Linus Torvalds

Linux 6.0 mit verbessertem Scheduler freigegeben

Linus Torvalds hat am Wochenende nach sieben Release-Kandidaten Linux 6.0 in die Freiheit entlassen. In seiner Ankündigung auf LKML betont er, die neue Versionsnummer habe nicht die Bedeutung, die man einer neuen Hauptversion bei Software üblicherweise beimisst. Während Torvalds bei der Kernel-Reihe 2.6 erst bei 2.6.39 die Reißleine zog und auf 3.0 umschwenkte, tut er dies in letzter Zeit üblicherweise bereits bei x.19 oder x.20.

So, as is hopefully clear to everybody, the major version number change is more about me running out of fingers and toes than it is about any big fundamental changes.” – Linus

Linus Torvalds

Scheduler verbessert

Wie üblich bringt auch Linux 6.0 eine Mischung aus Treiber-Updates und Verbesserungen am Core und den einzelnen Subsystemen. Bei der Hardware stechen Verbesserungen bei Server-Prozessoren wie Intels Xeon Ice Lake oder AMDs EPYC hervor. Auch AMDs Threadripper profitiert wie die Server-Kollegen von den vorgenommenen Änderungen am Scheduler, wie etwa dem verbesserten NUMA-Balancing.

Intel- und AMD-CPUs

Weitere Fortschritte wurden bei der Integration von Intels bald erscheinenden Serverprozessoren Sapphire Rapids ebenso erzielt wie für die gerade erschienene Plattform Raptor Lake und die erstmals auf Chiplet-Basis aufgebauten Prozessoren der Meteor Lake-Reihe. Bei AMD wird weiterhin Zen 4 vorbereitet. AMD arbeitete weiter am Grafik-Treiber für die im November erwartete Microarchitektur RDNA3 als Antwort auf NVIDAs Ada Lovelace GPUs. RDNA3 soll, so hofft AMD, in der kommenden Grafikkarten-Serie Radeon RX 7000 Dienst tun. Für die aus China stammende LoongArch CPU-Architektur wurde PCI-Unterstützung freigeschaltet. Gleiches gilt für OpenRISC.

Dateisysteme

Bei den Dateisystemen erhielt Btrfs Unterstützung für das Send Stream-Protokoll V2.0. Die Btrfs-Sende- und Empfangsfunktion ermöglicht die Erzeugung eines Streams von Änderungen zwischen zwei Sub-Volume-Snapshots, die für effiziente Backups verwendet werden können. V2.0 führt unter anderem Unterstützung für das Lesen und Schreiben komprimierter Daten ein. Google-Entwickler spendieren dem Flash Friendly File-System (F2FS) einen Low Memory-Modus, der besonders bei günstigen Android-Geräten zum Einsatz kommen soll. XFS erhielt unter anderem Patches für bessere Skalierbarkeit auf Maschinen mit vielen CPUs.

io_uring weiter ausgebaut

Das mit Linux 5.1 als Ersatz für a.out eingeführte io_uring, das als eine der herausragenden Neuerungen der letzten Jahre gefeiert wird, erhielt weitere Verbesserungen. io_uring stellt eine hochperformante Schnittstelle für asynchronen Datenverkehr dar, die im Gegensatz zum Vorgänger nun auch mit gepufferten Ein- und Ausgaben zurechtkommt. Jens Axboe, Maintainer des Block-Subsystems und Hauptentwickler von io_uring brachte Patches ein, die unter anderem das Schreiben bei gepufferten Ein-/Ausgaben optimieren.

Weitere Hardware

In Sachen weiterer Hardware gab es Verbesserungen seitens Intel beim Bussystem Compute Express Link (CXL), das breitbandig unter anderem Komponenten wie CPU und Speicher verbindet. Die Verbesserungen bei ACPI für Linux 6.0 bringen unter anderem einen Fix für Touchpad- und Tastaturprobleme nach Suspend für viele Clevo-Laptops unter anderem von TUXEDO Computers.

Neu unterstützte SoCs sind unter anderem NXP i.MX93, Allwinner H616, Marvell Prestera 98DX2530, Google Chameleon v3 FPGA und eine ganze Reihe von Broadcom SoCs. WiFi 7 erhielt als kommender Standard erste Unterstützung.

Hostname als Kernel-Parameter

Die Verhinderung von Retbleed-Exploits für spekulative Ausführung in den CPUs fast aller Hersteller wird auch mit Linux 6.0 fortgesetzt. Die Leistungseinbußen durch bisherige Retbleed-Mitigationen sollen damit verringert werden. Der System-Hostname kann künftig auch über den Kernel-Parameter hostname= gesetzt werden. Das soll garantieren, dass für eher seltene Szenarien der Hostname beim Start des Rechners gelesen werden kann, bevor das Dateisystem eingehängt und der User-Space verfügbar ist.

Run-Time Verification

Nicht zuletzt wurde für sicherheitskritische Systeme die Infrastruktur der Run-Time Verification (RV) in den Kernel aufgenommen. RV analysiert dabei den Ablauf der tatsächlichen Systemausführung und vergleicht ihn mit der formalen Spezifikation des Systemverhaltens.

Rust in Linux 6.1

Alle Änderungen zu Linux 6.0 können wie immer in den nächsten Tagen auf der Webseite Kernel Newbies im Detail nachgelesen werden. Heute öffnet sich das zweiwöchige Fenster für Einreichungen zu Linux 6.1. Torvalds verspricht für den kommenden Kernel mehr Änderungen am Linux-Core wie etwa die Einführung von Rust als zweiter Sprache neben C in den Kernel. Vermutlich erscheint Linux 6.1 Anfang bis Mitte Dezember.

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