Im Mai hatte das belgische Unternehmen Llama Group als derzeitiger Besitzer des 1997 erstmals erschienenen Mediaplayers Winamp angekündigt, den Quellcode des Players freigeben zu wollen. Diesem Versprechen sind sie vor zwei Tagen nachgekommen. Allerdings entspricht das, was da auf GitHub eingestellt wurde, keineswegs den Anforderungen an Open Source.
Wie die Entwickler auf X schreiben, soll die Community an der künftigen Weiterentwicklung des aus dem Dornröschenschlaf erweckten Players teilhaben. Jedoch steht die Winamp Collaborative License (WCL) in mehreren Punkten im Widerspruch zu den Regeln freier Software und den Nutzungsbedingungen von Github. In Absatz 5 verbietet die WCL Forks und die Veröffentlichung modifizierter Versionen und widerspricht damit dem von der Llama Group propagierten Copyleft der Lizenz. Zudem würde der Beitragende, so sich unter diesen Bedingungen einer findet, laut Absatz 4 mit seiner Einreichung alle Rechte an Winamp abtreten:
Abtretung von Rechten: Mit der Einreichung von Beiträgen erklären Sie sich damit einverstanden, dass alle geistigen Eigentumsrechte, einschließlich des Urheberrechts, an Ihren Beiträgen an Winamp abgetreten werden. Sie gewähren Winamp hiermit eine unbefristete, weltweite, nicht-exklusive und gebührenfreie Lizenz zur Nutzung, Vervielfältigung, Änderung und Verbreitung Ihrer Beiträge als Teil der Software, ohne dass Sie dafür eine Vergütung erhalten.
Winamp sucht also Dumme, die die Software unentgeltlich für sie weiterentwickeln, ohne dabei irgendwelche Rechte zu haben. Da Softwareentwickler in aller Regel nicht dumm sind, dürfte das Unterfangen schwierig werden. Wer immer diese Lizenz aufgesetzt hat, hätte sich zudem besser über die Regeln bei GitHub informieren sollen. Mittlerweile wurde die Klausel, die Forks verbietet, wieder entfernt, da es sonst sehr schwierig wäre, Pull Requests zu erstellen.
Man will zwar bei Winamp das Copyright aller Einreichungen für sich beanspruchen, verletzt aber gleichzeitig das Copyright von Dolby, indem man Teile von deren proprietärem Code veröffentlicht. Mein Fazit: Llama Group versucht hier, mit spätkapitalistischem Gehabe kostenlose Mitarbeit zu generieren, hat aber gleichzeitig keine Ahnung von den Spielregeln. Die Freigabe von Code führt nicht automatisch zu Open Source, denn damit hat dieses schon fast lächerliche Negativbeispiel absolut nichts zu tun. Dass Ganze erinnert ein wenig an die Übernahme von Audacity durch die Muse Group. Auch hier sollte eine CLA den Beitragenden die Rechte an ihrem Code entziehen.

»Inakzeptabel« ist ein recht undankbares Urteil für die Offenlegung einer seit über 2 Jahrzehnten proprietären Software. Das belgische Unternehmen Llama Group als Besitzer von Winamp hätte auch mit FU auf alle Open-Source-Anfragen reagieren können.
Zum Thema Openwashing gab es unlängst einen Vortrag: https://media.ccc.de/v/ds24-399-openwashing-ans-licht-
OpenSource != free software
Das ist natürlich richtig pad man.
Aber wenn ich als Firma möchte das die Community KOSTENLOS mitarbeitet, ist alles was nicht free software ist jeher nicht sinnvoll.
Und das einige das jetzt trotzdem forken ist genauso dumm.
Wenn Dolby klagt (wovon ich jetzt erstmal ausgehe!) und gewinnt, sind all diese forks illegal.
Außer natürlich sie machen sich die Arbeit, das und alles andere möglicherweise proprietäre zu entfernen.
Da die bei Dolby aber schon diesen sehr groben Fehler drin haben, kann die Suche danach zur Sisyphus Arbeit werden.
Und es gibt schon mehr bessere als nur gute Alternativen, die das Problem nicht haben.
Warum sollte ein Entwickler sich also diesem Risiko oder Arbeit aussetzen.🙄
Die Kommentare auf GitHub sagen so ziemlich alles.
Die Community ist sich bewusste welcher Fehler das ist. Und forkt dennoch weil sie wissen, dass es nun im Grunde zu spät ist für Winamp.
Der Sarkasmus auf die Git-History wo versucht wurde Dolby-Code zu löschen, ist schon echt funny… “sag ihnen doch nicht wie git funktioniert und wie man an den Dolby Code dank der Historie nun jederzeit kommen kann…”.
Die Firma hat sich da ein böses blaues Auge geholt und wird noch sicher ein Nachspiel haben.
Die einen sagen “ihr hattet doch nur einen Job!” und ich denke mir nun, vermutlich wussten die Dev’s was es bedeutet und warten intern vllt. sogar. Wenn von oben aber die Anweisung kommt… tja.
Der mit Open Source offensichtlich unerfahrene Entwickler macht bei der Open-Source-Veröffentlichung seiner bisher proprietären Software einen Fehler und die Open Source Community nutzt dies schamlos aus. Dieser Fehler sagt weniger über den Winamp-Besitzer als über die Open Source Community aus.
Tja, da gibt es wohl nicht viel mehr zu sagen, als manche lernen es nie.🙄
Bin allerdings gespant wie Dolby auf die unerlaubte Veröffentlichung ihres proprietärem Code reagiert.🤦♂️