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Linux Mint soft-forkt libadwaita

Schon seit geraumer Zeit gibt es eine Verstimmung zwischen den Entwicklern von libadwaita und denen von GTK-Desktops, wie Xfce, MATE und Cinnamon.

libadwaita ist eine Softwarebibliothek, die speziell für die Entwicklung von grafischen Benutzeroberflächen im GNOME-Ökosystem entwickelt wurde. Sie unterstützt Entwickler dabei, Anwendungen zu erstellen, die ein einheitliches und modernes Design auf Desktops und mobilen Geräten bieten und dabei die GNOME Human Interface Guidelines (HIG) einhalten.

Das ist ein Problem für Entwickler der genannten GTK-Desktops, weil libadwaita nicht themable ist und somit alle damit designten Apps nach GNOME aussehen und damit nicht immer in die Designsprache der jeweiligen Umgebung passen.

Soft-Fork

Clement Lefebvre, der Hauptentwickler von Linux Mint und des Cinnamon-Desktops, hat die Dinge nun in die eigene Hand genommen und libadwaita zu libAdapta geforked. Der Fork bietet standardmäßig die gleichen Funktionen und das gleiche Aussehen wie libAdwaita, unterstützt aber unter anderem eigene Themes. In Desktop-Umgebungen, die eine Themenauswahl bieten, folgen libAdapta-Anwendungen dem Thema und verwenden die richtigen Fenstersteuerelemente. libAdapta bietet zudem einen Kompatibilitäts-Header, der es Entwicklern erleichtert, zwischen libadwaita und libAdapta zu wechseln, ohne dass Codeänderungen erforderlich sind.

Lefebvre bezeichnet libAdapta als Soft-Fork, da es nur die Unterstützung für Theming hinzufügt, es ansonsten aber nicht in irgendeiner anderen Weise von libadwaita abweicht und den Veröffentlichungen von libadwaita folgen wird. Vermutlich werden andere GTK-Desktops neben Cinnamon den Fork schnell aufgreifen, denn damit erhalten sie die Kontrolle über ihre Designsprache zurück.

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21 Kommentare

  1. Vor 6 Monaten hat man noch gesagt, dass man die GTK3-Apps von Gnome forken will? Ja was denn nun? Eigentlich könnte Linux Mint die libadwaita direkt ohne Veränderung übernehmen, schließlich sieht das neue Design von Mint fast genauso aus wie libadwaita…da braucht man sich keine doppelte Arbeit machen.

    Die Adoption von libadwaita klingt erstmal gut, aber es ist für mich fraglich wie Cinnamon den technologischen Rückstand je aufholen will. Cinnamon steckt noch tief in X11 fest und Muffin basiert auf Gnome 3.36. Von den anderen GTK3-Desktops brauchen wir gar nicht zu reden, da herrscht fast Entwicklungsstillstand.

    In Zukunft werden wohl nur noch reine Wayland-fähige Desktops überleben, wie KDE, Gnome und der Cosmic Desktop. Cinanmon täte gut daran einfach ein Soft-Fork der Gnome Shell zu werden, ähnlich wie Gnome Classic, dann wäre man technisch immer auf dem aktuellsten Stand.

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  2. Danke @Stefan!

    Ich bin nicht der GNOME Freund. Nie gewesen. Das design erinnert mich mit diesen riesigen App icons stark an Win8.
    Das törnt mich ab. 🥴

    Wo es geht, vermeide ich GNOME.

    Es ist auch eher so ein Gefühl wie am Smartphone für mich. Es ist eben kein Desktop feeling und nicht für jeden geeignet.

    Gut, dass es genug andere Desktops gibt und nun auch einen Soft Fork.

    Meine Meinung. 😊

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  3. Schade, dass die libadwaita Entwickler das nicht als Patch aufgenommen haben. So bringt es nur etwas für neue Apps, die bewusst mit libAdapta entwickelt werden. Auch wenn es sehr einfach zu sein scheint und praktisch keine Nachteile nur Vorteile bringt, werden viele bestehende Projekte meiner Vorhersage nach eher nicht von libadwaita zu libAdapta wechseln. Insbesondere nicht die Gnome Apps. Wirklich schade für den Linux Desktop im Allgemeinen.

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    1. Ich bin da anderer Meinung. Das GNOME-Projekt macht es genau richtig. Es gibt eine Vision und die wird durchgezogen. Theming wird unterstützt, aber nur im Rahmen der Platform. Anders ist es nicht möglich eine wirklich “gepolishte” Experience zu erreichen. Als Entwickler möchte ich gegen eine einigermaßen stabile API bzw. Platform entwickeln. Ich möchte testen können und in der Lage sein, Support zu liefern. Das ist aber unmöglich, wenn jede Distribution unterschiedliche Styles ausliefert.

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      1. Dann sag das bitte Canonical. Die waren die ersten, die libAdwaita ein neues Design übergestülpt haben. Oder ich erinnere an die App Gradience. GNOME soll das Stylesheet einfach hardcoden und dann kann der Rest sich ein anderes System suchen.

        Die Mentalität “Meine App soll immer aussehen wie ein Alien” ist der Grund, warum ich libAdwaita-Apps durch anderes ersetze – selbst wenn diese dann weniger Features oder mehr Bugs haben -, und warum ich selbst in Qt programmiere: ich will nämlich, dass meine App wenigstens den Anschein erwecken kann, dass es “heimisch” ist auf dem Desktop der Nutzenden.

        Und nicht falsch verstehen: wenn du das hardcoden willst, dann hast du das Recht dazu. Es ist deine App und damit deine Entscheidung. 👍 Aber es ist ebenso dann die Entscheidung der Nutzenden, das nicht zu akzeptieren, und wie in meinem Fall eine andere App zu benutzen.

        (Warum Linux Mint nicht längst Cinnamon und seine Apps durch KDE ersetzt hat, ist mir etwas schleierhaft, da Cinnamon – für mich – wie ein Nachbau von KDE in GTK wirkt. 🤷‍♂️)

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        1. Warum Linux Mint nicht längst Cinnamon und seine Apps durch KDE ersetzt hat, ist mir etwas schleierhaft, da Cinnamon – für mich – wie ein Nachbau von KDE in GTK wirkt

          Das habe ich mich schon des Öfteren gefragt. Die haben ja ihre ehemalige KDE-Ausgabe sogar eingestampft.

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        2. Ich bin froh kein KDE zu benutzen. Und ich will als Nutzer weiter Cinnamon haben. Hast du nicht gerade was von “heimisch” geschrieben?
          KDE wirkt immer so aufgewühlt, so anstrengend, so klickibunti. Das mag ich nicht.
          Ich verstehe diesen Hype überhaupt nicht.

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          1. Ist ja garkein Hype – zumindest nicht von meiner Seite. Es funktioniert und ist technisch modern, im Gegensatz zu Cinnamon und Linux Mint allgemein.

            2025 ohne Wayland bspw. ist mir zu gefährlich, da unter X11 jedes Programm sowohl Keylogger als auch Bildschirmaufnahmeprogramm ist. Den Paketen aus der Distribution und von Flathub traue ich prinzipiell, aber bei den heutigen Webseiten und potentiellen Lücken in den Browsern ist mir das zu gefährlich!

            Aber ich bin sehr auf COSMIC gespannt, dass mal endlich eine andere Basis hat als das immergleiche GTK (Cinnamon, Xfce, Mate, Budgie). Aber da fehlt noch einiges auf dem Weg…

            Historisch mit GNOME3 verstehe ich, warum Cinnamon entstanden ist. Aber auch damals hätte man KDE einsetzen können, auch wenn das damals nicht so gut und stabil war wie heute. Aber so hat Linux Mint seinen eigenen (Nischen-)Desktop, den sie mit einem kleinen Team entwickeln. Stimmt mich nicht positiv. 🤷‍♂️

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            1. Ich bleibe bei Cinnamon. Da kommt Wayland auch demnächst. Es besteht trotzdem keine Eile und Kein Druck auf die Nutzer zu machen.
              Wayland experimental geht auch heute schon mit Cinnamon.
              Und absolute Sicherheit gibts nicht. Auch nicht mit Wayland. Wenn brain 2.0. nicht funktioniert, hilft kein noch so modernes Programm.
              Es ist nicht so, dass ich mich dem Verschliesse. Ich habe vor einiger zeit ChachyOS mit KDE parallel installiert und teste ob zu mir passt. Bisher bin ich immer wieder froh zu Cinnamon gehen zu können. Da fühle ich mich heimisch.
              Und ich wiederhole mich, es ist ein Hype um KDE und rolling releases im Gange, weil da im moment soviel passiert. Ich brauche aber was stabiles. 🙂

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              1. Bei rolling releases mache ich mit. Diese sind – zumindest im Falle von Solus und openSUSE Tumbleweed – aktuell UND unglaublich stabil. Da können aus meiner Erfahrung heraus weder Debian noch alle dessen Derivate nicht mithalten. 🤷‍♂️

                Mit Debian stable hatte ich bisher die schlechtesten Erfahrungen, denn auch Debian am Desktop hat Fehler (und zwar massive), aber bei Debian werden diese nicht behoben, weil alles ja bleiben soll, wie es ist. Bei rolling release Distributionen kommt der Bugfix mit dem nächsten Update, wenn er dank Testen überhaupt rein kommt.

                Linux Mint ist da insofern besonders, weil es wenigstens den Desktop aktuell hält – also so Aktuell, wie er halt ist – und Fehler behebt. Das ist positiv an LM. Dafür hat man viele Software, die keinen Support mehr erhält.

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              1. Qt-Anwendungen sehen (einigermaßen bis komplett) nativ aus, weil sie sich dem vorhandenen Theme und Widget-Stil anpassen. LibAdwaita sieht überall abseits von GNOME aus wie ein Alien. (Gleiches gilt für Firefox und Thunderbird.) Und GTK ist das “GNOME Toolkit” mittlerweile, passt für GNOME und nichts anderes. 🤷‍♂️

                Ich habe GNOME eine Zeit lang auch recht gerne benutzt. Aber das nicht-anpassen von “egal was” stört mich.

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                1. Für mich hat Qt immer noch das Trolltech Geschmäkle. Und ja mich hat auch der Bruch von GTK2 auf Version 3 geärgert, maßgeblich von den Gnome Entwicklern durchgesetzt. Aber ich bin kein Entwickler. Aber der Schritt zu GTK 4 ist dann auch nicht so schwer, denke ich

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                  1. Ich verstehe das Geschmäckle sehr. Habe da auch nicht keine Bedenken. Aber wenn ich die Applikationen sehe, dann bevorzuge ich Qt: mehr Einstellungen, die mir nichts vorschreiben, natives Design und mehr.

                    Ich schreibe nur kleine Programme für mich selbst, wahrscheinlich ziemlicher Spaghetti Code, und da verstehe ich C++ und Qt, mehr nicht. Bin zu blöd für den Rest. Zumal die Dokumentation von Qt wahnsinnig gut ist. 😯 Da kommt nichts anderes ran.
                    Ich würde gerne Rust, Iced und libcosmic nutzen, aber das verstehe ich nicht. 😢

                    Was GTK Apps angeht, gibt es eigentlich nur libAdwaita-Apps. Meine Interpretation: gtk4 an sich fehlt so viel, dass es libAdwaita braucht, um brauchbar zu sein. 🤔 Und diese Apps sind sehr beschränkt.

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          2. KDE und Hype … ich bin mir nicht sicher, ob wir das gleiche Verständnis von Hype haben. Und mittlerweile ist KDE meiner Meinung nach viel weniger “klickibunti” als es früher gewesen ist. Ist natürlich relativ, wenn man ständig in die GNOME Wüste blickt, dann kommt einem zwei Grashalme an Konfigurierbarkeit gleich wie ein Urwald vor.

            Der Hauptentwickler von Mint hat einfach eine Präferenz gegen KDE, drum erfindet er ein GTK Rad nach dem anderen (neu). Ich habe mich schon öfter gefragt, wieso er den halben GNOME stack (alt und neu) forkt, um das zu erreichen, was man unter KDE ganz oft schon einfach so bekommt. Trotzdem mag ich Mint (benutze aber was anderes).

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            1. Das ist ja das gute, jeder kann mögen oder nicht mögen was er unter Linux will. Allemal besser als ein Windows Einheitsbrei inkl. Bevormundung.
              Ja. Und auch Entwickler können irren oder mal neues ausprobieren.
              Aber auch Debian Nutzer mit Kernel 6.1 überleben und brauchen nicht zwingend das neueste KDE.

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              1. Problem ist, dass einige Desktop Pakete in Debian nicht maintained werden – weder durch das Projekt noch durch Debian. Beispielsweise Qt. Und auch der LTS Linux Kernel wird nur noch 2 Jahre gepflegt, was kürzer ist als die Zeitdifferenz zwischen zwei Debian Releases.

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