Die Entwickler des Custom-ROM-Projekts LineageOS haben sich in einem ausführlichen Essay zur kontrovers diskutierten Android Developer Verification geäußert. Wir haben bereits mehrfach über Googles Pläne diesbezüglich berichtet. Während Nutzer von LineageOS selbst von den neuen Vorgaben nicht betroffen seien, warnt das Projekt vor weitreichenden Folgen für die Offenheit des Android-Ökosystems.
Nur noch Apps verifizierter Entwickler
Hintergrund ist Googles neue Android Developer Verification. Ab September 2026 müssen Apps auf zertifizierten Android-Geräten einem verifizierten Entwickler zugeordnet sein, damit sie sich regulär installieren lassen. Zunächst gilt die Regelung nur in Brasilien, Indonesien, Singapur und Thailand, bevor sie später weltweit ausgerollt werden soll. Google begründet den Schritt mit einem besseren Schutz vor Schadsoftware und betrügerischen Apps.
LineageOS: Keine Auswirkungen auf Custom-ROMs
Nach Angaben der LineageOS-Entwickler greift die Verifizierung ausschließlich auf zertifizierten Android-Systemen mit den entsprechenden Google-Diensten. Geräte, auf denen LineageOS installiert ist, seien daher nicht betroffen. Anwender könnten weiterhin Apps aus beliebigen Quellen installieren, ohne dass Google eine Entwicklerverifikation erzwingt. Auch künftig wolle das Projekt Googles Verifizierungsdienst nicht übernehmen, auch wenn dieser eines Tages Bestandteil der Play Services werden sollte.
Kritik an Googles Kontrolle
Das eigentliche Problem sieht LineageOS weniger für Nutzer alternativer Betriebssysteme als vielmehr für das freie Android-Ökosystem insgesamt. Die Entwickler argumentieren, dass Google seine Kontrolle damit erstmals auf sämtliche Apps ausweitet – unabhängig davon, ob diese über den Play Store, alternative App-Stores wie F-Droid oder direkt als APK verteilt werden.
Dadurch werde Google faktisch zur zentralen Instanz für Software auf zertifizierten Android-Geräten. Besonders betroffen seien Open-Source-Projekte, Hobbyentwickler und Entwickler, die ihre Identität bewusst nicht gegenüber Google offenlegen möchten oder können. LineageOS verweist darauf, dass diese Entwicklung dem ursprünglichen Gedanken eines offenen Android widerspreche.
Unterstützung für »Keep Android Open«
Daher hat sich LineageOS der Initiative Keep Android Open angeschlossen. Das Bündnis aus Open-Source-Projekten, Datenschutzorganisationen und Softwareunternehmen fordert Google auf, die verpflichtende Entwicklerregistrierung zurückzunehmen. Zu den Unterstützern zählen unter anderem F-Droid, die Electronic Frontier Foundation (EFF), die Free Software Foundation Europe (FSFE), KDE e. V., Nextcloud und Proton.
Mit seinem Essay möchte LineageOS primär Missverständnisse ausräumen: Das Projekt sieht die Zukunft eigener Custom-ROMs nicht gefährdet. Die eigentliche Sorge gelte vielmehr der zunehmenden Zentralisierung des Android-Ökosystems und der Frage, wie offen Android künftig noch sein werde.
