Pünktlich zum 30. Geburtstag des KDE-Projekts erscheint heute Plasma 6.8. Die neue Version der Desktop-Umgebung bringt Verbesserungen bei der Barrierefreiheit, bei Bildschirmaufnahmen, Fernwartung und Systemüberwachung. Die wichtigste Änderung findet allerdings unter der Haube statt: KDE verabschiedet sich nach fast drei Jahrzehnten von der eigenständigen X11-Sitzung und setzt vollständig auf Wayland.
Wayland wird zur einzigen Option
Bereits im November 2025 hatte das KDE-Team angekündigt, mit Plasma 6.8 die Unterstützung für X11-Sitzungen einzustellen. Damit fällt beim Anmelden die bisherige Wahl zwischen Plasma (X11) und Plasma (Wayland) weg. Anwendungen, die noch das ältere X11-Protokoll benötigen, können weiterhin über Xwayland ausgeführt werden. Lediglich die Desktop-Sitzung selbst setzt künftig zwingend auf Wayland.
Für die Mehrheit der Anwender dürfte die Umstellung kaum Auswirkungen haben, da Wayland bei vielen Distributionen bereits seit längerer Zeit als Standard dient. Problematisch kann der Wechsel allerdings dort werden, wo ältere Software, spezielle Eingabegeräte oder bestimmte Arbeitsabläufe auf Funktionen des X11-Servers angewiesen sind. Mit der Entscheidung für Wayland only möchte KDE die Entwicklungsressourcen auf eine einzige Display-Architektur konzentrieren, was langfristig die Wartung vereinfachen und die Entwicklung beschleunigen soll.
Verbesserungen bei Bedienung und Barrierefreiheit
Unter Systemeinstellungen → Zugangshilfen → Verweilklick lässt sich eine neue Funktion aktivieren, die im Original »Dwell Clicker« heißt und automatisch einen Mausklick auslöst, wenn der Zeiger für eine einstellbare Zeit stillsteht. Bewegungsschwellwert, Verzögerungs- und Verweildauer sowie die Farbe der visuellen Rückmeldung lassen sich individuell anpassen. Auch das Scrollen über die mittlere Maustaste wird flexibler: Statt die Taste dauerhaft gedrückt zu halten, lässt sich der Scrollmodus alternativ durch einen Klick aktivieren und wieder deaktivieren.

Die Systemeinstellungen lassen sich künftig auch über englische Suchbegriffe durchsuchen, wenn die Oberfläche in einer anderen Sprache verwendet wird. Zudem können Autostart-Einträge vorübergehend deaktiviert werden, ohne sie vollständig löschen zu müssen.
Bildschirmaufnahmen und Fernwartung
Auch das Screenshot-Tool Spectacle erhält eine praktische Erweiterung. Bei Bildschirmaufnahmen kann das Programm jetzt neben dem Bild auch Ton aufzeichnen. Als Quelle stehen das Mikrofon, die Systemausgabe oder beide gleichzeitig zur Verfügung. Zudem hat KDE die Qualität der Videoaufzeichnungen verbessert und die Darstellung bei hohen Bildwiederholraten optimiert.

Der integrierte RDP-Server zur Fernwartung unterstützt nun eine bidirektionale Zwischenablage. Texte und andere Inhalte lassen sich damit in beide Richtungen zwischen lokalem und entferntem Rechner übertragen. Darüber hinaus kann Plasma die Sitzung automatisch sperren, sobald der letzte RDP-Client die Verbindung beendet. Verbesserungen bei der Übertragung sollen bei schlechten Netzwerkverbindungen die Latenz reduzieren.
Systemüberwachung und technische Neuerungen
Der Systemmonitor erlaubt es nun, Prozessen bestimmte CPU-Kerne zuzuweisen. Diese als CPU-Affinität bezeichnete Funktion war bislang hauptsächlich über Kommandozeilenwerkzeuge wie taskset zugänglich. Zudem kann der Systemmonitor die Belegung des Grafikspeichers künftig auch prozentual darstellen.
Mit kscreenctl führt KDE ein neues Kommandozeilenwerkzeug zur Bildschirmkonfiguration ein, das langfristig kscreen-doctor ersetzen soll und die Definition eigener Bildschirmmodi und Timings erlaubt.
Auch am Fenstermanager KWin wurde gearbeitet. Fenster von Anwendungen wie Steam oder Discord, die ihre Fensterdekoration selbst zeichnen, können automatisch Schatten, Rahmen und abgerundete Ecken erhalten. Das neue Designsystem Union macht ebenfalls Fortschritte und kann in seiner technischen Vorschau inzwischen auch klassische QtWidgets-Anwendungen wie Dolphin und Kate gestalten. Für den produktiven Einsatz gilt Union allerdings noch nicht als ausgereift.

Optimierungen unter der Haube
Neben den sichtbaren Neuerungen enthält Plasma 6.8 zahlreiche Korrekturen und kleinere Optimierungen. KDE hat unter anderem den Speicherbedarf des Update-Hintergrunddienstes von Discover reduziert, den Startvorgang beschleunigt und den Grafikspeicherbedarf des Breeze-Designs gesenkt. Auch Fehler bei der Fernwartung, der Zwischenablage und der Bildschirmkonfiguration wurden behoben.
Mit Kup wurde außerdem ein Werkzeug zur Planung von Datensicherungen in den Veröffentlichungszyklus von Plasma aufgenommen. Damit soll die bisher separat gepflegte Anwendung regelmäßiger aktualisiert und besser in Distributionen integriert werden.

Alle Neuerungen lassen sich im Detail in der Ankündigung zu Plasma 6.8 nachlesen.
