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ODF für die öffentliche Verwaltung in Deutschland vorgeschrieben

Das OpenDocument Format (ODF) ist ein offener ISO-Standard für Dokumente wie Texte, Tabellen und Präsentationen. In Deutschland und generell auf EU-Ebene gibt es seit Jahren Bestrebungen, offene Standards wie ODF verpflichtend zu machen und damit proprietäre Formate wie DOCX und XLSX zurückzudrängen. Ein wichtiger Punkt dabei ist es, die Interoperabilität zwischen Behörden europaweit sicherzustellen.

Deutschland-Stack

Im Zusammenhang mit der angestrebten digitalen Souveränität taucht in letzter Zeit häufig der Begriff Deutschland-Stack auf. Der Deutschland-Stack als Rahmenwerk des Bundesministeriums für Digitales und Staatliche Modernisierung stellt eine Plattform aus Cloud- und IT-Diensten, Standards und Basiskomponenten bereit, die Bund, Länder und Kommunen für ihre digitalen Verwaltungsleistungen nutzen sollen. Allerdings ist der Begriff nicht offiziell normiert und existiert aktuell nicht als konsolidiertes Produkt, sondern eher als politisches Zielbild. Das Ziel ist eine möglichst geringe Abhängigkeit von US-Unternehmen wie Microsoft, Google, AWS und anderen und generell von proprietären Formaten.

ODF ab 2027 verpflichtend vorgeschrieben

Für den Deutschland-Stack hat die Bundesregierung am 19. März 2026 durch den IT-Planungsrat als zentrales Gremium für die IT-Zusammenarbeit von Bund und Ländern entschieden, ODF als Standard für die Verwaltung verpflichtend vorzuschreiben. Bis zum Jahr 2027 soll der Umstieg vollständig abgeschlossen sein. Ab diesem Zeitpunkt ist ODF der vorgeschriebene Standard für den Austausch von Dokumenten in der gesamten öffentlichen Verwaltung.

Die Document Foundation als Herausgeber von LibreOffice betont in einer Stellungnahme die Tragweite dieser Entscheidung. Florian Effenberger, Geschäftsführer der Document Foundation sagt dazu:

Die Entscheidung Deutschlands, ODF als Kernstück seines nationalen souveränen Stacks zu verankern, bestätigt, was wir seit Jahren vertreten: Offene, herstellerneutrale Dokumentformate sind kein Nischenanliegen einiger Technologiespezialisten und FOSS-Befürworter. Sie sind eine grundlegende Infrastruktur für demokratische, interoperable und souveräne öffentliche Verwaltungen.

BundID

Parallel zur Einführung von ODF plant die Verwaltung, den klassischen Dokumentenaustausch per E-Mail schrittweise durch modernere, sicherere Plattformen zu ersetzen. Hierbei spielt das Nutzerkonto BundID eine zentrale Rolle. Ziel ist es, dass Bürger und Unternehmen Nachrichten direkt in zentralen Postfächern wie BundID erhalten, anstatt auf unsichere private E-Mails angewiesen zu sein.

Wie wir alle wissen, mahlen behördliche Mühlen langsam, wenn es darum geht, neue Wege zu beschreiten. Es bleibt also spannend, zu schauen, was bis 2027 in Sachen ODF verbindlich umgesetzt werden kann.

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8 Kommentare

  1. ODF ist keine digitale Souveränität, sondern verspätete Schadensbegrenzung. Wer sich jahrzehntelang freiwillig an Microsoft, Oracle und sonstige Lizenzparasiten kettet, braucht 2026 nicht so zu tun, als hätte er plötzlich ein Freiheitsprojekt entdeckt. Ein offenes Dateiformat ist kein großer Wurf, sondern das absolute Minimum nach Jahren politischer Bequemlichkeit. LiMux war Warnung genug. Selbst schuld.

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      1. Danke!
        Einen ähnlichen Treffer habe ich inzwischen auch gefunden, 46. Sitzung des Planungsrats v. 26.3.2025, Zitat:

        “Der IT-Planungsrat setzt sich dafür ein, dass in der Öffentlichen Verwaltung offene Formate wie das Open Document Format (ODF) zunehmend Verwendung findet und bis 2027 zum Standard für den Dokumentenaustausch wird. Er beauftragt das Standardisierungsboard mit der Umsetzung.” [ https://www.it-planungsrat.de/beschluss/beschluss-2025-06 ]

        Ich interpretiere das als politische Absichtserklärung, bin aber sehr skeptisch, dass das im skizzierten Zeitrahmen realisiert wird.

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  2. BundID ist eine Totgeburt. Ich habe bereits ein Postfach, das von überall erreichbar ist und auch signierte und verschlüsselte Mails im S/MIME standardisierten Format erlaubt. Ein weiteres Postfach benötige ich nicht. Ich bezweifle, daß ich auf BundID mit IMAP oder POP3 zugreifen kann und dann S/MIME verschlüsselte eMails bekomme.

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    1. Ich bin da auch skeptisch, aber es als Totgeburt abzuschreiben, weil du dir bereits ein signiertes und verschlüsseltes Postfach eingerichtet hast, halte ich für nicht zielführend. Millionen Menschen würden an der Einrichtung eines solchen Postfachs heutzutage immer noch scheitern.

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      1. Was lässt dich glauben, dass diese Menschen mit BundID zurechtkommen würden? Zumal “staatliches Angebot” und “einfach” ja üblicherweise nur sinnvoll in einem Satz unterzubringen sind, wenn ach das Wort “nicht” vorkommt.

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