Im Oktober 2024 berichteten wir über einen Streit zwischen Matt Mullenweg, CEO von Automattic und Mitbegründer sowie Chefentwickler von WordPress und dem WordPress-Hoster WP Engine. Bei dem Streit geht es um Mullenwegs Vorwurf, WP-Engine profitiere seit vielen Jahren vom quelloffenen WordPress, ohne selbst viel dazu beizutragen, wie Mullenweg in einem Blogeintrag im September ausführte.
Vor den Kadi
Das Drama ging beiderseits vor Gericht, wobei Mullenweg am 10. Dezember per einstweiliger Verfügung vorerst den Kürzeren zog und den gesperrten Zugriff für WP Engine auf Ressourcen und Plug-ins auf WordPress.org wieder freigeben musste. Weitere Gerichtsentscheide stehen noch aus.
Entwicklerzeit zurückfahren
Während es in den vergangenen Wochen vermutlich auch wegen der Feiertage ruhig blieb, eskaliert die Situation derzeit wieder. Am 10. Januar erklärte Automattic, dass es seine Beiträge zur Open-Source-Version von WordPress einschränken würde. Das Unternehmen werde anstatt wie bisher rund 4.000 Stunden insgesamt nur noch etwa 45 Stunden pro Woche investieren. Das entspreche der Zeit, die WP Engine für das WordPress-Ökosystem aufbringt. Damit wolle man sicherstellen, dass zumindest Sicherheitslücken und kritische Fehler bearbeitet werden.
Kann ein WordPress-Fork erfolgreich sein?
Wenn Automattic das umsetzt, entsteht eine Lücke, die von der Community geschlossen werden muss. Da Mullenweg viele Sympathien mit der Community verspielt hat, würde das vermutlich einen Fork von WordPress bedeuten. Das wäre allerdings ein schwieriges Unterfangen nicht nur wegen der Komplexität, sondern auch, weil Mullenweg Dienste wie WordPress.org kontrolliert. Ohne einen Account auf der Webseite lassen sich weder Code noch Themes oder Plug-ins beitragen. Dies mussten am vergangenen Samstag fünf Community-Mitglieder am eigenen Leib erfahren, nachdem Mullenweg ihre Accounts gesperrt hatte, nachdem er sie beschuldigt hatte, einen Fork zu planen. Anlass war Joost de Valk, einer der gesperrten Entwickler, der für sein WordPress-SEO-Tool Yoast bekannt ist. Er veröffentlichte kurz vor den Feiertagen einen Blogeintrag, in dem er einen föderalen und unabhängigen Ansatz für WordPress forderte:
Wir, die WordPress-Community, müssen uns entscheiden, ob wir damit einverstanden sind, von einer einzigen Person geführt zu werden, die alles kontrolliert und vielleicht Dinge tut, mit denen wir nicht einverstanden sind, oder ob wir etwas anderes wollen. Für ein Projekt, dessen Slogan »Democratizing Publishing« lautet, haben wir genau das bisher nicht getan: Demokratisierung.
Mullenweg nicht kritikfähig?
Noch im Oktober hatte sich Mullenweg öffentlich positiv über einen Fork geäußert, sollte der Streit mit WP Engine es erforderlich machen. Somit fiel die Rechtfertigung der Sperrung der fünf Community-Entwickler wegen des Blogbeitrags von Joost nicht gerade leicht. Mullenweg versuchte, die Kurve zu kriegen, indem er schrieb, die Deaktivierung der Konten sei ein Anstoß für die gesperrten Entwickler, die sie benötigen, um mit einem Fork loszulegen.
Um dies zu vereinfachen und dem Projekt hoffentlich den nötigen Schub zu geben, den es braucht, um in Gang zu kommen, deaktiviere ich die .org-Konten. Ich ermutige jeden, der andere Führungsmodelle ausprobieren oder sich mit WP Engine zusammentun möchte, sich an ihren neuen Bemühungen zu beteiligen.
Ein Schelm, der darin Sarkasmus entdeckt. Wer Mullenweg kritisiert, dessen Beiträge zu WordPress sind anscheinend nicht mehr erwünscht. Weitere Einzelheiten der derzeitigen Entwicklung bietet ein Beitrag des nicht mit WordPress verbandelten Entwicklers Gavin Anderegg.

Ein CMS sollte einen Code produzieren, der entweder händisch oder durch ein anderes CMS übernommen, weiter gepflegt und bearbeitet werden kann. Daher ist für mich persönlich WordPress uninteressant. Ich empfehle mangels geeigneten Tools mit einem Editor, wie bspw. Bluefish zu arbeiten.
Wenn ich das richtig verstehe, dann moniert Mullenweg, dass WP Engine WordPress ohne Gegenleitung nimmt und damit Geld verdient. Also nichts an WordPress zurück gibt. Nicht finanziell aber auch nicht mit Code.
Damit hat er dann aber nach meiner Auffassung 100% recht das zu kritisieren.
Dieses Schmarotzertum und sich sogar nach darüber aufregen, dass man nicht kostenlos bekommt und die Arbeit der anderen ignoriert finde ich gelinde gesagt schon lange ärgerlich.
Mullenweg handelt hier natürlich ziemlich unglücklich. Das eigentliche Grundproblem ist doch aber die Finanzierung von OpenSource-Projekten generell. Das ist hier ja nicht der erste Fall. Ähnliche Probleme gibt bzw. gab es schon mit Redis, Elastic Search, CentOS usw.
Und solange da keiner eine Lösung findet, wird es solche Fälle immer wieder geben.
Tja da sollte sich auch jeder Nutzer selbst mal in den Arsch treten und freiwillig seinen Beitrag leisten.
Frueher war das noch gang und gaebe, das jeder Nutzer es unterstuetzte aber seit es immer mehr Egomanen werden…
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die FOSS-Community sich auf andere Systeme konzentriert und WordPress in erster Linie von klassischen Firmen gepusht wird.
Von “Webdesigner” und kleinen Agenturen, bis hin zu Plugin-Entwicklern die ihr Wissen vermarkten usw.
Ich denke, wenn da nicht bald Ruhe rein kommt, wendet sich die restliche Community anderen Systemen zu anstatt zu forken.
Und dann dauert es nochmal eine Ewigkeit bis Firmen und deren Entwickler sich abwenden (haben ja Geld rein gesteckt, Kunden damit ausgestattet usw.)
FOSS-Technisch gibt es vielversprechende Alternativen, welche einen guten Schwung an Entwicklern und Firmen gebrauchen könnten. Aber dennoch noch nicht mit dem Ökosystem von WP mithalten können. Das wird dauern.
Nee man sollte endlich mal wieder von dem muss Firma denken weggehen.
Wenns genug alternativen gibt, dann ist ja gut, man braucht nicht immer ein riesenpaket fuer ne webpraesenz. Effektives fuer den benoetigten Zweck ist viel besser als so ein riesen Teil.
Was heist bei dir “Ökosystem von WP”?
Sehe ich, ehrlich gesagt, so 0.
Ich wünschte wie du, dass eine Welt 100% gemeinnützig wäre. Das ist sie leider nicht.
FOSS hat ein zentrales Problem. Langzeit-Support damit einher geht Planungssicherheit für die Wirtschaft. Sowie allgemeiner Support bei Problemen.
Ein Projekt ist ganz schnell tot wenn die Community nicht mehr will. Das ist für den breiten Einsatz ein KO-Kriterium.
Besagte Pflege ist jedoch nur zu gewährleisten wenn eine Gegenleistung kommt um die Community zu motivieren. Im Regelfall ist dies finanzieller Natur damit die Entwickler ebenfalls von etwas leben können.
Aus dem Grund entstanden ja Modelle wie Community-Based (aber “Support” nur über das Community Forum) oder aber Enterprise mit Support (von einer entsprechenden Firma).
Das wird dann aus Habgier und Co torpediert… brauchen wir nicht drüber reden. Aktuell sehe ich kein perfektes Konzept. Aber mit inkludierten Firmen und deren Kapital, sehe ich als notwendig an aktuell.
Bei WordPress ist es alles was drum herum existiert. Viele Webdesigner, Agenturen, Entwickler usw. haben sich auf WP spezialisiert. Dazu eine enge Anbindung bzw. tefe Integration des Plugin-Systems und des “Stores”. Was eine schnelle Akzeptanz vom Enduser ermöglicht. Usw. Das ganze Konzept ist stark verzahnt mittlerweile und es scheitert ein Wechel immer wieder an “Aber das konnte ich in WordPress ohne Probleme. Das auch. Jenes auch. Dafür gab es ein Plugin, warum hier nicht” usw. ^^
Die sollen das Forken und dann koennen die Anderen sich weiter streiten.
Scheinbar ist der Community WordPress doch nicht so wichtig, sonst haetten sie es schon lange gemacht. Koennt man denken.