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Debian führt Entscheidung über Non-Free-Firmware herbei

Wie nicht anders zu erwarten, kommt es in der Frage, wie Debian Non-Free-Firmware handhaben soll, zu einer General Resolution (GR), bei der die offiziellen Entwickler anhand mehrerer Auswahlmöglichkeiten verbindlich entscheiden, wie künftig mit dem Thema Non-Free-Firmware umgegangen wird.

Das Problem

Das Problem ist nicht neu und wird seit vielen Jahren immer wieder diskutiert. Die offiziellen Abbilder von Debian beschränken sich auf den Zweig main, der nur freie Software enthält, so wie es die Debian Free Software Guidelines vorsehen. Für eine Neuinstallation wird heutzutage meist WLAN verwendet, viele Anwender haben dabei oft nicht einmal ein LAN-Kabel zur Hand. Somit wird es schwierig, ein funktionierendes System zu installieren, da WLAN überwiegend unfreie Firmware aus den non-free Repositories voraussetzt. Neueinsteiger steigen hier oft gleich wieder aus, da sie sich nicht zurechtfinden und die inoffiziellen Abbilder, die non-free inkludieren, nicht finden oder die Situation nicht verstehen. Und schon ist ein neuer Ubuntu-User geboren.

Windows-Umsteiger facht Diskussion an

Ein solcher Umsteiger von Windows entfachte Anfang 2021 die Diskussion über diesen Missstand erneut und fand letztlich im ehemaligen Projektleiter Steve McIntyre einen Fürsprecher, der das Thema auf der kürzlich zu Ende gegangenen DebConf 21 nochmals öffentlich diskutierte und Lösungsvorschläge einbrachte. Auf dieser Grundlage entstanden die drei Vorschläge der GR, über die die Entwickler nun entscheiden können:

  • Vorschlag 1 von Steve McIntyre: Debian inkludiert Pakete aus der Sektion non-free-firmware des Debian-Archivs auf den offiziellen Abbildern. Die mitgelieferten Firmware-Binärdateien werden standardmäßig aktiviert, wenn das System feststellt, dass sie erforderlich sind. Wenn möglich wird Debian Möglichkeiten für Benutzer vorsehen, dies beim Booten zu deaktivieren. Das Non-Free-Repository ist nach der Installation freigeschaltet, sodass die installierte Firmware aktualisiert werden kann. Diese Images werden als offizielle Debian-Medien veröffentlicht und ersetzen damit die aktuellen Mediensätze, die keine unfreien Firmware-Pakete enthalten.
  • Vorschlag 2 von Gunnar Wolf: Der zweite Vorschlag unterscheidet sich kaum vom ersten, geht aber etwas weiter. Er sieht nicht vor, die derzeitigen Mediensätze durch die mit unfreier Firmware zu ersetzen, sondern diese zusätzlich anzubieten. Abbilder, die unfreie Firmware enthalten, werden prominenter präsentiert, sodass Neulinge sie leichter finden können; vollständig freie Images werden nicht versteckt; sie werden von denselben Projektseiten verlinkt, aber mit weniger visueller Priorität.
  • Vorschlag 3 von Bart Martens: Dieser Vorschlag verwässert den Ansatz zu einer unverbindlichen Kann-Bestimmung: Das Debian-Projekt kann Distributionsmedien, die Pakete aus dem unfreien Teil des Debian-Archivs enthalten, neben den freien Medien zum Download bereitzustellen, und zwar so, dass der Benutzer vor dem Herunterladen darüber informiert wird, welche der Abbilder auf freie Software beschränkt sind.

Die meisten Unterstützer hat derzeit Vorschlag 1. Die Diskussionsperiode geht noch bis zum 3.9.

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