LibreOffice

Österreichs Bundesheer schließt Migration zu LibreOffice ab

Das österreichische Bundesheer hat im vergangenen Jahr die Migration von Microsoft Office zu LibreOffice auf rund 16.000 Arbeitsplätzen abgeschlossen. In einem jetzt veröffentlichten Interview mit der Document Foundation erläutern Verantwortliche des Bundesheers, warum die Entscheidung fiel und wie die Umstellung über mehrere Jahre vorbereitet wurde. Im Mittelpunkt standen dabei weniger die Lizenzkosten als Datenschutz, Unabhängigkeit von externen Diensten und digitale Souveränität.

Office-Suite ohne Cloud-Anbindung gesucht

Die Überlegungen reichen bis ins Jahr 2020 zurück. Anlass war die zunehmende Verlagerung von Anwendungen in die Cloud. Das Bundesheer untersuchte deshalb, welche Garantien Microsoft für einen dauerhaften lokalen Betrieb seiner Office-Suite ohne Cloud-Anbindung geben könne. Anfang 2023 fiel schließlich auf höchster Ebene im Verteidigungsministerium die Entscheidung für LibreOffice. Ziel war, sicherzustellen, dass Daten die eigene Infrastruktur nicht verlassen und die Office-Anwendungen ohne externe Abhängigkeiten betrieben werden können.

Sanfte Migration

Die Migration erfolgte bewusst nicht als harter Schnitt. Zunächst konnten Beschäftigte LibreOffice freiwillig installieren. Rund die Hälfte der insgesamt 16.000 Anwender machte von diesem Angebot Gebrauch. Ab 2023 schrieb das Bundesheer LibreOffice dann in ausgewählten Bereichen verbindlich vor. Im Dezember 2024 wurde die freie Office-Suite schließlich zum Standard für die interne Zusammenarbeit. Damit hatten die Anwender längere Zeit Gelegenheit, sich an Writer, Calc, Impress und Base zu gewöhnen.

Support für die Mitarbeiter

Begleitet wurde die Umstellung durch E-Learning-Angebote und Videos. Kurze „Fast Tracks“ sollten innerhalb von etwa 15 Minuten die wichtigsten Unterschiede und typischen Stolperfallen der einzelnen LibreOffice-Komponenten vermitteln. Überdies veröffentlicht das Bundesheer seit zwei Jahren jeden Montag einen Tipp der Woche im Intranet. Darin greifen die Verantwortlichen Fragen aus der Praxis auf, stellen neue Funktionen vor und erklären Besonderheiten der Bedienung.

Vorbildlich umgesetzt

Ganz im Sinne von Open Source setzt das Bundesheer LibreOffice nicht nur ein, sondern finanziert auch die Entwicklung von benötigten neuen Funktionen, die anschließend in das freie Projekt einfließen. Die Document Foundation kündigt für die kommende Woche einen zweiten Teil des Interviews an. Darin soll es detaillierter um die vom Bundesheer finanzierten LibreOffice-Verbesserungen sowie um Erfahrungen und Empfehlungen für andere Organisationen gehen, die eine vergleichbare Migration planen. Wir werden berichten.

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7 Kommentare

    1. Klasse Idee:
      Wg Datenschutz lieber keine MS-Office zu nutzen, aber MS-Windows als Datenschleuder und “Nach-Hause-Telefonierer” als Unterbau beizubehalten.
      Das ist so, als wenn ich meine Hintertüre fest verriegele, aber den Haupteingang vergesse…

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      1. Da fällt mir doch ein schöner Spruch meines alten Lehrmeisters ein. “Mach langsam, ’s bressiert!” (Auf Hochdeutsch: “Nicht so schnell, es eilt!”)

        Einen Punkt in 10 Meter Entfernung trifft man am besten akkurat, wenn man sich in kleineren Schritten nähert. Beim direkten große Schritt, landet der Fuß vermutlich knapp oder weit neben dem Ziel im Schei … haufen.

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      2. Warum das Ergebnis beim Bundesheer schlecht reden?
        Es ist ein großer Schritt in die richtige Richtung. Und vor Allem offensichtlich gut gelungen, weil die Betroffenen an ihrem Arbeitsplatz ‘abgeholt’ wurden.
        Meine Empfehlung lautet bei derartigen Migrationen immer: “Steckt die eingesparten Lizenzkosten der ersten drei Jahre in die Schulung und Unterstützung der Mitarbeiter.”

        Genau wie im Artikel beschrieben habe ich vor 27 Jahren meine Migration zu Linux begonnen.
        Nach dem Upgrade von WIN95 zu WIN98 traten massive Probleme (nicht nur) mit MS_Works auf. Die Empfehlung lautete ein anderes Office Programm zu installieren. Zur Auswahl standen MS_Office und StarOffice. Da zu diesem Zeitpunkt MS_Office nicht in der Lage war MS_Works Dokumente zu importieren und ich gleichzeitig damit liebäugelte WIN98 den Rücken zu kehren, fiel die Wahl auf StarOffice.
        Es begann auf meinem privaten PC. Nachdem alles sauber lief, war der berufliche PC dran.
        Zuerst Zug um Zug alle Dokumente per C&P zu StarOffice migriert und danach Linux (damals SuSe) installiert. Die Migration der Dokumente hat ca. drei Monate beansprucht. War ja neben der normalen Arbeit zu erledigen. Während dieser Zeit konnte ich mich auf dem privaten PC mit Linux anfreunden. Der Umstieg zu Linux auf dem beruflichen PC war dann an einem Wochenende erledigt.

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