Wem das KDE-Umfeld ein wenig geläufig ist, dem lief vermutlich der Name Blue Systems schon einmal über den Weg. Das deutsche Consulting-Unternehmen, gegründet vom philanthropischen Multimillionär Clemens Tönnies J, beschäftigte über viele Jahre bis zu einem Dutzend prominente KDE-Entwickler.
Techpaladin Consulting
Darunter auch Nate Graham und David Edmundson, die mit der Neugründung Techpaladin die Arbeit von Blue Systems fortführen, soweit es KDE betrifft. Techpaladin übernimmt nicht nur rund ein Dutzend KDE-Entwickler in Lohn und Brot, sondern auch den Vertrag, den Blue Systems mit Valve unterhielt. Somit ist Techpaladin jetzt unter anderem verantwortlich für die Benutzerfreundlichkeit des Steam-Decks im Desktop-Modus, denn hier kommt KDE Plasma als Oberfläche zum Einsatz.
Mitarbeiter-geführtes Unternehmen
Nate schrieb in einem Blogpost bei der Vorstellung des neuen Unternehmens im März, es sei der Wunsch gewesen, eine Genossenschaft (in den USA als Co-op bezeichnet) zu gründen, in der die Angestellten Anteile haben können, wenn sie das möchten. Da Co-ops in den USA aber gesetzlich nicht wirklich klar definiert sind, wurde die Firma als LLC mit mehreren Mitgliedern mit wirtschaftlich proportionalen Eigentums- und Stimmanteilen, zwei anfänglichen Mitgliedern und einem internen Verfahren für diejenigen gegründet, die eine Mitgliedschaft erwerben wollen.
Blue Systems besteht weiterhin und Nate, der sechs Jahre dort gearbeitet hat, betont, es gebe kein böses Blut mit der Firma oder Clemens Tönnies. Vielmehr sei dieser mit dem Vorschlag der Übernahme des Valve-Vertrags zu ihm gekommen, worauf ein einvernehmlich vereinbarter Übergang folgte.
Glücksfall für KDE
Techpaladin mit Nate Graham und David Edmundson am Steuer klingt wie ein Glücksfall für KDE, denn die beiden sind direkter involviert in KDE als dies bei den Verantwortlichen von Blue Systems der Fall war. Zudem stand Blue Systems in der Vergangenheit des Öfteren in der Kritik für einen zu laxen Umgang mit sicherheitsrelevanten Bugs.
Wer mehr über Techpaladin und Nate Graham erfahren möchte, schaut sich ein aktuelles Interview an, das Brodie Robertson mit dem KDE-Tausendsassa führte. Von Blue Systems oder den dort verbliebenen Angestellten gibt es noch keine Aussagen dazu, in welchem Feld Blue Systems künftig tätig sein wird.

Möge Techpaladin genauso unauffällig und wenig eingreifend agieren wie es Blue Systems getan hat. Für die Kontinuität einer freien Gemeinschaft wie KDE braucht es auch Leute die dran bleiben können und das erfordert dann auch mal Gehälter. In diesem Sinne wünsche ich Techpaladin viel Erfolg.
Schade, das sie den Sitz in die USA gelegt haben und nicht in die EU 🙃
Ich kann es verstehen. Es war auch so schon ein großer Schritt, wie Nate eindrucksvoll im Video beschreibt. Er schließt auch einen Umzug der Firma nach Europa oder auch Deutschland (einige Entwickler leben hier) nicht aus, wenn es nötig werden sollte.