Remote Desktop

KDE Plasma 6.8 verbessert Remote Desktop

Remote Desktop gehört nach wie vor zu den Bereichen, in denen Wayland gegenüber X11 Nachholbedarf hat. KDE will diese Lücke mit Plasma 6.8 weiter schließen, da mit dieser Veröffentlichung Plasma nur noch Wayland ausliefert und X11 fallen lässt. Entwickler David Edmundson berichtet auf seinem Blog über zahlreiche Verbesserungen an KDEs RDP-Infrastruktur, die insbesondere den unbeaufsichtigten Fernzugriff betreffen.

Unbeaufsichtigter Fernzugriff

KDE unterscheidet dabei zwischen dem klassischen Support-Modus und dem Unattended Mode. Im Support-Modus sieht der entfernte Anwender denselben Desktop wie die Person am lokalen Rechner. Beim unbeaufsichtigten Zugriff ist dieses Verhalten dagegen eher hinderlich: Die Auflösung richtet sich nach den Bildschirmen des entfernten Rechners und zudem können Personen vor Ort verfolgen, was in der Remote-Sitzung geschieht.

Virtuelle Displays

Der für Plasma 6.8 überarbeitete Unattended Mode setzt deshalb bereits beim Log-in an. Nach dem Aufbau der Verbindung erscheint zunächst der Anmeldebildschirm. Nach der Anmeldung werden die physischen Bildschirme des Hosts aus der Sitzung entfernt. Stattdessen richtet Plasma virtuelle Bildschirme passend zur Größe und Anordnung der Displays des Clients ein.

Läuft die Sitzung in einem Fenster, passt sich die Auflösung dynamisch an dessen Größe an. Nach dem Ende der Remote-Sitzung und der lokalen Anmeldung sollen die Fenster wieder an ihren ursprünglichen Positionen auf den physischen Displays erscheinen. Die dafür geschaffene Infrastruktur bildet laut Edmundson zugleich die Grundlage für vollständig monitorlose Systeme.

Zwischenablage bidirektional

Auch die Zwischenablage erhält Verbesserungen. Text lässt sich nun bidirektional zwischen Client und Host übertragen. Als nächster Schritt ist die Übertragung von Dateien vorgesehen, einschließlich Unterstützung im KDE-Client KRDC. Gleichzeitig arbeiten die Entwickler daran, die Latenz der gesamten Übertragungskette zu reduzieren. Ein neues Messverfahren verfolgt Frames von der Erfassung und Codierung über das Netzwerk bis zur Darstellung auf dem Client.

Noch nicht übertragene Frames werden zusammengefasst und ein neuer Algorithmus regelt, wie viele Frames gleichzeitig unterwegs sein sollten. Verbesserungen bei der Steuerung des Datenflusses sollen insbesondere bei schwankenden Netzwerkverbindungen verhindern, dass sich veraltete Frames aufstauen und dadurch die Latenz steigt.

RemoteFX Progressive und NLA

KDE erweitert darüber hinaus die Kompatibilität seines RDP‑Servers. Dieser unterstützt inzwischen RemoteFX Progressive, einen Grafik-Codec für das Remote Desktop Protocol (RDP) von Microsoft. Auch hardwarebeschleunigtes H.264-Encoding wird unterstützt und soll bei Problemen mit H.264 zuverlässiger auf andere Verfahren zurückfallen. Außerdem wurde die NLA (Network Level Authentication) für Windows-Clients repariert, die dafür sorgt, dass der Anmeldebildschirm des Zielcomputers erst geöffnet wird, nachdem sich der Client erfolgreich mit seinen Anmeldedaten verifiziert hat.

Unterstützung von Tablets vorbereitet

Eine größere Änderung unter der Haube ist der Umstieg auf libei, eine Bibliothek für die Übertragung emulierter Eingaben an den Compositor. Gegenüber den bisherigen Funktionen des XDG-Portals kann libei mehrere Eingabegeräte verwalten und schafft die Voraussetzung für die spätere Unterstützung von Tablets und Touch-Eingaben. Zudem wurde die Eingabe von Zeichen verbessert, die nicht im aktuellen Tastaturlayout des Hosts vorkommen. Damit lassen sich beispielsweise auch bei einem auf US eingestellten Host Sonderzeichen oder zusammengesetzte UTF-8-Zeichenketten übertragen.

Monitorloser Betrieb

Nicht alles wird rechtzeitig für Plasma 6.8 fertig. Einen Remote-Server, der auf einem Headless-System mehrere Benutzer gleichzeitig mit getrennten Sitzungen bedient, hält Edmundson angesichts des bevorstehenden Feature Freeze für unwahrscheinlich. Für einzelne Benutzer soll dagegen auch der vollständig monitorlose Betrieb mit Plasma 6.8 gut funktionieren. Langfristig möchte KDE Teile der Infrastruktur zudem standardisieren, damit nicht jeder Remote-Desktop-Dienst eigene Lösungen für dieselben Aufgaben entwickeln muss.

Tester gesucht

Für KDE ist die Arbeit am Remote Desktop auch für die weitere Ablösung von X11 relevant. Edmundson bezeichnet diesen Bereich ausdrücklich als kritisch für Anwender, die bislang wegen fehlender Funktionen bei X11 geblieben sind. Die letzten Merge-Requests für die oben genannten Teile sollten bald implementiert werden. KDE sucht daher Tester, die aktuelle Entwicklungsstände ausprobieren und Fehler melden.

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6 Kommentare

  1. Nun programmiert also jede Desktop-Umgebung ihre eigene Remote-Unterstützung mit den zu ihr passenden Clients. Bravo! Die Funktionalität des Linux-Desktops zerfasert immer mehr im Nachbau von Funktionen, die man vor 20 Jahren besser gelöst hatte. Open Source zwar, aber nun Desktop-Proprietär. Aber was klage ich, es war von den Wayland-Jüngern ja genau so beabsichtigt und so ist es nun!

    Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die GUI-Anwendungen die beliebten Badges wie aus dem Browser-War hervor kramen: “Runs with XX-Desktop”, “Tested in YY-Kompositor”. Ganz einfach, weil deren Programmierer nicht nur nicht in der Lage und Willens sind ihren Mist auf x Desktops und y Kompositoren usw. zu debuggen.

    Das ist dann das Ende der einheitlichen Linux-GUI. Aber Bitte, Bitte! Es wurde geliefert, wie bestellt!

    Grüße
    mszet

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    1. Ganz so ist es auch wieder nicht. Ich weiß jetzt nicht, was KDE da nutzt, aber im Fall von GNOME ist es z.B. FreeRDP. Und mal abgesehen davon, dass nicht jede RDP-Software auch tatsächlich alle Funktionen des Protokolls unterstützt, braucht es dann eben noch etwas Integration, damit die Verwaltung der User-Sessions klappt und man sich über den Display Manager der jeweiligen Desktopumgebung anmelden kann.

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