Erst kürzlich war zu lesen, dass es dem E-Mail-Client Thunderbird recht gut geht. Die Finanzen stimmen und die noch im Juni erwartete Version Thunderbird 102 bringt ein lange gefordertes neues Adressbuch und weitere interessante Neuerungen. Zudem steht erstmals eine Android-App namens Thunderbird Mobile auf dem Zettel der Entwickler, über die bisher wenig bekannt war.
K9 wird zu Thunderbird Mobile
Heute wurden dann im Thunderbird-Blog nähere Einzelheiten bekannt. Demnach gehen Thunderbird und der bekannte Android-E-Mail-Client K9 zusammen. K9 ist ab sofort ein Teil von Thunderbird, der Projekt-Maintainer Christian Ketterer (aka “cketti”) ist jetzt Vollzeit-Angestellter im Thunderbird-Team. Im weiteren Verlauf wird K9 zu Thunderbird on Android werden und dessen Branding annehmen.
Lange geplant
Gespräche der Entwickler beider Projekte gab es seit 2018. Dabei wurden die tragenden Säulen einer möglichen Kooperation schnell klar: Das Endprodukt sollte die gemeinsamen Werte beider Projekte widerspiegeln, es sollte quelloffen sein, offene Standards und einen ebensolchen Entwicklungsprozess unterstützen, den Nutzer respektieren und perfekt zu Power-Usern passen, die sich nach Anpassungen und einem ausgewogenen Funktionsumfang sehnen.
Roadmap
Bis es so weit ist, soll K-9 Mail an den Funktionsumfang und das Erscheinungsbild von Thunderbird angepasst werden, es sollen neue Funktionen und Verbesserungen eingeführt werden. Auf der Roadmap stehen unter anderem:
- Kontoeinrichtung mit automatischer Thunderbird-Konto-Konfiguration
- Verbesserte Ordnerverwaltung
- Unterstützung für Nachrichtenfilter
- Synchronisation zwischen Desktop und mobilem Thunderbird
FAQ
Eine separate Seite mit FAQ beantwortet Fragen, die in der letzten Zeit an das Team herangetragen wurden. Dabei geht es unter anderem um die Fragen, wie die, warum Thunderbird nicht einen eigenen mobilen Client entwickelt hat oder ob dieses Zusammengehen auch Einfluss auf Thunderbird für den Desktop haben wird. Auch im Blog von K9 wird das Zusammengehen angekündigt.

Auch wenn ich Thunderbird nutze auf dem Desktop und sehr schätze, so wird es doch auf dem Smartphone nur wenige Nutzer finden. Denn auf den meisten Smartphones sind eigene E-Mail Client vorinstalliert. Bei Samsung und co. Die Devices mit custom roms sind dann noch Nieschen.
Neue Apps zu installieren ist auf dem Smartphone meines Erachtens noch einfacher als bei Desktop-Betriebssystemen.
Wird kaum jemand machen. Wieso auch?
Ich habe jahrelang K9 benutzt, bin dann aber zu FairMail gewechselt, weil K9 den Zwang zum gemeinsamen Posteingang eingeführt hat. Wenn diese Änderung wieder rückgängig gemacht würde, könnte ich mir einen Wechsel zurück zu K9 bzw. TB vorstellen. Ansonsten bleibe ich bei FairMail.
Das ist doch gar nicht so. Ich habe vier verschiedene Postfächer auf dem K9 Mail konfiguriert und kann sie alle für sich allein lesen und bearbeiten.
Ist bei mir auch so, einzeln verwaltbar.
Dann wurde die Änderung anscheinend wieder rückgängig gemacht 🙂
Wie soll das denn funktionieren?
Pflegt man dann 2 komplett unterschiedliche Codebasen die lediglich gleich aussehen und auf den Namen Thunderbird hören, aber vom Unterbau total verschieden sind?
So wie ich das verstehe, sind das zwei verschiedene Projekte, die ein ähnliches Aussehen bekommen(K9 bekommt den Thunderbird Look). Eine Portierung des Codes ist wahrscheinlich deutlich aufwändiger. Dazu müsste man erst einmal die Personen haben, die das machen bzw. das Geld die zu bezahlen.
Ich fand K9 gut, so lange ich noch einen Mailclient auf dem Smartphone benutzt habe. Das Rebranding wird mit Sicherheit nicht so viel ändern bis auf das erwähnte. Aber IMHO ein Schritt in die richtige Richtung.
Irgendwie hätte ich eher erwartet das die Thunderbird Code-Basis nach Android portiert wird. Hier wird ja einfach nur ein neues Etikett aufgeklebt. Da gibt es eben keinen neuen Mitbewerber für E-Mail unter Android.
> Da gibt es eben keinen neuen Mitbewerber […]
Mitbewerber um was?
Dann eröffne ich mal das Buffett.
Finde ich eine interessante Symbiose oder Joint Venture (wie auch immer Mann das nennen mag).
Kräfte bündeln. Die Gründe sind vermutlich klar und nachvollziehbar.
Für mich macht das von außen betrachtet als Outsider erst einmal Sinn.
Jetzt haue ich noch einen raus (soll ja auch Diskussionsstoff geben). Wenn die Distributionen das auch mal machen würden.
Konkurrenz belebt das Geschäft. Fehlt sie, kommt ein Trabant heraus – oder für unsere indischen Freunde ein Hindustan Ambassador.
> Konkurrenz belebt das Geschäft.
Welches Geschäft?
Wenn die Konkurrenz zu sehr zersplittert, kommt ein großer Fisch und frisst die Winzlinge auf.
Um einen Autovergleich zu haben: Manche Elektroauto-Startups verschwinden kurze Zeit nach Gründung wieder vom Markt während der alte Dinosaurier Volkswagen (auch durch Übernahmen) sein Portfolio bei Elektroautos immer weiter ausbaut.
So geschehen mit dem e-go (https://e-go-mobile.com), mittlerweile bieten die wieder an, zwischendurch waren sie Pleite, weil ihnen nach dem eigentlich guten Start “Dieselgate” dazwischen kam und – wen wundert’s – die Zulieferer plötzlich größere Kunden zu bedienen hatten.
Mit einem K-9 Mail als Basis für Thunderbird auf dem Desktop würde ich vielleicht wieder zu Thunderbird zurückkehren. Das Problem mit nach einiger Zeit kaputt gehenden Profilen und der damit nötigen Neueinrichtung hat Thunderbird noch immer.
Sehe ich auch so, die Kräfte zu bündeln ist sinnvoll, unter zu wenigen Alternativen leiden wir an ganz anderen Stellen. Bei mobilen Betriebssystemen, Firmware/Treibern, Hardware ganz allgemein, CPUs, Chipsätzen usw. Ein gemeinamer E-Mails Client mit K9 nur für Android wird wohl kaum den “Markt” dominieren. Hoffentlich, werden die anderen mobilen Betriebssysteme mit Linux Kernel auch davon profitieren!