Die meisten Distributionen setzen heutzutage auf systemd als Init und als zentralen System- und Diensteverwalter. Selten kommt es vor, dass eine Distribution nach Jahren mit systemd auf ein anderes System umschwenkt.
Die kleine, aber feine Distribution KaOS ist gerade dabei, genau das zu tun, indem sie von systemd zu Dinit zuwechselt, einem kleinen Init-System, das bereits von Chimera Linux und eweOS verwendet wird und bei Artix und antix als Alternative im Angebot ist. Die Entwickler von KaOS begannen erste Tests mit Dinit Mitte 2025, jetzt liegt mit KaOS 2026.06 RC ein erstes Ergebnis in Form eines Release-Kandidaten vor.
Hauptgrund: das Split-/usr-Problem
systemd 254 vom Juli 2023 war die letzte Version, die das von KaOS verwendete split-/usr-Layout vollständig unterstützte. Als dann auch noch AUFS-Support in neueren systemd-Versionen wegfiel, war für die Entwickler klar, dass KaOS ein neues Init-System benötigt. Beim Split-/usr-Layout liegen Binaries und Bibliotheken, anders als beim UsrMerge noch klassisch aufgeteilt auf /bin, /lib, /sbin (direkt im Rootfs) und /usr/bin, /usr/lib im Dateibaum.
systemd hat den Split-/usr-Support schrittweise aufgegeben, weil Lennart Poettering den UsrMerge seit Jahren als Voraussetzung für ein sauberes, modernes Linux-System betrachtet und den Wartungsaufwand für das alte Layout nicht mehr aufrechterhalten will.
Eigene Wege
KaOS dagegen schwimmt gerne mal gegen den Strom und hat das Split-Layout bewusst beibehalten. Die KaOS-Entwickler argumentieren: Wenn man einfach den Vorgaben von systemd folgt wie alle anderen Mainstream-Distributionen, gibt es keinen Grund mehr für eine Distribution, die bisher immer eigene Wege gegangen ist.
KDE bindet sich stärker an systemd
Die Entwickler bemerkten außerdem, dass KDE stärker an systemd gebunden wird. Tools wie DrKonqi und der Plasma Login Manager setzen inzwischen systemd voraus. Ein systemd-freies System mit vollständig unterstütztem Plasma zu betreiben, wurde als zunehmend schwierig eingestuft. Daher hat KaOS bereits im Frühjahr mit 2026.02 KDE Plasma nach über 12 Jahren als Standard-Desktop fallen gelassen und ist auf Niri + Noctalia gewechselt.
KDE dementiert
KaOS hat mit der Aussage »Plasma wird systemd bald zwingend voraussetzen« allerdings eine etwas überspitzte Begründung geliefert. KDE hat das auf Reddit deutlich dementiert. Der Plasma Login Manager sei einer von etwa einem halben Dutzend Login-Managern, die Plasma starten können. Distributionen, die kein systemd wollen, können weiterhin SDDM oder andere Login-Manager verwenden. KDE werde zudem niemals eine andere Plasma-Komponente von systemd abhängig machen.
Aktueller Stand
Das KaOS 2026.06 RC ISO nutzt jetzt Dinit, zusammen mit dem Session- und Login-Tracker Turnstile und dem Session-Daemon seatd für den Systemstart. Vollständig systemd-frei ist KaOS aber noch nicht: systemd-udev und tmpfiles sind weiterhin im Einsatz, und elogind wird noch für polkit benötigt.
Der Release Candidate KaOS 2026.06 RC steht auf der Webseite zum Download bereit. Das KaOS 2026.03 ISO steht noch als Alternative mit systemd bereit.

Dass es weitere Gründe als das split-/usr-Layout gibt um auf systemd gibt ist ja bekannt. Neben der Abkehr vom Unix Ansatz zu konzentrieren, also dem Verzicht auf Modularität , gehen damit die Umstellung auf binäre Log-Dateien, eine potentiell höhere Verletzlichkeit durch den höheren Funktionsumfang einher. Der aus meiner Sicht wichtigste Punkt ist, dass mittlerweile so viele Kernkomponenten von Linux auf systemd ausgelegt sind, so dass es für Distributionen oder Nutzer extrem schwierig, ein alternatives Startsystem zu verwenden. Was systemd eine Monotpolstellung gibt und großen Unternehmen mehr Einfluss auf das Linux-Ökosystem verschafft. Dass es Platin Mitglieder der Linux Foundation gibt, bei denen nicht alle Buchstaben in FLOSS Priorität haben, ist ein offenes Geheimnis.
Als sich das Debian Projekt 2019 für systemd entschied, habe ich das Thema nicht durchdrungen, seither begleitet mich diesbezüglich aber ein mulmiges Gefühl.
Sehr gut, ich finde die Entscheidung ganz gut.
Ist dann kein Einheitsbrei wie bei anderen Distributionen.
Echt jetzt, ein anderes Init-System weil man das alte und völlig unnötige split-/usr-Layout beibehalten will?
Eigene Wege zu gehen, ist prinzipiell ja nicht verkehrt, aber dann bitte neue Konzepte entwickeln und ausprobieren. Wenn hier wieder nur ein wahnsinniger Aufwand betrieben wird, um überholte Dinge irgendwie am Leben zu halten, dann ist das IMHO nicht wirklich produktiv.
Zusammen mit dem Wechsel der Desktopumgebung wirkt das eher so, als ob man krampfhaft versucht irgendwas anders zu machen, weil man nicht wirklich weiß, wer KaOS benutzen soll.
Wenn man es nicht schafft die kindliche Trotzhaltung abzulegen wird anders sein zum Selbstzweck.
“Echt jetzt, ein anderes Init-System weil man das alte und völlig unnötige split-/usr-Layout beibehalten will?”
Wo ist da was veraltet?
Es gibt super init-systeme die hoch modern sind. Es muss nicht der Krake systemd sein.
Es kann auch ein ganz sauberes init-System sein.
“…weil man nicht wirklich weiß, wer KaOS benutzen soll.”
Sieht mir eher danach aus, dass man hier etwas entwickelt, dass man dann auch selbst benutzen will.
Vorreiter für die jeweils neue QT/KDE Version zu sein, ist lange nicht mehr so aufregend wie vor 13 Jahren und die Unverträglichkeit von systemd mit dem split-/usr-Layout dürfte auch nur der Anlass dazu sein, die Krake über Bord zu schmeißen und spannende neue Wege zu gehen.