Letzte Woche waren viele Fedora-Anwender über die Nachricht beunruhigt, dass die patentierten Codecs H264, H265 und VC1 in der Grafikbibliothek Mesa 3D über einen neuen Schalter für Fedora 37 deaktiviert wurden. Die Deaktivierung der Hardwarebeschleunigung (VA-API) soll zumindest auf Fedora 36 (und eventuell auch weiter) zurückportiert werden. Bisher waren diese Codecs in Mesa aus Versehen aktiviert, was die Anwälte jetzt dazu veranlasste, die Deaktivierung zu veranlassen.
RPM Fusion springt ein
Da aber nichts so heiß gegessen wird, wie es gekocht wurde, bahnt sich zumindest für Fedora bereits eine Lösung an. Entgegen ersten Aussagen von letzter Woche will das Team des Repository RPM Fusion eine Version von Mesa bereitstellen, bei der die beanstandeten Codecs weiterhin aktiviert sind. Derzeit befindet sich das Paket, das den Namen mesa-freeworld tragen soll, im Review-Prozess. Wird dieser Prozess erfolgreich durchlaufen, was in den nächsten Tagen zu erwarten ist, lässt sich das Paket nach Aktivierung des Repositories einfach mit dem Befehl sudo dnf install mesa-freeworld installieren.
Auch für andere RPM-basierte Distributionen
RPM Fusion ist ein Community-Repository für Anwendungssoftware, die von Fedora, Red Hat Enterprise Linux und CentOS Stream aus meist rechtlichen Gründen nicht verteilt werden darf. Um das Repository, das aus einer Free- und einer Non-Free-Sektion besteht, zu nutzen, muss es zunächst eingerichtet werden. Auch die von CentOS abgeleiteten Distributionen Alma Linux und Rocky Linux können RPM Fusion nutzen.
Für openSUSE, das sich Fedora und Red Hat anschloss und die betroffenen Codecs in Mesa deaktivierte, gibt es eine Lösung, wie Anwender für openSUSE und Tumbleweed selbst die Codecs wieder aktivieren können. Der Weg führt über den openSUSE Build Service (OBS). Dabei wird die Mesa.spec Datei editiert und Mesa anschließend neu gebaut und installiert.

Nichtsdestotrotz wird es Zeit, dass AV1 sich in breiter Masse durchsetzt.
Das ist doch schön, dass Fedora nach all der Aufregung um dieses Thema so schnell und ohne große Diskussionen und Klimmzüge die gewohnt pragmatische Lösung findet. Der Weg über rpmfusion erschien dabei von Anfang an recht naheliegend. Fedora wurde ja in letzter Zeit ziemlich gehyped und in diversen Foren oder z.B. bei Reddit konnte man schon nachverfolgen, wie jene, die sich erst kürzlich ob dieser Lobgesänge in Fedora eingerichtet haben, wegen des Mesa-Problems gleich schon wieder von der Fahne gehen wollten. Aber diese Leute werden wohl ohnehin zur nächsten angesagten Distro weiterziehen, sobald die Auguren sich auf eine solche geeinigt haben.
Ah, geht doch. :o)
Keiner muss nun Mesa selbst bauen.
Es ist anzunehmen, dass die nicht kommerziellen Distributionen dann auch bald nachziehen werden.
Teure Prozesse mit der Lizenz-Mafia kann man sich dort noch viel weniger leisten.
Wie machen das eigentlich Apple und Windows?
Dort scheint das alles kein Problem zu sein.
Herrscht dort ein anderes Rechtssystem?
Beides sind kommerzielle Betriebssysteme. So machen sie das, gegen Vorrausbezahlung. Vermutlich.
Macht doch auch nichts. Auch bei diesen Distributionen wird dann ein Paket bereitgestellt werden, das diese Codecs wieder aktiviert, aber eben nicht offiziell von der Distribution geliefert wird.
Apple, Microsoft und Co. werden sich vermutlich für eine Lizenzierung zahlen und/ oder nicht vorsichtshalber die Codecs deaktivieren, selbst wenn es in den entsprechenden Ländern keinen Patentschutz für Software gibt, da genug Geld für Gerichtskosten etc. vorhanden ist – und wenn man schon eine Rechtsabteilung hat, dann muss die ja auch beschäftigt werden.
Das müsste man im Detail etwas genauer wissen, denn eigentlich muss nur der Hersteller der Grafikhardware zahlen wenn es die Codizes einbaut und der Nutzer, wenn er dies benutzt um kommerziellen Gewinn daraus zu erzielen.
Das ist vermutlich eben nicht so klar. Aktuell haben wir z.B. die Situation, dass Autohersteller Mobilfunk-Lizenzen erwerben müssen, und nicht etwa die Hersteller der entsprechenden Hardware, weil es bei den Mobilfunklizenzen üblich ist, dass der letzte in der Kette, der dem Endkunden die Gesamtlösung anbietet, auch die Lizenzen erwerben muss.
Und hier ist es womöglich irgendwie ähnlich. Die Hardware-Hersteller werden dann die Position zu vertreten, dass ihre Hardware allein nichts tut und sie damit auch keine Lizenzen erwerben müssen, und sich stattdessen derjenige darum kümmern soll, der die Funktion für den Endkunden nutzbar macht (-> Software).
Das kann man dann vielleicht so sehen oder auch nicht, Gewissheit gibt es aber eben nur, wenn man das irgendwie gerichtlich klären lässt und das scheint aktuell wohl keiner zu wollen.