Die unendliche Geschichte: Debian und Systemd

Debian Systemd
Bild: Debian | Quelle Mohd Sohail | Lizenz: CC BY-SA-2.0

Es vergeht kein Jahr, in dem es bei Debian nicht mindestens eine Diskussion über Systemd gibt, das bei der Distribution seit 2014 das Standard-Init-System ist. Die Entscheidung für Systemd traf damals nach langen und hitzigen Diskussionen Debians Technisches Komitee (CTTE).

Seitdem gab es viele Diskussionen über die Unterstützung alternativer Init-Systeme, die letztes Jahr in einer Grundsatzentscheidung (General Resolution, GR) gipfelten. Gewonnen hat die Abstimmung damals Option 2 “B: Systemd but we support exploring alternatives” des damaligen Debian-Projektleiters Sam Hartman:

Das Debian-Projekt erkennt an, dass Systemd Service-Einheiten die bevorzugte Konfiguration sind, um zu beschreiben, wie man einen Daemon/Dienst startet. Dennoch bleibt Debian eine Umgebung, in der Entwickler und Benutzer alternative Init-Systeme und Alternativen zu Systemd erforschen und entwickeln können. Diejenigen, die daran interessiert sind, solche Alternativen zu erforschen, müssen die notwendigen Entwicklungs- und Paketierungs-Ressourcen zur Verfügung stellen, um diese Arbeit zu erledigen.

General Resolution missachtet?

Das scheinen nicht alle Entwickler so zu sehen, denn nun kommt ein Fall vor das CTTE, bei dem der Maintainer des Pakets NetworkManager nach Meinung anderer Entwickler diese Grundsatzentscheidung missachtet und damit den Zugang zu anderen Init-Systemen erschwert oder gar verhindert.

Init-Script entfernt

Es begann mit einem Bugreport aus dem Sommer, der moniert, dass Michael Biebl, der maßgeblich die Integration von Systemd in Debian vorangetrieben hat und immer noch betreut, ein Init-Script aus dem von ihm betreuten Paket NetworkManager entfernt hatte, dass die Nutzung alternativer Init-Systeme ermöglichte. Da NetworkManager ein essenzielles Paket für viele Anwender ist, versucht der Bugreport, die Entfernung rückgängig zu machen.

network-manager (1.25.91-1) unstable; urgency=medium

  * New upstream version 1.25.91 (1.26 rc2)
  * Remove SysV init script

 -- Michael Biebl <[…]>  Thu, 02 Jul 2020 01:17:08 +0200

Das Technische Komitee entscheidet

Da Biebl aber über Monate nicht im Sinne der Befürworter des Init-Scripts reagierte, versuchte es ein Entwickler über das in dem Fall ungeeignete Mittel eines NonMaintainerUpload (NMU), die Änderung rückgängig zu machen. Dem widersprach Biebl. In letzter Konsequenz wendet sich Entwickler Matthew Vernon jetzt an das CTTE, Debians höchste technische Instanz, um den Fall klären zu lassen. Die Frage im entsprechenden Bugreport an das Komitee lautet: »Sollten Maintainer in der Lage sein, Änderungen der Init-Kompatibilität zu blockieren?«

Vernon möchte damit nicht nur das Init-Script in NetworkManager zurück an seinen Platz, sondern generell eine Entscheidung, die verhindert, dass Maintainer Debians Init-Freiheit behindern, es sei denn, der Grund ist ein kaputtes Paket. Vernon wünscht sich eine Entscheidung, die sich bereits auf Debian 11 »Bullseye« auswirkt.

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