Linus Torvalds

Vertiefende Informationen zur Entfernung russischer Entwickler aus der Maintainer-Liste des Kernels

Die Entfernung russischer Maintainer von der Liste der Kernel-Entwickler vor einigen Tagen schlug hohe Wellen und machte allen, die sich dessen bisher nicht bewusst waren, klar, dass die Weltpolitik auch Freie Software nicht ausschließt. Die Art und Weise, wie die Entfernung angekündigt und umgesetzt wurde, erscheint alles andere als ideal und befeuerte die Diskussionen um das Thema weiter.

Schlecht kommuniziert

Zunächst hatte Greg Kroah-Hartman, Torvalds’ Nummer Zwei, mit dem Hinweis auf »verschiedene Compliance-Anforderungen« die Entfernung von 12 Maintainern aus der Maintainer-Liste des Kernels kund getan. Die aufkommende Kritik an der Art und Weise der Umsetzung bügelte Torvalds zwei Tage später ziemlich barsch ab, was auch nicht zur Beruhigung der Gemüter beitrug.

Weitere Informationen

Jetzt hat sich Linux-Entwickler-Urgestein James Bottomley zu Wort gemeldet und trägt weitere Informationen zum besseren Verständnis der Situation bei. Die offiziell ausgeschlossenen russischen Entwickler oder ihre Arbeitgeber stehen alle auf der SDN Liste (Specially Designated Nationals) der US-Ausländerbehörde OFAC. Diese Behörde veröffentlicht regelmäßig eine Liste ausländischer Personen und Unternehmen, bei denen festgestellt wurde, dass sie gegen die US-Sanktionen unter anderem gegen Russland, Syrien oder den Iran verstoßen. Die Grundlage bildet die Executive Order 14071 von Präsident Biden aus dem Jahr 2022.

Eine Zusammenfassung der Richtlinien, denen die Kernel-Entwicklung in dieser Sache unterliegt, lautet:

Wenn Ihr Unternehmen auf der OFAC SDN-Liste der USA steht, einem OFAC-Sanktionsprogramm unterliegt oder sich im Besitz bzw. unter der Kontrolle eines Unternehmens auf der Liste befindet, unterliegt unsere Fähigkeit zur Zusammenarbeit mit Ihnen Einschränkungen und Sie können nicht in die MAINTAINERS-Datei aufgenommen werden.

Sanktionierte russische Arbeitgeber

Zumindest bei einem Teil der entfernten Entwickler ist bekannt, dass sie für russische Unternehmen arbeiten, deren Erzeugnisse für die Kriegsführung Russlands gegen die Ukraine eingesetzt werden könnten. Das trifft etwa auf Serge Semin zu, der seine Sicht der Dinge ausführlich kommentiert hat. Er arbeitete für den russischen Chip-Produzenten Baikal. Patches von Sermin für den Networking-Stack des Kernels wurden bereits vor 18 Monaten abgelehnt.

Kein Spielraum

Die Tatsache, dass die Linux Foundation als Schirmherr des Kernels und Arbeitgeber von Linus Torvalds und Greg Kroah-Hartman in dieser Sache keinen Millimeter Spielraum hat, sollten sich einige der Kommentatoren im Netz und auch hier im Blog einmal klarmachen. Es bringt nichts, den Untergang Freier Software und den Ausverkauf von Torvalds an die Regierung zu kritisieren. Es könnte sogar noch schlimmer kommen, denn die zuständigen Behörden könnten theoretisch auch die Entfernung der Patches dieser Personen fordern. Dann wäre der Schaden riesig.

Fazit für mich bleibt zunächst, dass die Angelegenheit schlecht kommuniziert wurde, andererseits gab es aber vielleicht auch Zwänge, die zu diesem Vorgehen führten. Bitte bleibt in den Kommentaren sachlich beim Thema, alle Kommentare, die das Thema ausweiten, werden gelöscht.

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42 Kommentare

  1. Hier übrigens noch ein kurzer Artikel von Telepolis zur OFAC, also der US-amerikanischen Behörde, auf deren Druck wohl laut Zusammenfassung die ganze Sache ins Rollen kam:

    https://www.telepolis.de/features/Ofac-Die-maechtigste-US-Behoerde-von-der-Sie-nie-gehoert-haben-9994719.html

    Und dieser Artikel fasst den “Vorfall” nochmals zusammen:

    https://www.telepolis.de/features/US-Sanktionen-im-Linux-Kernel-Neben-Russland-viel-mehr-Akteure-betroffen-9994502.html

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  2. Dann wäre es an der Zeit, den Sitz der Linux Foundation in ein neutrales Land zu verlegen z.B. in die Schweiz wie das bei der RISC V Foundation der Fall ist. Das finden die USA auch nicht toll – aber können nichts dagegen tun. Die Souveränität der USA – einschließlich die Möglichkeit, Sanktionen gegen Organisationen und Einzelpersonen zu verhängen – endet an ihren Grenzen. Es mag sein, daß sich Deutschland irgendwie innerhalb dieses Dunstkreises befindet so daß man das nicht so wahrnimmt – es gibt aber auch ein Außerhalb.

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          1. Wenn Deine Überlebensfähigkeit von meinen Zuwendungen abhinge … Wobei Du dann im Gegenzug wieder die Freiheit gewinnen würdest, von mir unabhängig zu entscheiden.

            Das Fatal bezog sich natürlich auf die Freiheit, die unumgänglich aufgegeben wird, wenn man sich in finanzielle Abhängigkeit begibt.

            Vielleicht war ich auch zu missverständlich, meine Fragestellung bezieht sich darauf, ab welchem Grad der Zuwendung jemand/etwas nicht mehr frei in seiner Entscheidung ist. Die schiere Feststellung “Auch Entwickler müssen von was leben” ist nicht die Antwort, sondern Teil der Problemstellung.

            Ich persönlich denke mittlerweile, dass man Freiheit nur erreichen kann, wenn man radikal frei von Finanziellem bliebe. Ja ich weiß … betrachte es als Gedankenexperiment. Ich bin schlicht interessiert am Verhältnis von “Freiheit vs. Kapital (kapitalistischer Ordnung)”. Wenn Du da was hast, nur zu. Danke.

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          2. Auch auf die Gefahr hin zu langweilen, möchte dennoch ein Anekdote zu Besten geben, die für mich sehr aufschlussreich war.

            In meiner Freizeit arbeite ich ehrenamtlich für einen Verein, der Hilfe für Angehörige psychisch erkrankter Menschen anbietet. Website, Datenbank mit Hilfsangeboten, etc. Ein Haufen Zeug, dass einen Haufen Zeit verschlingt. Mein Engagement ist und war von Anfang an frei. Frei von Ansprüchen und Forderungen, im speziellen finanzieller Natur (inspiriert von “Frei sein!”).

            Einzig die aus meiner Sicht sinnvolle Anwendung meiner Fähigkeiten ist für mich Motivation und Befriedigung. So war es kommuniziert und alle fanden es toll (natürlich auch angesichts knapper Kasse).

            [spoiler title=”Kappe Kasse”]Was schon ein erster Hinweis darauf ist, was in einer kapitalistischen Ordnung einen “Wert” hat. Das Engagement dieses Vereins – das mehr humanistischer Natur ist – nicht. Bezeichnender Weise kümmert sich der Verein um den “Müll”, den diese Ordnung anhäuft, aber mit stoische Ignoranz schlicht übersieht. [/spoiler]

            Als es im Zuge der “Coronakrise” staatliche Zuwendungen, in Form von “Digitalisierungshilfe” gab, wurde an mich herangetragen, dass dies doch eine Gelegenheit sein, mir etwas finanzielle Kompensation zuteil werden zu lassen. Mit Verweis, auf den, wie ich dachte längst verstandenen, Punkt der Freiheit meines Engagements, lehnte ich ab, bzw. weigerte mich auch, “einfach so” einen Rechnung auszustellen, denn es sei doch “geschenktes Geld”.

            Meine Argument, dass meine Leistung ja überhaupt keine Kosten, die es mit staatlicher Hilfe zu kompensieren gilt, verursacht und man sie aus diesem Grund auch (völlig “verlustfrei”) nicht in Anspruch nehmen müsse, hat das Fass der Verständnisfähigkeit zu überlaufen gebracht.

            Es herrschte völliges Unverständnis und Ratlosigkeit über diese Position und letztlich fand sich (nach emsigen Suchen und Energieaufwand) doch jemanden, der eine Rechnung stellte … einzig damit das “geschenkte Geld” nicht an einem vorüberzieht.

            Da habe ich verstanden, welchen Einfluss die kapitalistische Ordnung auf das Denken übt und wie abstrus und sonderbar mein Verhalten (bzw. der Begriff der Freiheit bzw. freie Leistung/Software) wahrgenommen wurde und wird. Gleichzeitig dazu, wurde mir schlagartig klar, welcher Sinn beziehungsweise welche Absicht in der “GNU General Public License” steckt.

            Auch auf Grund dieser Erfahrung bin ich an einer Erörterung dieser Konstellation (Kapital vs. Freiheit), interessiert und für jeden erhellenden Beitrag dankbar.

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              1. Hoffentlich, den im wesentlichen ist dies doch eine sehr intime und inwendige Angelegenheit. Habe ich Überzeugungen (die sich nach reiflicher Evaluierung auch gerne ändern dürfen) und stehe zu diesen bzw. handle danach oder nicht. Es ist die persönliche Integrität.

                Dem Status Quo entsprechend, lautet meine Antwort, dass ich mir durch meine Tätigkeit als Entwickler die finanzielle Freiheit erarbeite, um diese Überzeugung (bezogen auf mein Ehrenamt) schmerzfrei ausleben zu können.

                Wobei dieser Satz das (mein) ganze(s) Dilemma schonungslos offenbart. An Formulierungen wie “finanzielle Freiheit” oder “Freiheit erarbeiten” kann man wunderbar erkennen, auf wie natürliche Weise, die Ökonomie, selbst den Begriff und das Wesen der Freiheit okkupiert bzw. ganz natürlich für sich in Anspruch nimmt, auch diesen Aspekt des Lebens in sich einzubetten und ihren Regeln zu unterwerfen. Und ich persönlich mich deren kaum entziehen kann und das das “schmerzfrei” auf einen Mangel an Validierung schließen lässt.

                Wenn nun diese äußeren Einflüsse (mit ganz eignen Interessen, wahrscheinlich konträr zu idealistischen oder humanistischen Interessen), die inwendigen Prozesse der Integritätsfindung derart unter Druck setzen, dass ein lapidares “Es ist nun mal eine Notwendigkeit, dass in dieser (besten aller) Ordnungen jeder Geld verdienen muss” zur befriedigenden Antwort wird, dann ist dies einzig ein Beleg dafür, wie unheimlich stark und umfassend, diese Einflüsse bereits wirken (können).

                “Auch ein Entwickler muss leben können” ist letztlich nicht mehr als eine Binsenweisheit in Anerkennung der aktuellen Ordnung.

                Stallman war das schon vor mir klar und er hat das einzig richtige getan, indem er zu einem in der Ökonomie anerkanntem Mittel, einer Lizenz, gegriffen hat.

                Wie es nun aber offensichtlich wird, hat diese Schutzmaßname Grenzen. Während Idealismus oder Freiheit einfach sind, unterliegt die kapitalistische Ordnung einer Progression an stetig zunehmender Konzentration von Macht und Möglichkeiten zur Einflussnahmen. Werden diese Karten gespielt … “bleibt kein Auge trocken, um es mal salopp auszudrücken” (frei nach Erika Fuchs, der ersten Übersetzerin der “Donald Duck” comics).

                Es wäre also an der Zeit neue Schutzmaßnahmen zu ersinnen, um für die nächste Runde die bestmögliche Freiheit (Womit nicht echte Freiheit, sondern ein möglichst einflussresistenter Zustand, gemeint ist) von z. B. Software sicherzustellen. Daher meine aktuell vorherrschende Idee, der radikalen Abkehrung von Finanziellem. Keine Stiftung, keine Konten, keine Angriffsfläche. Zur Frage des “Wie” kann ich aktuell leider nichts beitragen, außer der regelmäßigen Spende an unterschiedliche Projekte (nicht nur Software).

                Danke Ferdinand!

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                1. Danke Matthias!

                  Das “Paket” (Die Fragestellung) aufschnüren, um zu schauen was sich alles darin befindet, wäre sicher ein lohnender und erhellender Diskurs. Schön Schütteln lässt erahnen, welch bunter Strauß darin verborgen sein muss … vermutlich – so meine Arbeitshypothese – wird eine Teilmenge davon auf den Punkt zulaufen, dass egoistische Motive, getrieben und befeuert mit ökonomischen Mitteln, die humanistische Entwicklung sabotieren.

                  Eigentlich ein schönes Thema um in gemütlicher Atmosphäre etwas drüber zu sinnieren … schade 🙂

                  Schönen Tag noch.

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      1. Ich würde es sehr bevorzugen, wenn freie und quelloffene Projekte Fördermittel der DARPA grundsätzlich ablehnen würden. Schon die Mitarbeit am Kernel sehe ich kritisch, würde ich aber nicht verbieten (wo fängt man da an, siehe Thema des Treads / des Betrags).

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  3. Danke für die Klarifizierung, da der letzte Artikel, wie man den Kommentaren entnehmen konnte, doch einigen Kontext vermissen ließ.

    Die Tatsache, dass die Linux Foundation als Schirmherr des Kernels und Arbeitgeber von Linus Torvalds und Greg Kroah-Hartman in dieser Sache keinen Millimeter Spielraum hat, sollten sich einige der Kommentatoren im Netz und auch hier im Blog einmal klarmachen.

    Dann müsste sich die Foundation halt in ein politisch weniger restriktives Land absetzen, in welchem dem grundlegenden Prinzip freier Software (jeder kann mitmachen) seitens der Politik weniger Steine in den Weg gelegt an den Kopf geworfen werden.

    Welche Länder dazu in Frage kämen, wird sicher jeder anders beurteilen, aber das derzeitige ist in meinen Augen angesichts dieser Repressalien für ein solches Projekt nicht haltbar – wie “Gnome Knecht” schon so treffend als Kommentar unter dem Original-Artikel schrieb: Wenn das so weitergeht, steht Torvalds dann irgendwann mit den letzten 5 Leuten von “erlaubten” Arbeitgebern aus “erlaubten” Ländern vor seinem Projekt und wundert sich, wieso es in der Bedeutungslosigkeit versinkt.

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  4. So wie ich das sehe gibt es kein zurück mehr. Linus Torvald hat frei entschieden sich dem voelkerrechtswidrigen (gemaess UNO Charta) Saktionsregime der USA zu unterwerfen. Auch wenn man mit beschwichtigenden Worten sich zu beruhigen versucht, bleibt die Tatsache bestehen, sich nicht offen dagegen gestellt zu haben. Man vergleiche mal Linus Torvald mit Ed Snowden , beides exzellente IT Experten, aber mental Welten dazwischen.

    Linus Torvald hat etwas verspielt was man mit noch sovielen Dollars nicht kaufen kann: Glaubwuerdigkeit, Achtung und Vertrauen. Ab diesem Entscheidungsdatum ist damit ein Prozess des weltweiten Umorientierens in Gang gesetzt worden, der nicht mehr aufzuhalten ist. Man sollte davor auch keine Angst haben, gilt es doch auch hier die saturierten und teilweise morbiden Mentalitaeten in der US dominierten IT Welt hinter sich zu lassen. Das Starren auf einen Erlöser haelt eher von der Eigeninitiative ab, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen und die IT Welt neu mit zu gestalten. Die IT ist zu wichtig als das man sie nur wenigen Entscheidern und Marktmonopolisten mit ihren Lobbyorganisationen ueberlaesst.

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  5. Ob den sanktionierenden US-Behörden überhaupt klar ist, dass man auch den Kernel Forken kann? Man kann mit diesen Maßnahmen Huawai daran hindern seine Produkte in der USA zu verkaufen, aber die Entwicklung hält man dadurch trotzdem nicht auf.

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  6. Es ist sicher nicht der Untergang von freier Software, aber das Ende des Vertrauens in einen unabhängiges Betriebssystems, also des Linux-Kernels in seiner bisherigen Form. Jetzt ist klar, dass er jederzeit ein Spielball in den Händen der USA ist und von der dortigen Gesetzgebung abhängig.

    Man sollte schauen, dass man diese Abhängigkeit für alle Zeiten unterbindet. Und wenn es tatsächlich stimmt, dass auch Huawei-Entwickler mit der gleichen Begründung geblockt wurden, ohne dass es überhaupt konkret handfeste, durch Dritte überprüfbare Beweise gegen diese durch die USA (und anderen, in Teilen auch DE) sanktionierte Firma gibt, dann sieht man, wohin die Reise geht.

    Und ja, auch wenn freie Software in russischen Waffen verwendet wird, was denkt ihr denn, was in westlichen Waffen so an Software werkelt, die auch in der Lage sind, gegen weiche und sonstige Ziele eingesetzt zu werden und auch schon wurden?

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      1. Die Frage ist doch, welchem Recht sollte man sich unterstellen und warum überhaupt? Heute ist es Russland, morgen China und übermorgen ein anderer Staat, gegen den sanktioniert wird, aus Gründen, die mit freier Software nichts zu tun haben sollten.

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          1. Nö, als deutscher Staatsbürger in einem mittlerweile wiedervereinigtem Land mit bekannte(r|n) Vergangenheit(en) sehe ich das etwas differenzierter.

            Abgesehen davon reden wir von Software. Software ist an sich erstmal neutral. Ich kann z.B. mit P2P-Tools ganz legal Daten tauschen, was eine illegale Nutzung durch andere allerdings nie ausschliesst. Wie bei jedem anderen Werkzeug auch.

            Was haben also die russischen Kernel-Patch-Entwickler falsch gemacht, ausser im falschen Land zu leben und bei der “falschen” Firma zu arbeiten? Also doch nichts illegales, oder was stand da in den Patchs drin? Hier schwingt sich ein Land mit seiner Gesetzgebung dazu auf, über alles mögliche zu entscheiden, wobei für die Mehrzahl der Menschheit diese Entscheidungen nicht bindend sind, da sie in ganz anderen Ländern mit anderen Gesetzen etc. leben. Das die Politik in einem Land evtl. etwas in Gang bringt, was anderen nicht gefällt, da kann man sicher drüber streiten, aber das ist nicht Aufgabe von Software.

            Bitte nicht falsch verstehen, vielleicht war der Schritt an der Zeit, aber das sollte innerhalb der Benutzer von Freier Software zu eher philosophisch grundsätzlichen Überlegungen führen und nicht zu politischen Diskussionen. Vor allem sollte es nicht von oben herab abgekanzelt werden, als wäre es so völlig in Ordnung und der normale Lauf der Dinge.

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            1. Das kannst du sehen wie du willst, aber an die im Land gültigen Gesetze, Verordnungen und sonstige Regelungen muss sich jeder halten, der nicht von den lokalen Strafverfolgungsbehörden belangt werden will. Das ist in freiheitlichen Demokratien nicht anders als in Diktaturen. Nur die Gesetze, Verordnungen und sonstigen Regelungen sind von Land zu Land unterschiedlich.

              Software ist nicht immer neutral, siehe z. B. § 202c Abs. 2 StGB in Deutschland.

              Softwareentwicklung steht nicht über dem Gesetz.

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              1. Aber gegen welches Gesetz sollen denn die Kernel-Entwickler verstossen haben, bzw. ihre Patchs? Sanktionen sind doch nicht gleich Gesetz, und Gesetze gibt es viele in allen Ländern. Ausserdem werden Sanktionen von einem Teil von Staaten nicht von allen anderen Staaten mit der gleichen Brille betrachtet.

                Oder geht es hier doch eher um ein politisches Statement, um Russland und anderen Ländern eins reinzudrücken, weil es gerade politisch opportun ist?

                Also was wurde hier entwickelt, was gegen irgendein Gesetz verstösst und zum Ausschluss von Entwicklern geführt hat?

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                1. Die Antwort auf deine Fragen steht im Artikel.

                  Jedes Land hat seine eigenen Gesetze, Verordnungen, Regelungen, Sanktionen, Embargos, Ordnungswidrigkeiten, usw. Bei entsprechenden Verstößen im zugehörigen Geltungsbereich droht eine strafrechtliche Verfolgung.

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                  1. Mag sein, aber davon sollte sich wirklich freie Software unabhängig machen. Darüber gilt es zu diskutieren.

                    Sonst kann es nämlich hässlich werden. Stell dir doch mal vor, ein Land, in dem eine für freie Software relevante Foundation hypothetisch sitzen könnte, macht Gesetze gegen eine bestimmte Religionsangehörigkeit, gegen LGBTQ oder was sonst der dortigen Regierung gerade nicht passt, und setzt diese durch.

                    Und ob ein theoretischer Einsatz von Software in Kriegsgerät dann wirklich so billig verhindert werden kann, oder überhaupt nur irgendwas bewirkt bei den Betroffenen, sofern sie dazu überhaupt in der Lage sind, wage ich zu bezweifeln. Das Thema “Einsatz von Software in unbequemen Szenarien (wie Kriegsgerät, Überwachung etc.)” müsste grundlegend überdacht werden, um daran etwas zu ändern oder zumindest eine klare Definition zu haben. Das Thema ist mindestens so alt wie die Informatik (Lochkarten, Volkszählung z.B.) oder das im Prinzip alles für oder gegen andere Menschen verwendet werden kann. Ist der Schmied ein schlechter Mensch, weil er ein Messer geschmiedet hat, mit dem ein anderer jemanden umbringen könnte?

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  7. Vielleicht sollte man auch erwähnen, daß die russischen Firmen betroffen sind und deren Mitarbeiter, die den Angriffskrieg unterstützen.
    So liest es sich nämlich anders. Und unter diesem Aspekt sollte man auch Torvalds Aussage, er sei Finne, verstehen. Es steht den Maintainer auch frei politisch sich gegen den Angriffskrieg zu positionieren, taten sie aber nicht..

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    1. > Es steht den Maintainer auch frei politisch sich gegen den Angriffskrieg zu positionieren, taten sie aber nicht.

      Dieses Aussage ist in ihrem Wesen perfide … spielt aber keine Rolle, da im vorliegenden Fall eine wie auch immer angezeigte Position ohnehin nicht relevant wäre. Für die eigene Rehabilitierung müssten “Dokumente” vorgelegt werden, die dann vermutlich von den entsprechenden Diensten/Behörden geprüft werden.

      Lies doch mal die im Artikel verlinkte Stellungnahme von Sergey Semin, keine Spur von Politik oder irgendwelchen Positionierungen. Wozu auch, allen ist klar, dass er nicht die Knöpfe drückt und umgekehrt ist ihm klar, dass die Entscheidung über seinen Entfernung, an anderer Stelle getroffen wurde. Seine Enttäuschung aus dem ersten Absatz kann ich gut nachvollziehen und trotzdem findet er einen versöhnlichen Ton. Hochachtung. Das er sich nicht explizit zur Politik äußert, macht ihn – zumindest bei mir – nicht automatisch zu einem Kriegsunterstützer.

      Bitte nicht antworten, Danke.

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      1. Freie Software ist freie Software. Über den Aspekt einer eventuellen nicht wünschenswerten Verwendung freier Software ist in der Vergangenheit schon sehr ausführlich diskutiert worden. Vielleicht zitiert man hier an der Stelle einfach mal die alten Stellungnahmen zu diesem Thema.

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  8. Es sind nicht nur Personen russischer Arbeitgeber betroffen, offenbar werden/wurden auch Mitarbeiter von Huawei “entfernt”.

    https://lore.kernel.org/all/20241024032637.34286-1-quake.wang@gmail.com/

    > Remove some entries due to various compliance requirements. They cannot come back in the future as huawei is sanctioned by most freedom countries in the world.

    🙁

    Da Huawei groß genug ist, könnte es sein, dass es wie mit HarmonyOS (nach Android-Bann) nun bald einen “Harmony-Kernel” als Reaktion darauf gibt. Das Entwickler, die selbst wohl die aktuelle Situation nicht zu verantworten haben und unangehört gecancelt wurden, jemals wieder “zurück” wollen, glaube ich nicht. Alles sehr sehr traurig …

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  9. Danke für die weiterführenden Infos.

    Ja, die Kommunikation war bescheiden. Es klang anfangs so, als seien Personen nur aufgrund ihrer russischen Herkunft enfernt worden – nicht weil es weitergehende zwingende Gründe gab.
    Ja, und Torvalds ist halt auch nicht der beste darin, sich vornehm diplomatisch auszudrücken.

    Apropos, da der Mann Torvalds und nicht Torvald heißt, muss es oben im Text statt “Zunächst hatte Greg Kroah-Hartman, Torvalds Nummer Zwei,” heißen: “Zunächst hatte Greg Kroah-Hartman, Torvalds’ Nummer Zwei,”.

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