Mozilla macht Mozilla-Sachen

Das Vertrauen in Mozilla bröckelt… Photo by luigi bisaccia on Unsplash

Mozilla führt einen VPN-Dienst ein. Keine gute Sache, findet der Autor.

Die Sehnsucht nach einem Open-Source-Champion ist durchaus vorhanden. Ein Unternehmen oder eine Stiftung, die »Internet für Menschen, nicht für Profit« macht. Allzu oft liegen da die Hoffnungen auf Mozilla, der Organisation hinter Firefox mit eben diesem Slogan. Diese Hoffnungen werden allerdings auch regelmäßig enttäuscht.

Ein VPN-Dienst wird angeboten

Eine neue Enttäuschung bahnt sich den Weg. Seit Kurzem ist Mozilla VPN in Deutschland verfügbar. Versprochen wird ein schnelles und sicheres Netzwerk für den Nutzer. Ein Werbespruch ist: »Ein Name, der Vertrauen schafft«. Hier kann ich nahtlos an meine Kritik aus dem vergangenen Jahr anschließen: Die Marke Firefox (»Produkt der Firefox-Familie«) und Mozilla nimmt dadurch Schaden. Denn was steckt hinter dem neuen Produkt?

VPN steht für »Virtual Private Network«. Eine Technologie, die im Unternehmenskontext häufig genutzt wird. Gerade im vergangenen Jahr werden viele damit konfrontiert worden sein. Viele Anbieter, mittlerweile auch Mozilla, bewerben das nun auch für den Privatnutzer. Argumente sind hierbei vor allem Sicherheit und Datenschutz. Ob da ein Dienst, der den gesamten Datenverkehr versendet und empfängt, die passende Lösung ist, ist umstritten. Insbesondere, wenn eine Technologie wie TOR das durchaus ausfüllt.

Schlechter als das Original

Dazu kommt noch, dass Mozilla seinen Dienst keinesfalls selbst betreibt, sondern dafür den Anbieter »Mullvad« nutzt. Der fällt immerhin anders als die meisten anderen VPN-Anbietern nicht offensichtlich durch. Aber letztlich lässt sich hier die Datensicherheit eben doch nicht überprüfen. Zusätzlich kommt hier noch der Aspekt dazu, dass mit Mozilla in diesem Fall auch noch ein zweites Unternehmen mit dabei ist. Das verfolgt nicht unbedingt den Ansatz der Datensparsamkeit. Das gilt auch für die Zahlung: Man hat nur die Wahl zwischen Paypal und Kreditkarte.

Das ist im Übrigen beim Originalanbieter Mullvad anders. Ebenso wie die Preise. Im Original kostet der Dienst laufzeitunabhängig 5€ monatlich. Diesen Preis erreicht man bei Mozilla VPN nur wenn man sich für ein Jahr bindet, bei einem monatlichen Abo zahlt man das Doppelte.

Mozilla verspielt Vertrauen

Mein Fazit ist mehr als resigniert. Mozilla scheint die Nutzer des Browser zunehmend als Kundschaft zu sehen. Hier soll ein Dienst an den Mann gebracht werden, über dessen Nutzen man diskutieren kann. Eine Innovation stellt der Dienst nicht dar. Im Gegenteil: Er ist weniger datensensibel als das Original, dafür allerdings teurer. Schon wenn man sich die Entwicklungen der Vergangenheit anschaut, ist Mozilla eben doch kein Name mehr, der Vertrauen schafft. Im Gegenteil kann hier Vertrauen verloren gehen. Das ist wirklich schade.

Teilt den Beitrag, falls ihr mögt

32 Kommentare

  1. Hallo,

    es war einmal ein Märchen: »Internet für Menschen, nicht für Profit«

    Zitiere aus https://www.derstandard.de/story/2000119352117/firefox-mozilla-bekommt-weiter-fast-sein-gesamtes-geld-von-google:
    “Firefox: Mozilla bekommt weiter fast sein gesamtes Geld von GoogleUnternehmen sollen sich auf Verlängerung des Suchmaschinen-Deals geeinigt haben – Unklarheit über Zusammenhang mit Rauswürfen bei Mozilla”

    Seit Quantum ist FF für mich rotes Tuch.
    Die Argumente gegen FF sind seit dem nicht weniger geworden.

    Dieses Jahr ganz oben auf meiner Agenda: Freiheit von Google & Co.

    Dies gelingt z.B. mit LineageOS auf dem Phone und Linux-Derivaten auf dem PC.
    Dazu gehört eben auch: Kein Firefox ! Thunderbird-Alternative dringend gesucht.

    Verschwörungstheorien hin oder her, klar ist:
    Die große Masse ist von den Big4 bereits mächtig eingeseift, BigBrother – nach heutigem Faktenstand- längst in nie gedachten Dimensionen Realität.

    Es grüßt,
    Kai

    0
    1. Moin moin,
      ich kann dir bezüglich Google-frei leben (ambitioniert) folgendes empfehlen: https://www.kuketz-blog.de/empfehlungsecke/

      Warum du allerdings eine Thunderbird-Alternative dringend suchst, erschließt sich mir nicht so ganz. Diese wurde von Mozilla ohnehin immer stiefmütterlich behandelt, vom Google-Geld haben die meines Wissens nach eigentlich nie etwas abbekommen, erst reicht nicht, seit sie ein eigenständiges Unternehmen geworden sind.

      Was den Firefox anbelangt: Immerhin hat er als einer der wenigen Browser noch keine Google-Engine. Der ein oder andere ist der Meinung, dass Google vor allem deswegen noch so viel Geld an Mozilla zahlt, damit man im Falle eines Kartellverfahrens sagen kann, dass es ja noch einen anderen »großen« Player gebe.

      0
      1. Hallo Lennert,

        danke für die aufschlußreichen Anmerkungen, besonders Thunderbird betreffend.

        Eigentlich ist es sogar so, daß ich seit Jahren sehr zufrieden damit bin und gar nicht wechseln möchte. Um so besser, wenn Google dort noch nicht bestimmt.

        Übrigens kuketz habe ich geradezu studiert und bin prompt in die Apparmor-Falle getappt:
        Bekomme nur noch Warnungen / Hinweise um die Ohren geknallt, Libre teilweise unbenutzbar. Leider ist das Programm eine Wissenschaft für sich, aber ich schweife ab…

        Kai

        0
    1. Meines Wissens nach nicht (leider). Das wird sich zwar durchaus offen gehalten, beispielsweise durch die Ausgliederung Thunderbirds in ein eigenes Unternehmen, aber so wirklich finden kann ich konkrete Dienstleistungen nicht.

      2
  2. Ich kann ja verstehen, dass Mozilla Einnahmequellen sucht, aber ein weiterer VPN-Dienst? Es gibt bereits etliche wie Sand am Meer.
    Angesichts der Tatsache, dass Mozilla faehiges Personal entlaesst, nur um dem Vorstand traumahfte Gehaltserhoehungen zu spendieren, laesst mich an dieser Firma zweifeln.
    Schade, denn die Welt braucht eine Alternative zu den Chrome-basierten Browsern.

    4
  3. Ich denke mal, man sieht Mozilla und den Firefox ohnehin zu idealistisch und dann kritisiert man Mozilla für das Ideal, das man darin sehen wollte, das es aber so bei Mozilla nie gegeben hat.

    Mozilla ist aus dem ersten Browserkrieg hervorgegangen. Kurz bevor Netscape an AOL verkauft wurde, wurde der Browser einer Stiftung übergeben. Der Code ist Open Source aber die Leitung von Mozilla obliegt immer noch den damaligen Netscape Leuten. Wir sehen Mozilla immer noch in dem Licht als Microsoft mit dem Explorer das Internet für sich monopolisieren wollte und deshalb denken wir, dass der Firefox was mit Freiheit zu tun hätte. Was wir übersehen ist, dass Google viel Geld in Mozilla steckte um Microsoft hier aus zu bremsen.

    Google hat jetzt das Internet fest in seiner Hand und benötigt Mozilla nur noch als Scheinalternative. Mozilla hat uns auch nie die Freiheit versprochen. Wenn man genau hinsieht, dann war bei Mozilla immer nur von einer Wahlfreiheit die Rede gewesen.
    Diese Wahlfreiheit solle man den auch im besten kommerziellen Sinne einer Marktwirtschaft verstehen.

    Mozilla hat viel zur Entwicklung des Internets beigetragen. Es ist das Internet geworden wie es den Interessen von Google gerecht wird. Die Schutzinteressen der User blieben bei dieser Entwicklung auf der Strecke.
    Mozilla hat jetzt Finanzprobleme weil Google sein Ziel erreicht hat. Mozilla sucht sich also jetzt neue Sponsoren. So what? In einer funktionierenden Marktwirtschaft bedeutet Freiheit das das Angebot die Wahl lässt.

    Mir ist diese Wahl nicht ausreichend. Ich würde viel lieber einen Browser nutzen der meine Interessen besser schützt. Aber da ist ja noch lange nicht Feierabend und auf freier Codebasis kann doch auch recht zügig eine bessere Alternative entstehen.

    12
    1. Wie sieht es eigentlich in der Linux-Ecke der Browser (Epiphany / GNOME Web, Falkon) aus? Kann man dort auf gute Privatsphäre, moderne Features und hohe Geschwindigkeit bauen?

      2
  4. Mullvad ist ein schwedisches Unternehmen. Die schwedischen Behörden und Regierung haben in der Vergangenheit mehrmals bewiesen, dass sie beim Thema Bürgerrechte nicht vertrauenswürdig sind.

    11
    1. also im Sinne der Sicherheit wieder sch.. bauen und hauptsache man hat ein Unternehmen das dann dankbar eventuell Daten über VPN-Endpunkt abgreifen kann, da man denkt, dass man da vertrauen rein legen kann.. lieg ich richtig ?

      1
      1. Ja klar, aber auch wegen der Kriminalisierung von Sexarbeiter*innen oder ein Onlinepranger, in dem alle drin stehen, die mal mit der Justiz zu tun hatten (auch die, die frei gesprochen wurden).

        4
        1. Zu Sexarbeit hat man in Skandinavien generell eine einfache Erklärung: Es ist immer eine Ausbeutung von Menschen.
          Wie hält sich der schwedische Online-Pranger an die DSGVO?

          2
          1. Die Erklärung mag einfach sein, ist aber falsch. Das Gegenteil ist der Fall. Durch das Verbot werden Sexarbeiter*innen in die Illegalität gedrängt, haben dadurch keine Sozialversicherungen, keinerlei (behördlichen) Schutz und werden in die Abhängigkeit von Zuhältern gedrängt.

            Hierzu ein interessanter Thread einer freiwillig arbeitenden Sexworkerin auf Twitter:
            Teil 1: https://twitter.com/DichJasmin/status/1387122007817478150
            Teil 2: https://twitter.com/DichJasmin/status/1387295388860784648

            0
  5. Das Kernproblem ist doch das Management. Mozilla schafft es nicht mehr neue innovative Wege zu gehen.

    Ich komme aus dem Innovationsmanagement der Uni. Dort beobachten wir, dass jedes Unternehmen, welches sich nicht innovieren vermag untergeht. Alle Zeichen deuten bei Mozilla darauf hin, dass es ihnen genau so geht. Auch, wenn das sehr schade ist.

    Anstatt einen VPN-Aufsatz, sollte die ihr Geschäftsmodell viel lieber gründlich umkrempeln und ganz neue Wege beschreiten. Dazu gehört sich mal länger an den Tisch zu setzen und sich was einfallen zu lassen.

    13
    1. klar, weil die eben nicht mehr community nahe sind.. oder was meinst Du woher die “Innovationen” bez frische ideen kommen sollen, wenn vieles ausgeschlossen wird und die Community dünner und dünner wird sowie Edge vom MS immer mehr aufholt dadurch.. und sich keiner mehr wegen dem Dünnpfiff die Mühe macht die Mozilla Webseite aufsucht und sich extra dann den Browser herunter laden und zu installieren, wenn’s der Edge von “Pizzahut” es auch tut.. codeplex wurde bei MS als Open Source Codebase ja schon versucht, das hat nicht geklappt.. also kauft man sich die megacommunity Github einfach mal so eben.. und da viele faul sind um dann von Github einfach zu verschwienden und dann einen auf Guerillia zu machen bleibt man dann auf Github, da eben alle da drauf bleiben.. wurd zwar groß rum gekotzt, aber machen kann man eben nichts.. da lieg ich doch jetzt falsch oder ?

      liebe grüße
      Blacky

      -3
    2. Das sehe ich auch so.
      Innovation hat nix mit kopieren von Ideen sondern neuen Ideen zu tun.
      Ich verstehe nicht wenn man einen guten Dienst anbieten möchte sich mit Firmen zusammen tun muss. Warum bietet man nicht Tor an und teilt sich die Kohle? Insbesondere wenn man sich die Moneten teilt haben beide was davon statt auf einen per se zweifelhaften Dienst der für eine Brücke zwischen zwei Netzen entwickelt wurde und nicht um ins Internet zu kommen.
      Als Sicherheitsspezialist ist VPN für mich ein zusätliches Risiko, da zusätzliche SW laufen muss.

      4
    1. Richtig, Mozilla versucht, unabhängiger von Google zu werden und das ist gut so. Dazu muss man den Nutzern etwas anbieten, wofür sie bereit sind zu zahlen. Dabei scheint Mozilla nach dem Trial&Error-Prinzip vorzugehen. Den Versuch mit dem VPN finde ich bei allen Gegenargumenten nicht mal so schlecht für die breite Masse, die ein VPN möchte. Mit Mullvad ist liegt dem Ganzen eine solide und, wie ich als langjähriger Nutzer finde, vertrauenswürdige Basis zugrunde und der Nutzer muss sich um nichts weiter kümmern. Das ist meiner Meinung nach besser als, wenn sie bei Anbietern aus dem asiatischen Raum landen wie etwa bei NordVPN landen.

      8
      1. >, wofür sie bereit sind zu zahlen.

        ja und deshalb wird es commerzialistisch, anstatt versucht wird,
        das ganze weniger geldverschlingend auf zu ziehen und näher an der Substanz und Community zu bleiben.. aber da Mozilla ja in den Staaten ansässig ist :
        https://www.mozilla.org/de/about/legal/impressum/
        werden die das auch nich raffen, das weniger mit Geldmitteln zu machen, als mehr mit der Community zu arbeiten.. aber nein, CO schnappt sich die meiste Kohle, es wird über die Benutzercommunity hinweg entschieden und suppert mit der US -angehörigkeit auch die amerikanischen Gesetze und deren Fasility’s. Wenn ich den FF 2/3 anschau, ist der aktuelle Firefox nicht mehr der , der es schon war.. nein, selbst Pluginschreiber haben die Lust verloren und schreiben nichts mehr für den FF bez. Die Community um Mozilla für TB und FF..
        Es fallen immer mehr Plugins weg, die nicht mehr gesupported werden oder auch nicht mehr upgedated werden..

        nuja..

        liebe grüße
        Blacky

        -1
        1. Ich bin mir nicht sicher, ob ich deinen Beitrag richtig verstanden habe. Rechtschreibung Grammatik gibt es nicht umsonst.

          Wie denkst du soll Mozilla die Weiterentwicklung von Firefox denn sonst finanzieren?

          0
          1. nee, ich bau dir jetzt kein negativen ein.. lass dein Aws jetzt mal neutral..
            irgendwie versteh ich Dich nicht richtig.. aber was glaubst Du für was Open Source existiert ? um anderen vorzuscheiben wie sie was programmieren sollen und in Sinne der Sicherheit jah nichts anderes dazu schreiben zu dürfen.. (damit es nicht besser als der Browser vom MS ist ?) Vergiss nicht, MS Mitarbeiter mischen sich immer mehr unter div. Gruppierungen(auch incognito), selbst Reactos ist zum hohen Teil durch Unterwanderung fast schon gestoppt worden und Ideen, auch die von Linuxsubsystem wurden von Reactos geklaut und in Win10 eingebaut..

            -1
            1. Ja ne ist klar und Bill Gates isst kleine Kinder.

              Informiere dich doch mal wieder auf seriösen Seiten und schreib nicht so einen Müll zusammen.

              Eine sachliche Auseinandersetzung mit diesem Verschwörungsmist schenke ich mir jetzt echt.

              -1
              1. Wenn zwei Leute die Köpfe zusammenstecken dann ist das ganz normale Wirklichkeit. Wenn die zwei dies tun und anderen nichts darüber mitteilen dann ist das auch oft nur die gängige Praxis.

                Jemand der lediglich diesen normalen Vorgang beschreibt, als Verschwörungtheoretiker zu bezeichnen ist hingegen recht absurd.
                Denn auf die Köpfe zusammen stecken und dies eventuell für sich zu behalten beruht die ganze Menschheit.

                4
                1. Du findest also die folgenden Behauptungen von Blackcrack ganz normal und völlig seriös? Ich fasse mal das Geschreibsel von oben leserlich zusammen:

                  1. Er hat irgendein Geheimnis für das Open Source existiert (ich gebe es zu, ich habe es nicht verstanden!)
                  2. Microsoft-Mitarbeiter unterwandern inkognito Gruppen
                  3. ReactOS wurde durch Unterwanderung fast gestoppt
                  4. Die Idee des WSL wurde von ReactOS geklaut.

                  Justiert mal euren Kompass neu.

                  2
                  1. Mir geht es eher darum, dass nicht alles gleich als Verschwörungstheorie abgetan wird. Das scheint jetzt große Mode zu sein, ist aber auch ein Argument.
                    Es würde doch genügen beim Vorposter stichhaltige Belege für seine Behauptungen einzufordern.
                    Dass Open Source Projekte gelegentlich unterwandert und sabotiert werden, dürfte Praxis sein. Jedenfalls kann ich mir etliche Vorkommnisse kaum anders erklären. Auch dürfte die Interessenlage recht eindeutig sein.
                    Gut, eine Vermutung und das Vorhandensein eines Motivs ist noch lange kein Beweis. Da hast du zweifelsohne recht.
                    Auch ich wäre mit solchen Behauptungen doch eher vorsichtig.
                    Allerdings würde ich auch nicht so darauf reagieren wie du es getan hast und Äußerunngen als Mist bezeichnen.
                    Das fördert auch nicht gerade die sachliche Diskussion.
                    Die seriösen Quellen bei denen man über solche Angelegenheiten eine verlässliche Auskunft bekommt, kannst du mir bei der Gelegenheit auch mal nennen. Ich denke mal, dein Hinweis darauf war wohl eher zynisch gemeint.

                    2

Kommentar hinterlassen