Debian Swirl

Debian: Projektleiterwahl 2026 mit nur einer Kandidatin

Wie in jedem Jahr steht im Frühjahr die Wahl des Debian Projektleiters (DPL) an. Andreas Tille, der in den vergangenen zwei Jahren das Amt innehatte, tritt nicht mehr an. Bis zum Ablauf der Einreichungsfrist stellte nur eine Kandidatin ihre Bewerbungsplattform online. Sruthi Chandran, eine indische Entwicklerin, stellt sich bereits zum vierten Mal nach 2020, 2021 und 2024 zur Wahl. Ihre Wahlplattform unterscheidet sich nicht maßgeblich von den Vorjahren, ihr Hauptanliegen ist Gender Diversity.

Nur eine Kandidatin

Somit haben in diesem Jahr die Debian-Entwickler die Wahl zwischen Chandran als DPL oder NOTA, also »None of the above«, was dazu führen würde, dass der Prozess von vorn beginnt. Kritik wird laut, da der zweite Kandidat Héctor Orón Martínez, ein langjähriger Debian Developer mit über 20 Jahren Beteiligung am Projekt, krankheitsbedingt die Nominierungsfrist verpasste und nach den Statuten nicht nachnominiert werden kann.

Nominierungsfrist verpasst

Der einfachste Weg, Héctor Orón Martínez auf den Wahlzettel zu bekommen, wäre es, wenn Sruthi Chandran ihre Nominierung vorübergehend zurückzieht. Der ehemalige DPL Jonathan Carter fordert eine Fristverlängerung sowie das Überdenken veralteter Prozesse.

Nur einen Kandidaten gab es bei der Wahl zum DPL bereits in den Jahren 2011, 2016, 2018 und 2023. In keinem der Fälle obsiegte NOTA, der alleinige Kandidat wurde jeweils gewählt.

Teilt den Beitrag, falls ihr mögt

24 Kommentare

      1. Vielleicht reicht die Zeit zwischen Ankündigung und Deadline ja um offizieller Entwickler zu werden 😜
        Und vielleicht ergibt die jetzige Diskussion, dass auch jemand Externes ein guter Projektleiter sein könnte. Er/sie müsste ja trotzdem noch die Wahl gewinnen.

        0
  1. Debian wirkt inzwischen wie ein Projekt, das selbst grundlegende Prioritäten nicht mehr sauber ordnet. Eine Führungswahl mit nur einer Kandidatin wäre eigentlich der Moment, über Struktur, Zuständigkeiten, Entscheidungswege und technische Schlagkraft zu sprechen. Stattdessen wird wieder ideologisches Beiwerk nach vorn geschoben, das in einem Betriebssystemprojekt nichts zu suchen hat.

    Ein freies OS braucht keine Diversity Agenda als Leitmotiv. Es braucht saubere Maintainer Strukturen, klare technische Führung, belastbare Prozesse und Entwickler, die Verantwortung übernehmen wollen. Genau daran fehlt es sichtbar. Wenn in so einer Lage ausgerechnet solche Themen betont werden, zeigt das nur, dass man die eigentlichen Probleme entweder nicht lösen will oder nicht mehr erkennt.

    Noch problematischer wird es, wenn aus dieser politischen Schwerpunktsetzung irgendwann auch sprachliche Leitlinien für Doku und Readmes werden. Technische Texte sind keine Bühne für Sternchen, Innen Formen oder sonstige sprachpolitische Verrenkungen. Eine README muss klar, präzise und technisch sein. Keine Haltungsmarker, keine pädagogische Verpackung, kein identitätspolitischer Nebel. Noch mag das nicht flächendeckend durchgeschlagen sein. Aber schon die Richtung dorthin ist ein Fehler, weil sie technische Eindeutigkeit durch ideologische Empfindlichkeit ersetzt.

    Genau darin liegt der Kern des Problems. Debian wirkt nicht wie ein hartes, fokussiertes Technikprojekt, sondern wie ein Apparat, der sinkende Zugkraft mit Symbolthemen und weichgespülter Sprache kaschiert. Weniger Ideologie. Weniger Sprachzirkus. Mehr Technik.

    Go woke, get broke 😶‍🌫️

    5
      1. Nein, das ist kein KI Problem. Das ist eher dein Problem damit, dass mal jemand ohne Forumsschmus und Debian Folklore schreibt. Wenn du inhaltlich etwas beizutragen hast, gern. Dieses beleidigte „ist KI“ wirkt sonst nur wie ein ziemlich billiger Fluchtversuch.

        2
        1. Es geht hier nicht um Debian, sondern um Stil und Duktus »deiner« Beiträge. Und dass ich nicht auch kritisch über Debian berichten würde, ist eine unhaltbare Behauptung, wie du bei einer Suche im Blog schnell feststellen wirst.

          7
    1. Eines direkt vornweg: Der Begriff “woke” bedeutet korrekt übersetzt “achtsam” bzw. “aufmerksam” und wurde durch die Black Lives matters-Bewegung in den USA medial präsent. Und es bedeutete damals schon, dass man “wach” ist in Bezug auf Diskriminierung und diese auch öffentlich aufzeigt. Und dann haben die Konservativen und Rechten es zum Kampfbegriff gegen ihre politischen Gegner erklärt. “Woke” hat nichts, aber auch gar nichts mit einer angeblich linken Ideologie zu tun!
      Zu Debian: Das Projekt war schon immer sehr transparent und zeigt dadurch natürlich auch die Probleme auf. Die sind aber nichts besonderes, bei anderen Projekten oder Unternehmen findet das einfach nur hinter verschlossenen Türen statt.
      Was wir nicht wissen, sind die nicht-öffentlichen Gespräche bei Debian, und wie da der Ton ist. Jetzt haben wir also eine Kandidatin aus dem indischen Kulturkreis (also weiblich und nicht-weiss) und schon bekommt der alte weiße Mann wieder seine Beißreflexe. Wissen wir, was diese Frau innerhalb des Projekts an Erfahrungen gesammelt hat und auch sammeln musste? Ich kann mir das in einer männlich-dominierten Gruppierung durchaus vorstellen und sie will das nun mal ändern. Und es liegt einzig und allein an den Wahlberechtigten, ob sie damit eine Mehrheit hinter sich versammelt oder durch Ablehnung eine neue Wahl notwendig ist.
      Für mich hat Debian immer noch seinen Fokus von einst und geht kritisch mit irgendwelchen Modeerscheinungen um (z.B. KI). Und das sollte man als Projekt mit großer Reichweite auch!

      2
      1. Mein Eindruck ist, dass mit dieser Argumentation alle Kritik weggewischt werden soll.

        1. Achtsamkeit gegen über Benachteiligung.
        2. Eine nicht-weiße Frau möchte Projektleiterin eines Softwareprojektes werden

        Beides sind doch überhaupt nicht die Streitpunkte. Ersteres wäre wünschenswert und dass sich irgendeine Person zur Wahl eines Projektleiters bzw. Projektleiterin stellt, ist doch vollkommen normal.

        Der kritisierte Punkt ist, dass diese “Achtsamkeit” zu einem alles umschließenden Thema gemacht wird, dass mit teils – den “Rechten” in nichts nachstehender – Vehemens, Aggression und wildesten Argumentationen vorangetrieben wird. Kurioserweise fällt dabei dem Treiben um die “Achtsamkeit” jegliche echte Achtsamkeit zum Opfer.

        Das ist Schade. Es geht offensichtlich grade jegliche Fähigkeit zu differenzierten Betrachtung flöten.

        2
        1. Ich wollte primär den Begriff der Wokeness mal geradeziehen, zumal er in der Antwort über mir wieder falsch verwendet wurde.
          Ansonsten gebe ich dir durchaus Recht, wir haben seit geraumer Zeit einen Kampf der Ideologien. Und da haben wir auf beiden Seiten Radikale, was der Differenzierung nie gut tut.
          Und wir Deutschen haben ja die Radikalität beider Ideologien erlebt, zuerst das Dritte Reich und später die RAF. Kann und darf nie wieder passieren!
          Das Bewerbungsvideo der Kandidatin werde ich nicht bewerten, es liegt an den Wählern, wie sie es finden und zu welcher Wahlentscheidung sie kommen. Und sollte sie eine Mehrheit bekommen, haben wir das halt zu akzeptieren.

          0
    1. Früher war es Satire, heute ist es Realität.
      Somit sind Satiriker noch so eine Berufsgruppe, die nicht mehr benötigt wird, ähnlich Programmierer wg KI…

      Wir leben in einer öffentlichen Irrenanstalt, da gibt es für mich nicht mehr den geringsten Zweifel.

      3
  2. »None of the above«
    Diese Möglichkeit wünsche ich mir schon lange bei Bundes- und Landtagswahlen.
    Debian hat damit zumindest einmal auch die Möglichkeit gestärkt aus dieser Führungskrise zu kommen. Ich bin gespannt.

    0
  3. Ich habe es nicht geschafft mir das oben verlinkte Video “Is Debian (and Free Software) gender diverse enough?” bis zum ende anzuschauen… alter Schwede…

    Also wo stehen wir?
    Wir haben eine Kandidatin, die Ihre “Gender Ideologie” wichtiger als alles andere ist
    und einen Kandidat der es Verpennt hat sich rechtzeitig zu bewerben.

    Muss man sich um Debian sorgen machen?

    5
    1. Ich habe auch nach 15 Minuten verzweifelt aufgegeben.
      Die Einleitung war nur extrem schwer zu verstehenden, oder ging es nur mir so?
      Witzig fand ich die Aufregung darüber, dass sie eine andere Form der Sitzordnung und ein Mikro für die Teilnehmer wollte/möchte. Das hätte sie ja eigentlich vorher auch sich wünschen können, wobei es ja ein Mikro gab.
      Für mich klang der vortrag doch sehr unvorbereitet und eigentlich kam es für mich so rüber:
      1. Wir brauchen mehr Frauen oder Queere Menschen in Debian
      2. Ihr müsst mir sagen, was wir machen müssen

      Leider habe ich dann aufgegeben, evtl. hat sie ja anschließend noch Maßnahmen angekündigt.
      Ich bin nicht wahlberechtigt, aber es ist tatsächlich interessant, was sie machen will bzgl. Frauen und Diversität. Wenn sich nicht mehr “nicht Männer” engagieren wollen, hat auch sie vermutlich wenig handhabe.

      2

Kommentar hinterlassen