Die Entwicklung des neuen Wayland-Compositors xfwl4 für Xfce schreitet zügig voran. Knapp zwei Monate nach der ersten öffentlichen Vorschau hat Entwickler Brian Tarricone mit Version 4.21.1 nun die zweite Vorschau veröffentlicht. Die neue Version behebt zahlreiche Fehler aus den ersten Tests und ergänzt Funktionen, die bislang gegenüber dem bisherigen X11-Fenstermanager xfwm4 fehlten.
Fenster-Management erweitert
Zu den sichtbaren Neuerungen gehört die Möglichkeit, Fenster horizontal oder vertikal zu maximieren. Neue Tastenkürzel erlauben zudem den Wechsel zwischen Fenstern derselben Anwendung. Auch bei den Eingabegeräten legt xfwl4 nach: Touchscreens lassen sich jetzt gezielt einem bestimmten Bildschirm zuordnen, während Zeigegeräte gedreht und gespiegelt werden können. Beim Verschieben und Ändern der Größe von Fenstern per Tastatur wird jetzt die Tastenwiederholung berücksichtigt.
Ein Schwerpunkt der Entwicklung lag auf dem Fenster-Management. Zahlreiche Korrekturen betreffen den Fokus nach dem Minimieren von Fenstern oder dem Wechsel zwischen Arbeitsflächen, den Modus Focus follows Mouse, modale Dialoge sowie die Stapelreihenfolge und Abhängigkeiten zwischen Fenstern. Auch das Minimieren und Wiederherstellen von Fenstern über mehrere Arbeitsflächen hinweg wurde überarbeitet.
Kompatibilität zu X11-Anwendungen verbessert
Fortschritte gibt es ebenfalls bei der Kompatibilität zu X11-Anwendungen. xfwl4 wertet nun unter anderem Fenster-Icons über WM_HINTS sowie Motif-Hints aus und verarbeitet Anforderungen von X11-Anwendungen zum Wiederherstellen minimierter Fenster. Verschiedene Fehler bei Fokus, Restacking und sogenannten Override-Redirect-Fenstern wurden ebenfalls behoben.
Verbessert wurde außerdem die Behandlung nicht mehr reagierender Anwendungen. Bei einer Aufforderung zum Schließen kann xfwl4 Wayland-Clients anpingen und nach drei Sekunden ohne Reaktion anbieten, die Anwendung zu beenden. Weitere Arbeiten betreffen Bildschirmaufnahmen über wlr-screencopy, Fenster-Icons und Vorschaubilder, das Session-Lock-Protokoll, Sperrbildschirme und die Layer-Shell. Mit der neuen Option --session kann xfwl4 zudem beim Start einen angegebenen Befehl ausführen und bei Bedarf selbst einen D-Bus-Session-Bus starten.
Vorschaucharakter bleibt
Tarricone weist darauf hin, dass xfwl4 trotz der Fortschritte weiterhin Vorschaucharakter besitzt. Beim Testen sollten insbesondere die im README aufgeführten Build- und Laufzeitabhängigkeiten beachtet werden. Der Compositor lässt sich teilweise auch mit älteren Xfce-Komponenten starten, dann stehen jedoch möglicherweise nicht alle Funktionen zur Verfügung. Tester sind ausdrücklich aufgerufen, Fehler zu melden und nach Möglichkeit zu prüfen, ob diese auch im aktuellen Git-Stand auftreten.
