre Agenda gefunden zu haben und daraufhin auf Mastodon eine wahre Hetzjagd entfachten. Die Aktivisten gruben zudem einen Commit von vor drei Jahren aus, der in der Dokumentation an einer Stelle im Sinne inklusiver Sprache aus dem Personalpronomen he ein they machen wollte. Der Commiter hatte vorher nie etwas zum Projekt beigetragen, weswegen Kling den Commit als politisch motiviert ablehnte. Er sagt im Nachhinein, er würde heute vermutlich anders entscheiden.
Aus dem Ruder gelaufen
Die Kampagne begann mit Aussagen auf Mastodon, die Entwickler von Ladybird seien »frauenfeindliche und transphobe Arschlöcher«. Darauf folgten Kommentare wie »Technisch und damit unpolitisch zu sein, ist nur eine andere Art zu sagen, man sei mit dem Unterdrücker verbündet.« Für Thom Holwerda, den Betreiber von OSNews.com reichte das aus, die Berichterstattung über Laydybird einzustellen und die bereits veröffentlichte News über den neuen Sponsor zu entfernen. Danielle Foré, die treibende Kraft hinter elementary OS schrieb auf Mastodon: »Stellen dir vor, du versuchst, ein erfolgreiches Softwareprojekt ohne queere Menschen aufzubauen. Mit was für einem Talentpool arbeitest du da?«.
In die rechte Ecke wird Kling vom Podcaster Joe Ressington gestellt, wenn dieser schreibt: »Es ist eine Schande, dass die einzige Hoffnung, die wir auf eine neue Browser-Engine haben, von einem “No-Politics”-Typen, der das Sagen hat, beschmutzt wird. Es ist keine Überraschung, dass die rechtsextremen Linux-Leute voll dabei sind. Wir werden in den LNL-Sendungen nicht darüber berichten.« Wie kommt man bitte zu solch einem verzerrten Weltblid?
Es nimmt langsam überhand
Interessant ist, dass Personen mit den gleichen Pseudonymen erst kürzlich im NixOS-Projekt versuchten, Personen zu entfernen, die den Trans-Gedanken nicht glaubhaft genug vertreten. Einem Red Hat Entwickler gefiel die Ausdrucksweise des Entwicklers des Windowmanagers Hyprland nicht, woraufhin er ihn von jeglicher Beteiligung am Free-Desktop-Projekt rigoros ausschloss. Bei NixOS steckt mehr dahinter, interessant ist aber, dass die gleichen Personen sich jetzt auf Ladybird stürzen, wo es nach meiner Meinung keinen Grund für diese Anschuldigungen gibt. Auch auf Reddit wurde der »Fall« zum Anlass für längst erledigt geglaubte Diskussionen genutzt.
Bärendienst?
Warum nehmen diese Aktivisten an, dass jeder nach ihrer Façon glücklich werden muss und geben sich ziemlich militant, wenn das Gegenüber damit nicht konform geht? Ich glaube nicht, dass der LGBTQ-Bewegung damit in irgendeiner Weise gedient ist, eher im Gegenteil. Ich habe meine Meinung zu dieser art des Aktivismus bereits vor Jahren kundgetan, als die Debatte um Master und Slave auf ihrem Höhepunkt war. Ich achte alle Menschen gleichermaßen, muss das aber nicht vor mir hertragen, schon gar nicht in technischen Projekten. Jetzt seid ihr dran.

Und da sind sie wieder: die Fremdbetroffenen SJWs, die Weltverschwörungsherbeifasler, die handverlesenen DDR-Verfolgten und all die anderen Spinner, die anderen Menschen Privilegien unterstellen, die ihnen angeblich entzogen wurden/werden/geworden sein werden, für die man auch in diesen Tagen schlicht und ergreifend selber mal etwas tun müsste – und wenn dieses Tun auch nur den Leitspruch “sapere aude!” bedienen würde…
Und die vorgebliche Pseudounterprivilegiertheit löst sich natürlich sofort in Luft auf, wenn man Begriffe austauscht. Schneeflöckchen aller Länder vereinigt Euch!
Irgendwer möchte einem Projekt also die Legitimität absprechen, weil es sich nur um technische Fragen kümmert und nicht woke sein möchte? Dann forkt es doch, ihr Heuchler! Lest mal nach, was FOSS bedeutet. Tipp: Richard Stallmann hat das sehr gut erklärt.
Ach nee, dessen Leben ist ja bereits von den Selbstgerechten ohne Rücksicht auf die Faktenlage vernichtet worden.
Sind das wirklich unsere dringendsten Probleme auf diesem Planeten?
Ich schließe mit den Worten Hagen Rethers: “Warum müssen Zivilisationen immer so infantil werden bevor sie abkacken?”
Die Meinung, dass sich nur Betroffene gegen mögliches Unrecht wehren sollten, ist extrem dumm. Das sollte Dir klar werden, wenn Du auch nur fünf Minuten darüber nachdenkst. Ich würde Dir empfehlen, das zutun, anstatt dermaßen prätentiöse Kommentare zu verfassen.
Ständig ist man empört, betroffen und bestürzt. Das, was man nicht schreibt oder sagt ist ebenso falsch wie das gesagte oder geschriebene Wort.
Aus “Ich esse gerne Pizza beim Italiener.” wird “Er hasst (z.B.) Griechen!!!”
Es nervt nur noch, das ständig jeder seine Extrawurst für seine persönliche Kentwelt haben muss – gerne mit sehr extremen Methoden.
Sollen alle mal klarkommen. Gibt viel zu viele Onlineanzeigenhauptmeister.
Es ist wirklich gruselig, solche Dinge zu lesen. Zugegeben, die Quellen habe ich jetzt nicht geprüft, vertraue an dieser Stelle jedoch der Seriösität von linuxnews.
Bin ich in den Augen solcher Aktivisten automatisch homophob, nur weil ich keine Mütze im Regenbogen-Muster tragen will? Bin ich ein Befürworter von Krieg und Tod, nur weil ich kein Shirt mit einer Friedenstaube trage? Bin ich ein russischer Spion, nur weil ich mir keine Ukraine-Flagge an die Hauswand hänge? Bin ich ein Tierquäler, nur weil ich am Grillabend gerne eine Bratwurst esse?
All das würde ich persönlich mit “Nein” beantworten.
Ich möchte nicht provokant klingen, aber das was ich in dieser Richtung mittlerweile erlebe, grenzt für mich bereits an Fanatismus. (Siehe Duden, Zitat: “rigoroses, unduldsames Eintreten für eine Sache oder Idee als Ziel, das kompromisslos durchzusetzen versucht wird”)
Die Diskussion über Master-Repositories konnte ich damals noch irgendwie nachvollziehen, auch wenn ich damals nur mit den Augen gerollt habe. Gut, wurde halt akzeptiert und umgesetzt, ein paar Skripte angepasst und Punkt. Aber das hier? Das schlägt für mich echt dem Fass den Boden aus.
Wer nicht ebenfalls die (Regenbogen-)Flagge schwingt, ist automatisch dagegen und wird als “Feindbild” abgestempelt? Hatten wir das in der deutschen Geschichte nicht schonmal? *hust hust*
Der Kulturkreis, der sich gemeinhin “der Westen” nennt, schafft sich gerade selbst ab. Durch kleinkarierte Diskussionen und aufdringliches, gespieltes Gehabe werden, verlagert sich der Fokus:
Das Ergebnis ist sinkende Produktivität und eine geringere Arbeitsbeiligung.
Währenddessen sitzen Millionen von Programmierern in Indien, Pakistan, China, Indonesien, VAE vor ihren Rechnern und schreiben guten Code. Da nicht alles Open Source ist, spielt das schon eine Rolle.
Die Folgen sehen wir ja deutlich überall: der neue Golf fährt nicht richtig wegen der Software. IT-Probleme machen die Bahn noch miserabler als sie ohnehin schon ist und im Amt bekommt man keinen Termin um seinen Führerschein zu erneuern – wo man mit dem alten aus Papier über 30 Jahre unfallfrei unterwegs war.
Danke für diesen Artikel – meine volle Zustimmung zum Fazit.
Derlei selbstgerechte Kreuzzüge um Nichtigkeiten, die m.E. ausschließlich der Selbstdarstellung der Protagonisten dienen, sind einer der Hauptgründe, weshalb ich mit der sog. Community in den letzten Jahren immer weniger anfangen kann. (Auch wenn das Phänomen “Cancel Culture” natürlich nicht exklusiv dort zu finden ist, habe ich an die FOSS-“Community” bezüglich der Devise “Leben und leben lassen.” eigentlich höhere Ansprüche als an den Durchschnitt der Gesellschaft.)
Das finde ich traurig und würde es als dem “öffentlichen” Druck geschuldet betrachten.
Das ist nicht nur traurig, das ist des Pudels Kern. Eine kleine Minderheit, und die gehört ganz bestimmt keiner Regenbogenfraktion an, versucht die Mehrheit zum Schweigen und zur Aufgabe zu zwingen. Wie geschieht das:
Der Kommunismus – und zu einem gewissen Teil auch die andere Diktatur, die wir hier in Deutschland hatten – waren genaus so.
Wir sehen hier glasklar Herrschaftsmethoden. Im Gegensatz zu den beiden anderen Diktaturen zeigt sich hier der Feind nicht offen, was aber natürlich nicht heißt, daß er nicht da war.
PS: “Wasserträger” wie die LGBxyz Gemeinde (d.h. die das System unbewußt unterstützen ohne dazu zu gehören) nannte Lenin in seiner Schrift “Was tun?” (es kann auch “Die große Initiative” gewesen sein – ist schon zu lange her) “Nützliche Idioten” – die nach der Revolution zu liquidieren seien. Bei Lenin waren es die bürgerlichen Intellektuellen. Das kann man alles noch einmal nachlesen.
@Conrad Beckert
Sehr treffend beschrieben. Das ist ja das Hauptproblem, an dem unsere Gesellschaft zugrunde geht. Eingeführt wurde es heimlich still und leise von der FDJ-Sekretärin A.Merkel, die in der SED sozialisiert wurde. Sie hat bei den beiden Erichs gelernt, wie sowas gemacht wird. Erstmal die Medien übernehmen, dann Andersdenkende verunglimpfen und ausschalten.
Einzig die Inhaftierung haben wir noch nicht, alles Andere kann man jeden Tag beobachten…
Sehr traurig, wie unser Land den Bach runtergeht…
“Worte sind erst mal nur Worte, bis jemand etwas hinein interpretiert”
Anlass war ja erst einmal das Wort “master” und hineininterpretiert wurde, dass es dann zwangsläufig auch einen slave geben müsse, was aber bei git gar nicht relevant ist, zumal es sich bei der Benennung von technischen Dingen auch nicht um Menschen handelt, die damit (ab)klassifiziert werden sollen. (Hier wurden zwei völlig verschiedene Ebenen gleichgesetzt was zwangsläufig in der Kommunikation Verwirrung stiften muss.)
Ein Meister hat sein Können erst selbst erlernen müssen und es steht jedem frei diesen Titel in seinem eigen Fach mit viel Arbeit auch selbst zu erlangen. ( Dass das Wort master auf US-amerikanischen Baumwollfeldern eine ganz spezielle soziologische Bedeutung erfahren hat, das muss man auch nicht zwangsläufig miteinander teilen.)
Von humanistischen Standpunkt aus sind alle Menschen gleich berechtigt sich das Menschsein gewaltfrei und ohne Unterdrückung miteinander zu teilen und das völlig unabhängig vom jeweiligen gesellschaftlichen Stand, Hautfarbe, Alter, Geschlecht, sexueller Orientierung, Identität und politischer Meinung.
Jetzt kann man sich auf die Fahne schreiben die Welt verbessern zu wollen und glauben sich auf einem höheren moralischen Standpunkt zu befinden um andere in ihrem Umgang miteinander zurechtweisen zu müssen.
Moral ist aber keine Moral wenn sie nicht dazu genutzt wird sich selbst unter die gleiche Maxime zu stellen. Ansonsten handelt es sich dabei lediglich um recht üble Doppelmoral.
Jemand der seinem Gesprächspartner nicht höflich gegenüber tritt um sein Anliegen ruhig und sachlich zu erklären und stattdessen seinem Gesprächspartner das Menschsein abspricht indem er ihn mit Totschlag-Titulierungen wie Nazi oder Antisemit traktiert missachtet sein Gegenüber und beweist damit lediglich, dass er es mit dem Respekt das Anderen nicht wirklich ernst meint.
Mehr als auf irgendwelche “gut gemeinten” moralischen Standpunkte kommt es eben tatsächlich auf das gelebte Miteinander an und eine Kommunikation die das jeweilige Gegenüber respektiert.
Dazu gehört auch, den Standpunkt des anderen als sein Standpunkt zu respektieren auch wenn man ihn nicht teilt und dem demjenigen auch selbst die Entscheidung darüber zu überlassen ob er diesen Standpunkt denn ändern möchte oder nicht. Dies zu erreichen, dazu verlangt es Verständnis für den anderen und Argumente und Geduld (kommt von Duldung) aber eben keinen Totschlag.
Was das Forum hier auf LinuxNews angeht, so gibt es Kindereien die sich der eine oder die andere auch mal abgewöhnen könnte.
Zum Beispiel:
“Ich finde das und jenes super toll und das ist sowieso das aller Beste überhaupt und das einzige im Universum” – könnte man doch einfach mal als eine subjektive Meinung so stehen lassen. Das braucht keine Erwiderung.
Die Antwort darauf: “Du bist doof und ein Troll und überhaupt was willst du hier immer wieder damit…” – ist eine Herabwürdigung und die kann man sich dann auch wirklich schenken.
Das mündet dann nur in ein unendliches: “Aber du bist auch doof” ect.pp.
Wenn man was sachlich dagegensetzen möchte, dann lässt man die subjektive Meinung eine subjektive Meinung sein und setzt seinen eigenen subjektiven Standpunkt dagegen, indem man klarstellt, dass es sich dabei auch nur um den persönlichen Standpunkt handelt. Z.B.: “**Ich** finde, dass nicht, denn …weil,… **mir** geht anders damit, weil…
Jedenfalls kommt man gegen einen pauschal behaupteten Unsinn nicht dadurch an, indem man pauschaliert kontert. Ein pauschal geäußerter Unsinn ist mit einem einzigen Menschen der etwas anderes denkt schon entkräftet genug.
Im Übrigen bin ich der Meinung, dass man es sich auch schenken kann andere zu überzeugen, wenn man nicht gewillt ist höflich mit einander zu reden.
Was soll ein Austausch denn bringen wenn man den anderen gar nicht verstehen möchte, denn dann hat man auch selbst gar nichts davon.
Ferdinand, ich frage mich, was dich dazu getrieben hat, diesen Artikel mit diesem Text zu veröffentlichen.
Gerade erst hat Stefan den Artikel “Das Wort am Sonntag: Unsere Kommentare” veröffentlicht, und nun bewirkst du mit deinen letzten Sätzen genau das, was Stefan kritisierte. Nämlich eine Diskussion, die vom eigentlichen Thema völlig abdriftet.Schade um LinuxNews.
Soll sowas besser verschwiegen werden?
Nein, Aber anders schreiben.
Ich bezog mich besonders auf deine letzten Sätze.
Ich bezog mich besonders auf deine letzten Sätze.
Und hatte den Aufwand im Blick, den du (und Stefan) ja eigentlich vermeiden wolltest.
Die Kommentarfunktion, so verstehe ich sie jedenfalls, soll ja gerade dazu da sein, den Meinungsaustausch zu fördern. Die gegenwärtige Diskussion empfinde ich als sehr gehaltvoll und, wenn ich das sagen darf, dann wohl auch genau richtig im Sinne der Erfinder.
Abgemahnt wurden lediglich herabsetzende Äußerungen und die vielen völlig gehaltlosen Variationen von “du bist doof”. Die in der Summe eine Belästigung darstellen.
IMHO
Der Artikel beschreibt leider extreme Tendenzen, die nicht nur in der Open Source Community zu finden sind. Auch in den bekannten Social-Media-Kanälen. So etwas darf nicht verschwiegen werden. Wenn sogenannte Aktivisten ihre Sichtweise, ihre Interpretation von “demonstrativer Thementreue” ins Extreme, bis hin zum exzessiven Dogma stilisieren, dann wird daraus eine ideologische Diktatur. Das führt nicht weiter. In keiner Weise. Nicht für diejenigen, die meinen, es bis zum militanten Aktionismus treiben zu müssen, und schon gar nicht für alle Open-Source-Projekte. Wenn wir, die User im weitesten Sinne, wenn wir das zulassen, dann könnte aus diesen (gemeinnützigen) Projekten ein in sich kollabierendes Chaos werden. Das wiederum würde allen Hackern in Trollfabriken und kriminellen Strukturen Tür und Tor öffnen.
Das ganze Thema ist schon drei Jahre her. Es jetzt wieder aufzuwärmen zeugt von viel Langeweile in der Sommersaison und ist von allen Seiten her kontraproduktiv.
Wow, was es alles gibt… Ich muss gestehen, für mich hier in der Provinz ist das alles ziemlich abstrakt oder zumindest “weit weg”. Im Prinzip müsste ich den Kommentar hier beenden, einfach um nirgends anzuecken.
Aber ich gehe “das Risiko” (welches keines ist) mal ein. Voruteilsfrei, egal auf welcher Ebene, ist wohl niemand. Das, was ich hier noch als schwarzen Humor durchgehen lassen würde, wird an anderer Stelle ganz sicher jemandem sauer aufstoßen. Damit muss und kann ich klarkommen.
Wofür ich aber keine Verständnis habe, ist diese “konstruierte Empörtheit”. Egal bei welchem Thema, es gibt immer diese Menschen mit “seht her, ich bin etwas besonderes, also behandelt mich gefälligst besonders!”. Das ist im Prinzip genau das, was ich in das Zitat von Stefans Freund hineininterpretiere. Und das sehe ich “für die Sache” auch eher als schädlich denn nützlich an.
Die “Pronomen-Diskussion”, wenn ich das mal so nennen darf, ist mir aber einfach zu unwichtig (Shitstorm incoming?). Es gibt gesellschaftliche Themen, die sind in meinen Augen wichtiger als das. Und auch bei einem Softwareprojekt, egal ob komerziell oder nicht, geht es doch eigentlich zu allererst um die Software, oder nicht? Ich als nicht-Betroffener habe da aber vermutlich leicht reden, wer sowas schon länger “aushalten” musste, hat da sicher ein ganz anderes Verständnis für. Dafür fehlt mir (zum Glück!) aber die Erfahrung.
Full ACK, genau das war gemeint! Ihr wollt gleichbehandlung/gleichstellung? Okay, dann lasst euch aber auch nicht »besonders« hofieren. Das sollte auch mein Meme hier in den Kommentaren verdeutlichen (natürlich überspitzt dargestellt).
Wer seinen Hass auf »transphobe Arschlöcher« im Internet ausleben will, sollte seine private Hetzjagd auf die Protagonisten von RT und Sputniknews richten.
Hier speziell an dieser Stelle mag es eventuell sein, dass da Aktivist*innen über die Stränge schlagen. Aber angesichts der viel zu häufigen Diskriminierungsfälle, insbesondere auch gegenüber Frauen und einer weit verbreiteten toxischen Bro-Mentalität in der durch Männer dominierten IT-Welt, wirkt die Aussage “Ich achte alle Menschen gleichermaßen, muss das aber nicht vor mir hertragen, schon gar nicht in technischen Projekten.” von einem weißen Mann, der selbst in seinem Leben wohl herzlich wenig bis gar keine systematische Diskriminierung erfahren hat, schon etwas unreflektiert.
Das kommt einer Generalabrechnung gleich, denn es spricht jedem “weißen” ab, genau diese Haltung zu haben wie Ferdinand sie geäußert hat. Oder kennst Du ihn persönlich und hast diesen Eindruck aus dem Kontakt mit ihm gewonnen?
Wenn alle Vertreter der Spezies Mensch gleich sind, dann haben auch alle die gleichen Schwächen, unabhängig davon wo oder als was sie geboren wurden.
Auch wieder so eine ignorante Haltung. Es geht nicht darum ob alle Menschen gleich sind, sondern ob sie alle gleich behandelt werden. Und das weiß man doch wohl dass dies absolut nicht der Fall ist. Schau Dir z.B. mal den Film Hidden Figures an, wie rassistisch diskriminiert schwarze Frauen ursprünglich bei der NASA behandelt wurden. Sprich mal mit Frauen die Informatik oder dergleichen studieren/studiert haben, wie oft die erleben, dass sie im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen nicht mit gleichem Respekt behandelt werden, wie oft sie sexuell belästigt werden oder dergleichen. 9 von 10 Frauen haben schon mal in ihrem Leben sexuelle Belästigung erfahren, bei Frauen in männlich dominierten Umfeld passiert das wesentlich intensiver. Die Welt ist immer noch klar patriarchal geprägt. Gerade aktuell erleben wir ein massives Aufbäumen der Reaktionären, die Frauen ihre Selbstbestimmung absprechen wollen und massiv gegen die LGTBQ-Community hetzen. Das Thema Gendern wird von der politischen Rechten wesentlich mehr thematisiert, um von ihrem Versagen in vielerlei Hinsicht abzulenken und statt dessen Hass anzufachen. Auch Migranten erleben wieder vermehrt Hass. Immer mehr hochqualifizierte Menschen aus anderen Ländern wollen bewusst nicht in Deutschland arbeiten und leben, weil sich der steigende Rassismus langsam rumspricht. Und in solchen Zeiten stumpf Neutralität zu fordern ist schlichtweg Ignoranz gegenüber eindeutig bestehenden Problemen fordern. Wir können gerne darüber diskutieren, wie man mit den Problemen umgeht. Aber so eine Aussage wie “Ich achte alle Menschen gleichermaßen, muss das aber nicht vor mir hertragen, schon gar nicht in technischen Projekten.” geht halt leider schon genau in Richtung Ignoranz. Und ja, es ist nun einmal Fakt, dass die allermeisten weißen Männer keine Ahnung haben wie es ist systematisch diskriminiert zu werden, weil weiße Männer in dieser Welt nun einmal die privilegierteste Gruppe sind, soweit sie nicht schwerbehindert oder offener Teil der LGTBQ-Community oder Juden sind.
Ich bin Vegetarier. Zählt das auch? Spaß beiseite. Du hast in deiner Zustandsbeschreibung der Gegenwart vollkommen recht. Ich sehe nur nicht wie he/him vs they/them oder die Master/Slave-Diskussion oder das in meinen Augen unsäglich sprachzerstörende Gendern die Welt auch nur ein kleines bisschen besser machen. Da bleib ich lieber ignorant, sorry.
Situationsbedingt, kannst Du wohl unter Umständen als Vegetarier auch schon diskriminierende Anfeindung erleben. Aber das ist natürlich was anderes als das was Frauen, LGTBQ-Personen oder Migranten erleben.
Und sorry, aber Gendern zerstört erstens nicht die Sprache nicht, sondern erweitert diese allenfalls. Zumal es ja eben nicht nur eine Form des Gendern gibt. Reaktionäre hängen sich nur all zu gern am Genderstern auf, dabei kann man Gender-Neutrale Sprache auch so gestalten, dass man z.B. statt Studenten Studierende sagt. Und doch das macht die Welt ein bisschen besser. Entsprechende Studien haben klar belegt, dass die Dominanz von Männern und die Diskriminierung von Frauen in manchen Berufsfeldern auch direkt mit durch die verwendete Sprache verursacht wird. Das generische Maskulinum führt eben dazu, dass man häufig nur oder zumindest überwiegend dann an Männer denkt. Wenn man kontinuierlich Frauen in der Sprache ganz selbstverständlich direkt mit anspricht werden sie auch viel eher ganz selbstverständlich mitgedacht und fühlen sich Frauen in diesen Bereichen auch wohler bzw. sind eher bereit dort auch Berufe zu ergreifen. Das ist wissenschaftlich belegt und kein links-grüner Mythos oder so.
Davon mal ab, wird die Diskussion um das Gendern gerade von Gegner*innen des selbigen in der Regel viel aggressiver und unsachlicher geführt. Schauen Sie sich mal die Reden und Anträge in den Parlamenten zu dem Thema an. Das meiste kommt da von den Reaktionären. Auch haben wir in keinem einzigen Bundesland eine Pflicht zum Gendern, aber dafür inzwischen in mehreren ein konkretes Verbot!
Aber dass es schlichtweg notwendig ist, das Verhältnis zwischen Männern und Frauen usw. definitiv nach wie vor diskutiert und das Bewusstsein für Probleme geschärft werden muss, zeigt gerade der Admin Stefan hier, der allen Ernstes völlig realitätsfern behauptet, dass wir schon längst vollständige Gleichstellung hätten und ein Meme postet, dass trans Personen sich angeblich völlig zu unrecht diskriminiert fühlen und nur rumheulen würden. Das ist ein klares Beispiel von den Leuten in dieser Gesellschaft die null Reflektion üben, ihre privilegierte Stellung in der Gesellschaft schlicht nicht wahrhaben wollen und im stumpfen Trotz auch noch um sich schlagen.
Und hier an der Stelle muss ich tatsächlich passen. Das ist mir zu einseitig. Vielleicht soll es ein bisschen polarisieren, sei’s drum, aber so schwarz und weiß ist es einfach nicht.
Ich kenne einige Frauen, die (mehr oder weniger) wortwörtlich sagen “Gendern? Brauche ich nicht! Ich bin weiterhin Ingenieur der Elektrotechnik, solange ich dasselbe bezahlt bekomme, wie meine männlichen Kollegen.”
Man verzeihe mir die Ausdrucksweise, aber da wird ein Sch*iß drauf gegeben, ob es nun Ingenieur oder Ingenieurin heißt…
Sprache entwickelt sich durch die Benutzung in der Gesellschaft, nicht durch Weisung von Oben.
Wir reden ja hier nicht von einer kleinen Rechtschreibreform, die ja übrigens auch schon heftig diskutiert wurde und sich erst langsam durchgesetzt hat, was aber keine Auswirkung auf die gesprochene Sprache und z.B. den Lesefluss hat (ausser für absolute Verteidiger der alten Rechtschreibung).
Beim Gendern wird aber eine von oben aufgezwungene Änderung eingeführt, die sich sowohl auf geschriebene, als auch gesprochene Sprache auswirkt. Aufgrund einer Befindlichkeit einer Minderheit, die vermutlich davon noch nicht mal betroffen ist. Achtung: damit möchte ich natürlich nicht die in manchen Teilen noch mangelhafte Gleichstellung der Geschlechter verteidigen, aber nur durch ein paar sprachliche Regelungen wird sich dadurch gesellschaftlich nichts ändern.
Abgesehen davon bin ich persönlich der Meinung, dass die deutsche Sprache genug Möglichkeiten bietet, “neutral” zu sprechen und zu schreiben, ohne dass es durch “harte” Schriftzeichen und Einfügungen noch extra deutlich gemacht wird.
Noch ein eher flapsiger Kommentar: mein Kater beschwert sich ja auch nicht, wenn ich von den “Katzen” rede. Und ich sag ja auch, ich geh zum Arzt, auch wenn ich bei einer Ärztin vorspreche (und je nach Vertrautheit sag ich dann auch “Frau Doktor”).
Wenn ich morgens die Zeitung studiere, bin ich Studierender, ohne dass ich immatrikuliert sein muss…
Wenn ich nicht gendern mag, weil ich eine andere Meinung vertrete, z.B. dass gendern grammatikalisch falsch ist und das viel zitierte generische Maskulinum nur eine sprachliche Regel ist und mit dem Geschlecht nichts zu tun hat (siehe andere Sprachen), bin ich dann ein Reaktionär?
Bin ich ein Faschist, weil ich ab und zu ein Wurstbrot esse?
Es gibt Menschen, die sich so äussern und damit die ganze Sache in Diskussion in Misskredit bringen, m.b.M.n..
Der letzte Satz sollte heissen:
Es gibt Menschen, die sich so äussern und damit die ganze Diskussion in Misskredit bringen, m.b.M.n..
This. Als ebenfalls betroffene Person schieße ich mich dem an.
Ich bin da etwas in der Mitte. Ich heiße militante Aktivisten nicht gut, dennoch wird ein intensiver Aktivismus benötigt.
Unabhängig davon geht die Art der Rede-Kultur einfach so 0. Der Entwickler könnte gegebenenfalls etwas Aufklärung und Ruflektion verkraften. Aber nicht auf militante Art.
Ebenso empfinde ich es als Unding zu sagen “…die zerstören alles an Akzeptanz was wir über Jahre aufgebaut haben…” wenn es offensichtlich noch immer nicht reicht um 100% Gleichgestellt zu sein.
Über eigene Subkulturen herzuziehen und somit den Rückhalt einzureißen… man schadet sich dadurch nur selbst…
100% Gleichstellung haben wir. Ich darf heiraten, arbeiten, hab keine separate Toilette und überhaupt. Alles was jetzt noch oben drauf kommen würde, wäre eine “Besserstellung”, das kann nicht sein.
Zur aktuellen gesellschaftlichen Entwicklung fällt mir nur das ein: https://ibb.co/ncBZNF7
Wir haben allenfalls eine rechtliche Gleichstellung, aber im Alltag gesellschaftlich umgesetzt ist die noch lange nicht. Es gibt nach wie vor statistisch belegt den Gender-Pay-Gap. Frauen leisten absolut überwiegend immer noch unbezahlt die Care-Arbeit in unserer Gesellschaft und erleben dadurch horrende Nachteile. Und Dein Meme ist schlichtweg zynisch während trans Personen und sonstige Mitglieder der LGTBQ-Szene immer wieder Gewalt erfahren und massiv gemobbt werden, was teilweise soweit geht, dass sie deswegen den Suizid wählen, wenn sie nicht gar direkt durch körperliche Angriffe getötet werden.
Für mich (männlich, 44) ist es ziemlich einfach: Alle Menschen sind für mich erstmal gleich, und ihr Handeln und Wirken machen dann den Unterschied aus. Welche sexuelle Orientierung, Religion, Geschlecht oder was sonst noch vorhanden ist, ist mir egal. Denn die Menschheit hat eines bewiesen: Egal, welches Etikett du vor her trägst, am Ende sind alle gleich schlecht oder gut.
Ja, es ist nicht alles zum Besten mit der Menschheit und dem Miteinander. Dennoch hat sich sehr vieles zum positiven verändert (und muß sich weiterentwickeln), der Wandel braucht aber seine Zeit und ist eine Frage von nachfolgenden Generationen, die wieder anders denken als die vorherige.
Der Gesetzgeber kann nur den Rahmen schaffen, das entsprechende Denken und Handeln kann er aber zumindest in einem demokratischen Rechtsstaat nicht erzwingen. Und in einer vermeintlich immer komplexer werdenden Welt haben es dann wieder die Schreier in der Gesellschaft einfach, die einfache Lösungen propagieren und durch Ausgrenzung und Anfeindung auffallen. Von der dadurch vorhandenen Eskalation von physischer Gewalt ganz zu schweigen.
Lasst uns einfach selbst Tag für Tag vorleben wie wir es gerne hätten, ohne Hass oder Gewalt oder andere negative Ausprägungen!
“Mehr” als eine rechtliche Gleichstellung darf es auch nicht geben, denn das würde ja bedeuten, daß jeder Mensch gleich sein müßte und wenn er das partout nicht sein will, gleich gemacht werden soll. Weil ich das nicht will, bin ich von meinem Dorf nach Berlin gezogen.
Aber du kennst den Menschen nicht und nimmst einfach Umstände an. Diese Annahmen sind bei jedem Menschen anders.
Ich habe nach öffentlichen Profilen des Autoren gesucht und diese auf LinkedIn und Xing gefunden. Und da präsentiert sich ein weißer, älterer Mann, ohne ein Anzeichen, dass er zur Gruppe der Schwerbehinderten, der LGTBQ-Community oder den Juden gehört. Und daher ist die Wahrscheinlichkeit, dass er systematische Diskriminierung auch nur annähernd so erfahren hat, wie sie viel zu viele Frauen, Migranten, trans Personen usw. erleben, sehr gering.
Was genau ändert es deiner Meinung nach an der Legitimation des Wunsches “Software von allen Beteiligten nach rein technischen Gesichtspunkten zu entwickeln.” wenn er z. B. Behindert, Jude, LGTBQ-Angehöriger oder einfach “nur” ein “Weißer Hetero Atheist” ist?
Ich frage, weil ich dein Denken nicht verstehe.
Das frage ich mich allerdings auch. Heutzutage kommt leider gleich die “Rechts/Nazi/Whatever”-Keule, sobald man sich zu etwas äußert, ohne selbst betroffen zu sein.
Man schaue sich das aktuelle Top-Kommentar an, hätte ich das ohne den Zusatz (30 und homosexuell) gepostet, wäre ich vermutlich geschlachtet worden. Es braucht (leider) Mitglieder dieser Minderheiten, die sich dazu äußern.
Softwareentwicklung kann eben nicht rein technisch sein. Es ist ein Prozess zwischen Menschen, von Menschen für Menschen mit Menschen. Selbst Software von KI entwickelt, basiert auf menschlichen Vorurteilen, weil sie auf menschlichen Erfahrungen und Verhalten basierend trainiert wird. Da ist auch immer ein sozialer, zwischenmenschlicher Anteil gegeben. Ich gehe davon aus, dass Dein Verständnis daran scheitert, dass Du das nicht siehst oder vielleicht auch nicht sehen willst.
Das ist der gleiche Mist, wie wenn Leute fordern, dass man doch Politik und Moral aus dem Sport halten soll, während Sport schon immer politisch war und als Tugend in der Moral benutzt wurde. Und diese Forderungen kommen dann meist auch von den Leuten, die nationalistische Gesänge aus dem Fanblock bei Länderspielen oder sexistische, moralisierende Ansprachen, dass sich Männer doch gefälligst nicht wie Mädchen verhalten sollen, für völlig normal erachten.
Ich stimme dir zu, aber du hast meine Frage nicht beantwortet.
Doch habe ich. Der Wunsch ist halt Unsinn, weil er faktisch unerfüllbar ist. Software kann man nicht nach rein technischen Aspekten entwickeln. Dafür müssten Menschen zur absoluten Objektivität befähigt sein und in einem Raum komplett frei von jeglicher Diskriminierung agieren und beides ist faktisch unmöglich. Alle Menschen agieren subjektiv. Wenn Menschen miteinander agieren ist dieser Prozess ganz grundsätzlich nie rein technisch sondern auch immer sozial und beeinflusst von Vorurteilen, sozialen Erfahrungen usw..
Wer fordert Software rein nach technischen Aspekten auszuüben kann vielleicht durchaus gute, idealistische Motive haben, agiert aber letztendlich doch faktisch ignorant.
> Wer fordert Software rein nach technischen Aspekten auszuüben kann vielleicht durchaus gute, idealistische Motive haben, agiert aber letztendlich doch faktisch ignorant.
Das war nicht die Frage. Aber belassen wir es dabei.
Und weil man nicht mit den entsprechenden Tags hausieren geht, fehlt einem dann automatisch die entsprechende Sensibiltät für Diskriminierung?!
Ich mag nicht zu den aktuellen Opfergruppen von systematischer Diskriminierung gehören, das bedeutet aber nicht, dass mir das entsprechende Verständnis dafür fehlt und ich mein Handeln demnach ausrichte.
Letzten Endes ist es doch genau das, was die Menschheit braucht: Mehr echte Empathie für andere!
“Warum nehmen diese Aktivisten an, dass jeder nach ihrer Façon glücklich werden muss und geben sich ziemlich militant, wenn das Gegenüber damit nicht konform geht?”
*WEIL* es vermutlich gar nicht diese Aktivisten sind, sondern genau das Gegenteil. Rechte Hetzer, die Stimmung gegen genau diese Aktivisten machen wollen.
Jan
Wäre eine Möglichkeit, deren kunstvollen Umsetzung von beiden Seiten vortrefflich beherrscht wird.
Leider…
War schon immer die beste Argumentation, den Gegenüber einfach zu einem rechten Hetzer zu erklären.
“Du willst keine Neopronomen in deiner Software? Rechter Hetzer!”
“Du denkst es gibt zwei Geschlechter? Scheiß Nazi!”
Es ist einfach nur noch ermüdend.
Fast könnte man auf die Idee kommen, dass “Aktivisten” von Tech-Konzernen bezahlt werden damit Open Source Software weniger Chancen hat.
Nein, du hast mich falsch verstanden. Ich meine es genau anders herum. Ich sehe das jeden Tag und bei vielen Gelegenheiten. Im Netz (und im Moment fast nur dort) – werden Dinge aufgegriffen, um die sich im Alltag auf der Strasse keiner schert und völlig umgedreht. Beispiel:
Zu Weihnachten hätte die Fr. Schwesig aus MeckPom gesagt, man solle die Weihnachtsbeleuchtung abstellen um die Muslimen im Lande nicht zu erzürnen.
Das hat sie natürlich nie gesagt oder gefordert. Das haben “Rechte Hetzer” gestreut, um die Aufregung der Bürger auf zu heizen und gegen demokratische Politker (i.dF. gegen Frau Schwesig) – zu hetzen. Im Fall des Browsers kann ich mir vorstellen, dass die Aktivisten diesen Blödsinn gar nicht gepostet haben.
btw: Microsoft, Adobe & Co sind ganz sicher keine Freunde von Open Source und tun *alles* um den Status Quo zu behalten -siehe Limux und viele andere Projekte.
bfo
Schon möglich Jan, das es nur eine “False Flag” Aktion von Rechten ist.
Man weiß es halt nicht.
Und ich selber kann als “alter weißer Mann” der dazu auch noch seit 46 Jahren einer ex Randgruppe (Heavy Metal Scene) angehört sagen, das ich nur weil ich immer noch mit meiner Metal Kutte rumlaufe, von solch falsch verstandenen Aktivisten direkt als Frauenfeind und Schwulenhasser beschimpft würde, ohne das ich überhaupt etwas gesagt habe.🙄
Was vergleichbares ist mir zuletzt Mitte der 80’er passiert, als die Eltern eines Klassenkammeraden im BGJ erklärten, das er keinen Umgang mit mir haben darf, weil ich ja ein böser gewalttätiger Rocker und wohl auch Teufelsanbeter wäre, weil ich ja diesen Kranken Krach höre, und so rumlaufe (Kutte).
Du siehst es gab und gibt nicht nur in der quer Scene Ausgrenzung und Vorurteile.
Die schließlich in Diskriminierung enden.
Ich bin froh das es in der Metal Scene in der Zwischenzeit für einen Musiker möglich ist sich zu outen, ohne das dieses automatisch seine Laufbahn beendet.
Das war zugegeben nicht immer so.
Und ich finde es auch traurig, das es mit der Toleranz anscheinend in unserer Gesellschaft wieder bergab geht.
Das sind meine zwei Cent dazu.
“Und ich finde es auch traurig, das es mit der Toleranz anscheinend in unserer Gesellschaft wieder bergab geht.”
Jeden tag ein bisschen mehr (ist wie mit der Erderwärmung). Bis es dann irgendwann einmal kracht.
Letztens habe ich gelesen: “Nie weider ist *jetzt*” – wer ein gewisses Alter hat (und du gehörst wohl dazu), der weiss was damit gemeint ist. Dazu stehe ich ebenso.
B
Krachen tut es doch jetzt schon, ich sage nur Ukraine.
Und Nie wieder ist *jetzt* trifft hier auch zu, den derjenige der dafür verantwortlich ist, und seine Spießgesellen, sind von gleichen unseligen Geist besessen, wie der Gestörte von 1933 hier in DE.
Wenn man dem nicht jetzt Einhalt gebietet, macht der dann beim nächsten Staat weiter.
Ich glaube nicht, dass ich mit einem der Hauptakteure befreundet sein könnte, aber die /Haupt/verantwortlichen (und Profiteure) sitzen vielleicht nicht dort, wo Du hinschaust (dieser Krieg läuft seit mindestens 10 Jahren).
Ich (30 und Homosexuell) kann den Entwickler nachvollziehen, so etwas hat in Software nichts zu suchen. Worte sind erst mal nur Worte, bis der Leser etwas hereininterpretiert.
Eine kleine laute (zumeist nicht mal betroffene) Minderheit, die versucht mehr Akzeptanz durchzudrücken. Da kann ich immer nur einen „Alt-Schwulen“ (55) Freund von mir zitieren:
Ich halte mich hier bewusst in der Mitte auf. Ich empfinde beide Seiten als falsch.
Die Art der Rede-Kultur geht einfach so 0. Der Entwickler könnte gegebenenfalls etwas Aufklärung und Ruflektion verkraften, wenn er sich seiner Privilegien wirklich nicht bewusst ist (das weiß man halt nicht). Aber nicht auf militante Art.
Ebenso empfinde ich es absolut notwendig weniger Moderat aktivistisch zu sein (NICHT MILITANT!) wenn es offensichtlich noch immer nicht reicht um 100% Gleichgestellt zu sein. Denn nur 20,30,40,50…% reichen nicht. Auch wenn es ein großer Erfolg ist und Anerkannt werde muss was die Menschen erreicht haben.
Aber ich als ebenfalls in den 30ern und betroffener, empfinde es als viel zu wenig Akzeptanz als dass ich mich wirklich frei fühle.
Wie so oft, die Art und Weise ist der schlüssel. Und das militante geht so 0, jedoch das “sanfte” in unserer modernen Welt empfinde ich als ebenfalls zu wenig, weil wer es jetzt noch verteufelt … tja… das möchte ich nicht vertiefen…
Wie frei und gleichgestellt willst du denn sein? Du wirst nicht verfolgt, darfst deine Meinung frei äußern und selbstbestimmt deiner Orientierung nachkommen. Was wäre denn dieses Extra-Plus was dir zu den 100 % fehlt?
Bei meinem letzten Check durfte ich heiraten (mit Steuervorteilen), arbeiten, wählen und habe die gleiche Toilette wie die anderen. Gesellschaftlich werde ich lediglich nach meiner Leistung und “kein A-Loch” sein bewertet.
Keinerlei Gewalt. Keinerlei Verfolgung. 100% Schutz und Rückhalt bei den genannten Dingen vom Staat gegenüber den Individuen die es auslösen.
Und immer so weiter. Wenn ich Angst haben muss auf der Straße sind es keine 100%.
Eine Newsroll der letzten Wochen spare ich mir an der Stelle. Momentan gehen viele mit einem unguten Gefühl auf die Straße. Das ist aber kein reines LGBT Problem/Männlein-Weiblein, sondern ein allgemeines.
https://dejure.org/gesetze/StGB/185.html
https://dejure.org/gesetze/StGB/223.html
Das Einzige, was ich halbwegs anerkennen kann, ist der Gender-Pay-Gap. Hier muss man aber sagen, so weh es auch tut: Man sollte sich nicht für jeden Preis hergeben. Man weiß natürlich bei Vertragsunterzeichnung, was man bekommen wird und kann entsprechend reagieren. Wer sehenden Auges ins Messer rennt, sollte danach nicht schreien.
Bei dem Personal, das ich führe, gibt es kein Gender Pay Gap. Lediglich die Leistung zählt. Natürlich gibt es da draußen unter den Chefs noch einige Betonköpfe, die werden sich aber auch umschauen, wenn die Leute dort mal aufhören würden, Arbeitsverträge zu unterschreiben. Am Ende ist jeder seines Glückes Schmied.
Das ist ok und akzeptiere ich.
Dennoch würde ich sagen, dass hier durchaus bereits eine privilegierte Position existiert,
Denn die “Angst” ist nicht speziell seit dem (deine Quellen) in meinen Kreisen. 😉
Mir geht es einfach darum, dass gesehen wird dass das was du bereits hast noch nicht überall existiert und somit keine 100% sind.
Ich freue mich für dich dass du dich sicher und akzeptiert fühlst. Andere haben das Glück noch nicht.
Ja und nein, es ist kompliziert. Zum größten Teil stimmt es aber, ich bin sehr privilegiert unterwegs. Ich bin einfach ich, sowohl privat wie geschäftlich, keiner hat damit ein Problem. Ich bin aber auch niemand, der mit einem Regenbogen-Neon-Leuchtschild durch die Gegend rennt.
Dem stimme ich zu, überall haben wir das bisher nicht. Die Frage ist warum? Das was ich aus allen Ecken mitbekomme, ist das müde sein durch eben militante Justice Warrior. Die Leute haben einfach die Schnauze voll. Die Ablehnung geht dann aber meist nicht gegen die Person als solches, sondern gegen das Themenspektrum an sich.
Was ist denn deine Angst? Körperliche Gewalt? Anfeindung? Seit wann ist sie?
Angst ist sehr individuell und kommt auch immer drauf an, welcher Typ man ist und wie dick das eigene Fell ist. Auch die Selbstdarstellung spielt immer eine Rolle. Mein Motto seit eh und je:
Wie gesagt, ist ok. Freue dich über dein Glück, projiziere dieses aber nicht auf andere aus dem Spektrum und erwarte, dass diese dann gefälligst glücklich sein sollen.
Ich finde sehr schade dass in einem solchen Dialog unterschwellige Unterstellungen existieren. Und das sogar unter “Leidensgenossen”. Was mich wieder zu meinen ersten Gedanken führt, die Subkultur zerlegt sich selbst… weil die eine Seite denkt “ihr habt doch alles” und das für sie vielleicht so ist, für die andere halt nicht.
Die Ängste müssen nicht weiter erläutert werden. Sie sind da. Seit vielen Jahren. Und aus diesem Grund gehen die Aktivisten noch immer auf die Straße.
Alleine dieser Dialog schürt die Ablehnungsgefühle anderer Spektren, denn es gibt eben nicht nur Hetero – und Homosexuell.
Solche Unterhaltungen gehören nicht hier her, speziell auf dieser Ebene. Ich habe vieles erst verstanden als ich mich von Angesicht zu Angesicht unterhalten habe, die Ängste regelrecht greifen konnte während erzählt wurde.
Ich würde mir für dich wünschen, solche Gesprächspartner zu finden. Wirklich.
Sei stolz auf dein Privileg, gönne ich dir aus vollsten Herzen. Würde mich gleichzeitig weniger Angriffe wünschen und mehr Offenheit, wie es die diverse Gemeinde propagiert. 🙂
Damit beende ich das hier jetzt auch, da es sich im Kreis dreht.
MfG
Keinerlei Gewalt wünschen sich viele Menschen, nicht jede Gewalt passiert aus dem Grund, weil es gegen Minderheiten geht. 100% Schutz gibt es wie für jeden anderen auch nicht, geht auch nicht.
Bei der Angst auf der Straße muß ich an einen Freund denken, der, Zitat “stockschwul” ist (ich mag den Begriff weniger, weil ich ihn abwertend empfinde, bin aber hetero unddlieg da vielleicht falsch): er hat jedenfalls auch Angst auf die Straße zugehen, sagt aber gleichzeitig, daß die gefühlte Bedrohung aus einem anderen Kulturkreis kommt. Wenn er recht hat bedeutet dies, daß Du sich da nichts ändern wird, da Du folglich nur zwischen homophob und islamophob wählen kannst, zumindest was die Verurteilung von einem selber betrifft, nicht wie man wirklich denkt.
Was heute fehlt, ist die Selbstverständlichkeit.
Ich bin in den 1970ern aufgewachsen und es war egal, wo jemand her kam, wie er sich sexuell orientierte und wie er oder sie halt waren, man verlor kein Wort darüber, es war halt so…
Heute habe ich oft das Gefühl, dass sich “Aktivismus” überwiegend im Internet und vorm Rechner abspielt, dass es auch keine großen Diskussionen mehr gibt, in denen man sich einigt.
Man peitscht halt sein Weltbild vor sich her und (in Teilen) Andersdenkende werden diffamiert.
Ich weiß zu Beispiel nicht, warum jemand rechts sein soll, nur weil er oder sie das Gendern nicht mag.
Und mit der permanenten Belehrung der Leute erreicht man u.U. etwas anderes, als was man sich erhofft hat…
Es wurde kein Wort darüber verloren? Sexistische und rassistische Witze waren der Alltag. Gastarbeiter wurden an den Rand der Gesellschaft verdrängt und aktiv daran gehindert sich ordentlich zu integrieren und heute jammert man aus den daraus resultierenden Parallelgesellschaften. Was Sie hier betreiben ist romantisierende Vergangenheitsverklärung komplett an der Realität vorbei.
Ich kann dir aus eigener Anschauung und Erfahrung sagen, dass der Großteil der ausländischen Mitbürger zumindest in Berlin damals (70er) nicht integriert werden wollten.
Doch, sie waren es. Die überwiegende Mehrheit war in den Arbeitsmarkt integriert oder betrieb eigene Geschäfte, hielt sich an die Regeln und war der deutschen Sprache mehr oder weniger mächtig. Das ist heute anders – gerade in den Brennpunkten – Kotti oder Hermannplatz.
Das war für mich keine wirkliche Integration. Jedoch stimme ich dir zu, dass es gravierende Unterschiede zu heute gibt.
Was wäre dann eine wirkliche Integration? Wann wäre ich als Sachse in Berlin “wirklich integriert” – wenn ich nur noch Bulletten esse oder mich in Aussehen und Weltanschauung an das vorherrschende Bild anpasse? 🙂 Eine freie Gesellschaft zeichnet sich dadurch aus, daß ein hoffentlich weit gefaßter rechtlicher Rahmen gesteckt ist, den jeder für sich ausfüllen kann wie er will. Der Alte Fritz hatte es hier eingeführt – moderne Inkarnationen von ihm werden sich heute eher am Golf finden als bei uns.
Die Super- Woken – wie im Artikel – wollen ja auch nur solange DIversität solange alle so sind wie sie. Dieser Rahmen wurde in den letzten Jahren immer enger und damit das Land immer kleinkarierter,spießiger und muffiger – viel schlimmer als das Dorf wo ich ursprünglich herkomme.
Es geht mir nicht darum, dass alle so sind wie wir. Wie sind wir überhaupt? Ich habe damals viel Einblick auch in hauptsächlich türkische und auch einige arabische Familien gehabt. Die Integration endete meist an der Wohnungstür. Drinnen herrschten klar Sitten und Gebräuche der Heimat. Es gab in Kreuzberg/Neukölln Gemeinschaften, die aus dem gleichen Dorf stammten und so auch in Berlin lebten. Die deutsche Sprache wurde teils abgelehnt, obwohl einige der mir damals Bekannten Stände auf dem Markt hatten. Selbst hier bei mir im kleinen Templin gibts beim türkischen Grünhöker Zuwanderer aus den 70er Jahren, die bis heute nur ein paar Brocken Deutsch können. Das schreibe ich alles ohne jegliche Wertung, ich kann mit denen auch so gut umgehen.
Ich kann nur von mit und meinem Umfeld schreiben und das war nicht in der bürgerlichen Mitte angelegt. Wir waren selbst Aussenseiter mit unserer Lebensweise und hatte öfter Ärger mit den “Normaldenkenden”.
Aber das führt zu weit.
Früher wie heute waren die Doofen das Problem und die werden m.M.n. immer aggressiver.
Ich habe über 30 Jahre im Frankfurter “Regenbogenviertel” gearbeitet und kann mich nicht an irgendwelchen Ärger erinnern, außer in den letzten, vielleicht zwei Jahren.
Da hat man öfter von homophoben Übergriffen gelesen, aber wenn man schreibt, aus welcher Ecke das kommt, wird man als ausländerfeindlich hingestellt…
Gefühlt wird alles immer toxischer . Vernünftige Konversatioen oder auch Diskussion werden immer seltener ,leider ! Viele scheinen ihr eigenes Weltbild über das der anderen zu stellen . Und es ist wie mit allem , wer fehler suchen will , der wird auch fündig . Und zur not werden einzelne Kommentare zerflügt und falsch dargestellt . Toleranz und ein miteinander nimmt leider immer mehr ab . Was sehr schade ist , gerade bei Linux verstehe ich es allerdings über haupt nicht . Open Source auf der HDD , aber OpenMind leider nicht . Was mich am meisten nervt und zum plötzlich passiven Teil einer eigentlich tollen Community werden ließ ; die immer gleichen sinnlosen Diskussion die wirklich jedem aus dem Hals hängen . Denn warum sollte die Meinung von Person A wichtig sein , wenn sie doch besagte Software nicht einmal einsetzt . Da lobe ich mir doch die alten Foren , wo alles schön sortiert war und jeglicher Troll Versuch gelöscht wurden ! Deswegen halte ich mich gezielt von Micro Blogger Seiten fern und verfolge aktuell nur diese Seite und GNU/Linux.CH
Ich hoffe allerdings das das Projekt nicht durch sowas komplett aus der Bahn geworfen wird und trotzdem seinen weg geht , denn alternativen sind immer gut und spornen alle dazu an nicht still zu stehen und sich auf den alten Lorbeeren auszuruhen !
Und danke ans Team für eure tollen Beiträge. Bin zwar eher der Typ passiver Mitleser ,aber freue mich , durch Euch für mich sehr interessanten Themen informiert zu werden .
Grüße
Ich denke nicht, dass das Projekt Schaden nimmt. Ich finde aber die Tendenz der Häufung solcher Angriffe sehr bedenklich.
Sehr treffend beschrieben aber entspringt leider dem heutigen Zeitgeist.
Wenn man die Fähigkeit hat einen nüchternen Blick auf die Dinge zu werfen so entgeht einem nicht das hier gezielt politisch motivierte und sich iterierende Vorgänge stattfinden.
“Wer Sie dazu bringt, Absurditäten zu glauben, kann Sie auch dazu bringen, Gräueltaten zu begehen.” VOLTAIRE, französischer Philosoph und Schriftsteller (1694-1778)
Ich mag verdammen was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzten, dass du es sagen darfst.Dieser Satz wird anscheinend immer wichtiger, aber leider haben jene Leute die früher in diese Richtung gingen, eine deutliche Umkehr gemacht.