TUXEDO Computers, Hersteller von Linux-Notebooks und -PCs aus Augsburg, hat die vor 18 Monaten begonnene Entwicklung eines Linux-Notebooks, auf der Basis des Qualcomm Snapdragon X Elite SoC, über die wir im Juni 2024 berichtet haben, zumindest eingefroren, wenn nicht gar eingestellt. Zu den Gründen hat TUXEDO einen Blogbeitrag veröffentlicht.
Schwierige Entwicklung
Darin heißt es, dass die Entwicklung sich aus verschiedenen Gründen schwieriger gestaltet als unter x86. Effizienzvorteile, die ARM in mobilen Geräten bietet, schlagen sich im Linux-Ökosystem bislang nicht voll nieder, etwa wegen fehlender oder unzureichender Treiberunterstützung für spezifische Hardwarekomponenten. Das bedeutet, dass die ansonsten großen Stärken von ARM bei Notebooks bisher nicht voll zum Tragen kommen. Im Gegensatz zu x86, wo UEFI-basierte Bootprozesse, BIOS-Updates und Hardwaresteuerung gut standardisiert und von Linux umfassend unterstützt sind, fehlen diese bei ARM oft. Die Entwickler müssen dann auf Reverse-Engineering zurückgreifen oder lange Entwicklungszyklen abwarten.
Ungewisser Erfolg
In Anbetracht der Tatsache, dass noch mehrere Monate Entwicklung mit letztlich ungewissem Erfolg bevorstehen und mit dem Snapdragon X2 Elite bereits der Nachfolger des SoCs in den Startlöchern steht, beschloss das Unternehmen, die Entwicklung an dieser Stelle zumindest einzufrieren. Nach Evaluierung des Nachfolgers auf seine Linux-Tauglichkeit im nächsten Jahr besteht die Chance, die Entwicklung wieder aufzunehmen. Dabei spielt auch eine Rolle, wie viel der bisherigen Entwicklung wiederverwendet werden kann.
Qualcomm nicht hilfreich
Ein weiterer Blocker war wohl Qualcomm selbst. Trotz gegenteiliger Aussagen scheint es sich um eine reine Windows-Veranstaltung gehandelt zu haben, mit der Microsoft der Überlegenheit von Apple im ARM-Markt etwas entgegensetzen wollte. Während in Qualcomms Dev-Blog von Linux-Unterstützung die Rede war, endeten Nachfragen bei Qualcomm-Ansprechpartnern mit der Aussage, Linux werde nicht unterstützt.
Entwicklungsergebnisse in Mainline
Tuxedo bedankt sich hingegen ausdrücklich beim ARM-Spezialisten Linaro für die gute Zusammenarbeit und verkündet, dass der während der Entwicklung erstellte Device Tree in den Mainline-Kernel eingebracht werden soll und so zur Linux-Unterstützung kompatibler Geräte wie dem Medion SPRCHRGD beitragen und damit der Community für weitere Entwicklungen zur Verfügung stehen soll.
Hintergrund: Was ist ein Device Tree?
Der Device Tree spielt bei der Linux-Entwicklung auf ARM eine zentrale Rolle, während seine Bedeutung bei x86 deutlich geringer ist. Der Device Tree ist eine Datenstruktur zur Beschreibung der Hardware, die es dem Kernel ermöglicht, beim Booten zu erkennen, welche Komponenten verbaut sind und wie sie angesprochen werden sollen. Auf ARM-Systemen ist der Device Tree meist zwingend erforderlich, weil diese Systeme oft sehr unterschiedlich aufgebaut sind und keine einheitliche Firmware existiert, die dem Kernel alle Hardwaredetails bereitstellt.
Bei x86-Systemen übernimmt diese Aufgabe typischerweise das BIOS, genauer gesagt insbesondere das ACPI-Interface (Advanced Configuration and Power Interface). ACPI stellt dem Betriebssystem eine standardisierte Schnittstelle zur Hardware-Erkennung und -Konfiguration zur Verfügung. x86-Hardware folgt überwiegend einem einheitlichen Aufbauschema, und standardisierte Konfigurationstabellen erlauben dem Kernel, die benötigten Ressourcen zu entdecken und automatisch zuzuweisen.
Die Basis eines Device Tree ist eine Device Tree Source (DTS) Datei, die hardware-spezifische Informationen in einem lesbaren Textformat beschreibt. Eine DTS-Datei beschreibt die Hardware als Baumstruktur mit Knoten (Nodes) und Eigenschaften (Properties). Diese DTS-Datei wird mit dem Device Tree Compiler, der Teil des Linux-Kernels ist, in eine binäre Device Tree Blob (DTB) Datei kompiliert. Wenn der Entwickler Glück hat, kann er eine DTS-Datei von einem ähnlichen Gerät anpassen, oft genug beginnt er aber bei Null.
Wie ein solcher Device Tree aufgebaut ist, zeigt dieser Beitrag auf der Kernel-Mailingliste.

Ich habe 2020 einen Tuxedo-Rechner gekauft und war zufrieden. Wie die meisten Rechner von den Augsburgern war es ein Clevo (gibt es aber auch auf laptopswithlinux.com) . Vor einigen Jahren hieß es, Tuxedo wird Clevo-Rechner mit coreboot Open-Source-BIOS rausbringen (ähnlich wie System76) – aber auch das wurde eingestellt. Stattdessen hat man einen eigenen Ubuntu-Fork entwickelt, was meines erachtens Unsinn und Resourcen-Verschwendung ist (nur zur Info: ich benutze Debian). Dieses Jahr musste ich einen neuen Rechner kaufen und für mich war klar, dass es einer mit coreboot sein wird. Also stand NovaCustom (Clevo mit coreboot) oder StarLabs StarFighter zur Auswahl (entwirft Rechner selbst, alle mit coreboot): ich habe mich für letzteren Entschieden und auch noch den Byte (Mini-PC) bestellt. Den Byte habe ich bereits erhalten und bin sehr zufrieden. Ich werde in Zukunft nur mehr Rechner mit coreboot kaufen und somit keine Tuxedo.
Die Implementierung von Coreboot wurde nicht aufgegeben. Derzeit sucht Tuxedo einen Coreboot-Entwickler. Falls du jemanden kennst…
Da wäre vielleicht FrameWork auch interessant gewesen.
Ich bin mir nicht ganz sicher was da bei Auslieferung drauf ist, aber für Coreboot ist mMn ein Port da.
Klar, wenn du alles fertig haben möchtest, ist das nicht die Alternative.
Ich glaube auch, dass Tuxedo hier seriöse und ehrenhafte Pläne hat, aber die Umsetzung nicht wirklich einfach ist.
Das können meist nur größere Hersteller/Händler leisten.
Besser sie liefern gleich RiskV Geräte aus 🙂
Danke für den Artikel.
Das wäre natürlich ein echtes Highlight gewesen, wenn es eine Tuxedo Geräteserie mit ARM Architektur gegen würde. Man geht bei sowas auch ein großes wirtschaftliches Risiko ein, weil man auch nicht vorhersehen kann, wie das sich das am Ende rechnet. Dazu ist imho Tuxedo zu klein, um mit z.B. Lenovo, oder Samsung mithalten zu können. Schade.
Möglicherweise wäre auch eine Kooperation mit einem Hersteller/Auftragsfertiger machbar. Bsp. Framwork. Dazu muss dann eben auch das ganze Ökosystem mit Service etc. drum herum passen. Meine Meinung.
Tuxedo hat keine Schwierigkeiten ein Gerät mit ARM Architektur zu bauen. Das Gerät ist auch schon 18 Monate fertig. Die Schwierigkeit besteht vielmehr darin, es mit vorinstallierten Linux auszuliefern und zwar so, dass auch die Kundschaft in den Genuss der ARM spezifischen Vorteile wie z.B. längere Laufzeiten kommt. Das ist etwas, dass Lenovo, oder Samsung erst gar nicht probiert und daher sind sie, die ARM Architektur betreffend, auch keine direkten Konkurrenten zu Tuxedo.
Tuxedo ist auch keine Firma wie Purism, die Hardware produziert und es dann der Kundschaft überlässt sie zum Laufen zu bringen. Die Kundschaft von Tuxedo will funktionierende Geräte.
Die ARM Architektur stellt einen Markt da und es wäre gut, dass endlich auch Hersteller mit Linux als OEM daran teil nehmen können. Aber genau hier blockieren seit langem die Hersteller von ARM-Chips, wie man unschwer bei den Smartphones feststellen kann.
Es gelingt dann zwar mittels Reverse Engeniering die Geräte teilweise auch mit Linux zum Laufen zu bringen, wie dies posmarketOS und Asahi Linux demonstrieren, von einer Wertschöpfung bleiben solche Unternehmungen jedoch ausgeschlossen.
Wahrscheinlich hat sich Tuxedo nur deshalb auf die Reise begeben, weil diesmal Qualcomm Linux-Unterstützung versprochen hatte. Nun, es ist wohl eher der Einfluss von Firmen wie Apple, Microsoft und Google die dies bislang erfolgreich verhindern.
\\Edit: Sorry ich meinte nicht purism sonder die Firma Pine64, die darauf spezialisiert zu sein scheint, Hardware zu produzieren, die dann die Kundschaft zum Laufen bringen soll.
Pine produziert keine HW. Auch hier kommt wieder der Auftragsfertiger zum Einsatz!
FrameWork ist kein Auftragsfertiger!
Schade. Es wäre schön, wenn es dann mit dem X2 klappt. Schwer wird es allerdings, wenn Qualcomm daran kein Interesse hat. Ob der Wechsel von Hans de Goede zu Qualcomm eine Änderung bedeutet?
Da würde es eher helfen, wenn Lenovo käme und erklären würde, dass man gerne Linux-Unterstützung hätte und dann 100.000 CPUs kaufen würde.
Valve wirds auch hier wieder machen. Denn was bringt ein Linux auf ARM ohne Systemseller? Valve bringt mit FEX die komplette Steam-Bibliothek zu ARM und die Steam-Machine kommt mit Steam-Frame und vielleicht Halflife 3. Das geht nächstes Jahr durch die Decke.
Schade, aber nachvollziehbar. Ich hoffe, dass Qualcomm da nachliefert, spätestens mit der nächsten CPU-Generation und Unterstützung von z.B. Hans de Goede, der ja von Red Hat zu Qualcomm gewechselt hat. Gut unterstützte Alternativen sind immer wichtig und sinnvoll.
https://www.golem.de/news/fuer-kernel-und-hardware-zustaendig-linux-entwickler-verlassen-red-hat-2511-202352.html
Da würde ich nicht unbedingt darauf wetten. Qualcomm will vermutlich in erster Linie Server-Prozessoren bauen. Linux-Notebooks dürften, wenn überhaupt, nur ein Nebengeschäft bleiben, um mit eigentlich für Windows-Geräte gedachten CPUs noch etwas mehr zu verdienen. Aber auch das wird es nur geben, wenn sich der Aufwand für die erwarteten Stückzahlen lohnt.