Code

Init-Systeme: SysV Init und systemd aktualisiert

Vergangene Woche wurden gleich zwei Init-Systeme aktualisiert. In der stabil veröffentlichten Version 260 von systemd wurde die Unterstützung für SystemV-Init-Skripte entfernt. Diese waren bereits länger als veraltet markiert, jetzt folgte schlussendlich die Entfernung des Codes. SystemV-Skripte werden nicht mehr unterstützt und müssen nun auf native systemd-Unit-Dateien umgestellt werden.

Mstack

Ein neues Feature in systemd 260 ist systemd-mstack. Es ermöglicht Mount-Stacks – eine Methode, um OS-Dateisystemhierarchien dynamisch mit Bind- und Overlay-Mounts zu stapeln. Das hilft etwa Immutable-Distributionen, Basis-Images schichtweise zu erweitern, ohne physische Partitionen zu ändern.

AGENTS.md

Dem systemd-Repository wurde eine Markdown-Datei namens AGENTS.md hinzugefügt, um KI-Bots und -Scrapern dabei zu helfen, die Richtlinien für KI-Beiträge besser zu verstehen. Bisher wird bei systemd KI lediglich zur Überprüfung von Änderungen eingesetzt und entsprechende Beiträge müssen entsprechend gekennzeichnet sein.

Altersverifikation

Kurz nach der Veröffentlichung wurde eine Änderung eingeführt, die mit der in den USA und Brasilien fortschreitenden Altersverifikation zu tun hat. Ein neues Feld namens birthdate in der UserDB bereitet systemd auf die diesbezüglichen Regularien vor. systemd selbst erzwingt damit keine Altersgrenzen, sondern stellt lediglich ein standardisiertes Datenfeld bereit, das andere Projekte wie XDG‑Desktop‑Portal sowie Desktop-Umgebungen und Apps für gesetzliche Altersverifikationspflichten nutzen können.

Die Voraussetzung zur Nutzung aller systemd-Funktionen wurde mit v260 auf Kernel 6.6 angehoben. Die zahlreichen weiteren Änderungen können im Changelog nachgelesen werden.

SysV Init 3.16

Für Anwender, die noch SysV Init nutzen, wurde v3.16 dieses Init-Systems veröffentlicht. Darin wurde hauptsächlich die Konvertierung von systemd-Units in SysV-Skripte verbessert. Das erleichtert die Umwandlung von systemd-Dienstdateien in SysV-Init-kompatible Skripte. Ansonsten wurde Code aufgeräumt, die Manpage überarbeitet und die Dokumentation verbessert.

Teilt den Beitrag, falls ihr mögt

6 Kommentare

  1. Hinweis für Nutzer aus Brasilien:
    Dieser Inhalt ist nicht für Minderjährige bestimmt. Da LinuxNews keine
    Altersverifikationsmechanismen gemäß Lei 15.211/2025 [1] bereitstellt, kann
    dieser Artikel für brasilianische Jugendliche als nicht geeignet gelten.
    Sollte im Text eine Spur von Sarkasmus erkennbar sein, ist das nicht
    zufällig.

    Früher gab es endlose Debatten über systemd. Heute scheint es kaum noch
    jemanden aufzuregen, wenn Altersverifikation direkt in Linux – speziell in
    systemd – implementiert wird. Stattdessen fürchten viele eher die
    allumfassende KI, die angeblich die Menschheit knechten will, wenn man sich
    manche Kommentare ansieht. [2]

    Bei der Altersverifikation gibt es nur ein leises Murren. [3] In diesem
    Artikel praktisch gar keines. Einige verlassen sich offenbar auf die Aussage
    des Colorado‑Senators Matt Ball, der vorgeschlagen hat, Open‑Source‑Software
    aus dem Gesetz auszunehmen. Ob das wirklich passiert, steht in den Sternen.[4]

    Dass Brasilien mit der Lei 15.211/2025 bereits Fakten geschaffen hat – ohne
    Ausnahme für Open Source und ohne Rücksicht darauf, ob Inhalte weltweit
    abrufbar sind – scheint kaum jemanden zu interessieren. Vielleicht bleibt am
    Ende nur die Option, brasilianische Nutzer per Geoblocking auszusperren.

    An LinuxNews: Warum nicht mal einen Artikel darüber, wie das schon jetzt
    konkret in Linux umgesetzt wird, wie es sich mit xdg-desktop-portal [5] oder
    auch ohne systemd umsetzen lässt [6]?

    [1] https://www.planalto.gov.br/ccivil_03/_ato2023-2026/2025/Lei/L15211.htm
    [2] https://linuxnews.de/debian-bereitet-erneut-abstimmung-ueber-ki-vor/
    [3] https://linuxnews.de/das-age-verification-gesetz-in-kalifornien/
    [4] https://fosstodon.org/@carlrichell/116201429639953387
    [5] https://github.com/flatpak/xdg-desktop-portal/pull/1922
    [6] https://github.com/elementary/settings-useraccounts/pull/270

    2
      1. Danke für den Hinweis zur Situation in den USA. Ergänzend dazu sollte man jedoch die neue Gesetzgebung in Brasilien (seit dem 17.03.) nicht außer Acht lassen. Sie gilt nämlich weltweit für alle Inhalte, die dort abrufbar sind – unabhängig von der Größe oder Art der Plattform. Genau auf diesen Aspekt wollte ich aufmerksam machen.

        Besonders bemerkenswert – und ehrlich gesagt auch besorgniserregend – finde ich, wie bereitwillig Teile der Linux‑Community die Vorgaben bereits umsetzen, obwohl die rechtliche Lage noch gar nicht abschließend geklärt ist. Dass es dazu bislang kaum Widerspruch gibt, überrascht mich.

        Ich würde das Thema gerne selbst ausführlicher aufarbeiten, aber mir fehlt momentan noch der tiefere technische Einblick, wie die Altersverifikation unter Linux konkret umgesetzt werden soll.

        1
        1. Ich denke, dass Du und Ferdinand hier einen zentralen Punkt beschreibt.

          Selbst hat man nicht ausreichend Ressourcen um überhaupt den ganzen Entwicklungen zu folgen, während die Gegenseite mit absolutem Willen und schier unerschöpflichen Mitteln ihre Agenda verfolgt.

          Während der normale Mensch, sein Leben bestreiten muss, hält sich die Gegenseite eine Armada an gut bezahlten Profis (Thinktanks, NGOs, usw.) für jeden einzelnen Aspekt diese Anliegens. Technisch, juristisch, psychologisch, spieltheoretisch, etc. pp. Hochbezahlte Leute schaffen Euphemismen (“Schutz der Kinder”) auf die sich die Politiker zurückziehen können und mit stoischem Voranschreiten wird es zur Realität. Ich erinnere an den guten alten Juncker: “Wir beschließen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, was passiert. Wenn es dann kein großes Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter – Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt.”

          So läuft das, wessen und welche Interessen das genau sind, bleibt im Dunkeln. Es gibt immer diesen schönen “dual use”, bei dem der positive Aspekt hervorgehoben, während der sehr viel interessantere Aspekt verschwiegen oder negiert wird. Es findet keine breite Diskussion (der ÖRR hätte genug Formate dafür) darüber statt, welche Möglichkeiten diese Mechanismen noch eröffnen.

          Aussagen wie: “Das ist doch abstrus, niemand hat vor, die digitale ID zur Kontrolle der Bürger einzusetzen. Über Verschwörungsmythen muss doch nicht diskutiert werden.”, sind die Regel, obwohl ein banales Beispiel das Gegenteil beweist. Als zu Zeiten von Corona, Gästelisten geführt werden mussten, dauerte es nicht lange und die Rheinlandpfälzische Polizei hat an diesen Interesse angemeldet. Ein aktuelles Beispiel wären die Sonderschulden (meint natürlich “Sondervermögen”) des Bundes, dessen Mittel, wie jetzt das Ifo ermittelt hat, zum größten Teil zweckentfremdet wurde. Gibt es eine Quelle, wird diese erschlossen.

          Das Projekt “Digitale ID” wird in manigfaltiger Weise durchgesetzt. Von “ID 2020” über “digitaler Impfausweise”, “digitaler Euro”, “… mir unbekannte Projekte” und jetzt die “Altersverifikation”, die sich hier geschmeidig in den Reigen der Maßnahmen zur “Digitalen ID” auch bekannt als “Vollständige Kontrolle” einfügt.

          Immer alles schön in Euphemismen verpackt: “Sicherere Zugang zu Impfungen”, “Sicheres Zahlungsmittel. Steuergleichheit. Kein schwarzes oder kriminelles Geld mehr.”, “Schutz der Kinder. Schutz vor digitaler Gewalt. Schutz vor Hass und Hetze.”.

          Am Ende, weil selbst die Anzahl der Projekte und Euphemismen die Bürger schon überfordert, lässt es sich wohl im dem gefälligerer Euphemismus “Unserer Demokratie” zusammenfassen.

          Ich behaupte: Macht verlangt nach mehr Macht und alles das gedacht wird, wird auch gemacht. Da wir Kapital als zentrale Ressource unseres Zusammenlebens akzeptieren, ermöglicht dies irgendwelchen Gruppen, die ausreichend über diese Ressource verfügen, zu bestimmen, wie die Entwicklung (gesellschaftlich wie persönlich) der Menschheit verläuft.

          Bevor das hier als banale Kapitalismuskritik missverstanden wird. Nein, ist es nicht, ich halte es für Missbrauch, wenn ein Mensch seine Mittel dafür einsetzt, sich über einen anderen zu erheben um diesem seinen Willen aufzuzwingen. Des Weiteren bedauere den Umstand, dass die pyramidale/hierarchische Struktur (speziell deren negative Auswirkungen) zwar erkannt, aber statt deren Auflösung, eher deren obere Ende angestrebt wird. Vermutlich alles alte Instinkte, die es, wie ich finde, zu überwinden gelte, aber angesichts der Entwicklungsgeschwindigkeit des menschlichen Geistes gegenüber der schnell wachsenden Mittel zur Beeinflussung dessen (Ausleben der Machtinstinkte), sehe ich da leider keine Utopie.

          0
        2. Da hast Du vollkommen recht.
          Die linux-Community hat sich extrem geändert und leider nicht zum Vorteil.
          Früher wäre dies undenkbar gewesen, da hätte es einen riesen Sturm gegeben,
          heute ist es da kaum eine Notiz wert. Die Community, die früher ganze Firmen
          in die Knie gezwungen hat, ist leider verschwunden. Die alten Pioniere sind müde des ewigen Kampfes und den neuen jungen ist nichts mehr so wichtig um dafür zu kämpfen.

          0

Kommentar hinterlassen