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Erstes Release: Wayback 0.1 erschienen

Vor gut drei Wochen berichteten wir über ein Projekt namens Wayback. Entwickler bei Alpine Linux arbeiten daran, die Funktionalität von X11 zu erhalten, ohne den Code selbst mitschleppen zu müssen. Das im GitLab von FreeDesktop.org angesiedelte Projekt hat gerade eine erste Version Wayback 0.1 veröffentlicht.

Ersatz für Xorg

Wayback ist eine X11-Kompatibilitätsschicht, die es ermöglicht, vollständige X11-Desktop-Umgebungen mit Wayland auszuführen. Es ist im Wesentlichen ein X11-Server, der von Wayland unterstützt wird und dazu wlroots und Xwayland nutzt. Das Ziel ist, dass Wayback letztlich ein vollständiger Ersatz für die Xorg-Binärdatei wird und somit den Wartungsaufwand für die Betreuer der Distributionen reduziert.

Alpha-Stadium

Die Entwickler bescheinigen Wayback 0.1 Alpha-Qualität, trotzdem sei die Anwendung in einfachen Umgebungen bereit für den täglichen Einsatz, sofern man gelegentliche Fehler nicht scheut. Zudem seien noch nicht alle geplanten Funktionen implementiert:

  • Es gibt derzeit noch keine Unterstützung für mehrere Monitore
  • DPMS-Steuerung wird noch nicht unterstützt
  • Viele Xorg-Optionen sind derzeit erst im Ansatz fertig
  • Einige andere Dinge funktionieren nicht, wie etwa das Sperren der Maus, was von XScreenSaver verwendet wird

Der Quellcode von Wayback 0.1 kann von GitLab heruntergeladen werden. Neben Alpine hat NixOS die Software bereits paketiert. Sie ist zudem im AUR von Arch Linux verfügbar.

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11 Kommentare

  1. Wayback kommt mir vor wie ein Nostalgie-Projekt, dass dafür sorgt, dass man auch noch im Jahr 2030 i3 nutzen kann, obwohl es längst sway gibt, oder LXDE statt LXQT.
    Ein Desktop Environment soll doch eigentlich nur die Bedienung erleichtern, stellt aber ansonsten keinen eigen Inhalt da.
    Und nein, Wayback wird niemals die komplette X11 Funktionalität bereitstellen, denn dann könnte man auch bei X11 bleiben.
    Meiner Ansicht nach, sind Nostalgiefans mit Screenshots der alten Umgebung besser bedient.

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    1. Man will mangels Unterstützung aber nicht beim X-Server bleiben, da man das für ein Sicherheitsrisiko hält, und trotzdem nicht gleich alle Desktops entsorgen, die Wayland aktuell noch nicht unterstützen. Irgendwann nimmt die Nachfrage natürlich ab, und dann wird die Entwicklung einschlafen.

      X11Libre scheint dabei auch keine Alternative gewesen zu sein: https://ariadne.space/2025/07/07/two-weeks-of-wayback.html

      “A poorly kept secret is that the X11 graphics stack is under-maintained as resources shift towards the maintenance of Wayland’s graphics stack instead. To some extent, technical steering committees in major distributions have been watching this situation develop for the past few years with increasing concern, as limited maintenance becomes a security risk: bugs accumulate and already burdened distribution security teams have to carry the security maintenance load in an absence of new releases.

      In Alpine, we have been discussing the sunset of the standalone X.org server implementation for several years for these reasons to come up with a strategy that allows us to keep supporting X11-based desktop environments in a world without the X.org server. Recently, a group of neofascist reactionaries announced a fork of the X.org server which, amongst other things, has introduced new security bugs into the X server they forked from X.org (https://github.com/X11Libre/xserver/pull/56), which brought Alpine to a new crossroads in the general discussion we’ve been having about X11. While Alpine has rejected this fork on the grounds that collaborating with neofascist reactionaries is fundamentally incompatible with our values, the overarching problem of X11 under-maintenance still persists, and is unlikely to change any time soon, leading us to begin directly looking for a solution.”

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    2. ”Ein Desktop Environment soll doch eigentlich nur die Bedienung erleichtern, stellt aber ansonsten keinen eigen Inhalt da.”

      Den Satz verstehe nicht nicht so ganz. Natürlich ist eine Desktopumgebung eine eigener Inhalt. Und diese bringt ja wiederum dazugehörige Systemprogramme mit – sei es nun ein Systemmonitor, Text Editor oder Bildbetrachter.

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  2. Es muss Montag sein 🙂

    Absatz “Alpha-Stadium”
    > […] trotzdem sei die Anwendung in einfachen Umgebungen bereits für den täglichen Einsatz […]

    “bereits” vs. “bereit”

    X11 scheint doch sehr wichtig zu sein, wenn soviel Mühe aufgewendet wird. Letztens schon der Fork, jetzt eine weitere Kompatibilitätsschicht, wobei ich bisher dachte (kein Kenner der Materie) Xwayland sei diese Kompatibilitätsschicht.

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    1. Xwayland ist eigentlich dazu da, einzelne Anwendungen, die auf X angewiesen sind, nutzen zu können, obwohl die Desktopumgebung Wayland nutzt. Mit Wayback soll jetzt die komplette Desktopumgebung unter Xwayland laufen können. Dafür braucht es dann aber eben noch ein paar zusätzliche Komponenten.

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    2. Xwayland ist für X11 Applikationen unter Wayland, erlaubt aber nicht einen X11 Desktop oder Windowmanager (icewm, fluxbox, rox, windowmaker …) zu benutzen, da bei Wayland der Compositor und der Windowmanager üblicherweise identisch sind.

      Wayback stellt jetzt einen Wayland Compositor OHNE Windowmanagement dar, so dass X11 Windowmanager verwendet werden können

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